mini|Jean-Joseph Taillasson – Selbstporträt Jean-Joseph Taillasson (* 6. Juli 1745 in Bordeaux; † 11. November 1809 in Paris) war ein französischer Historien- und Bildnismaler, Zeichner und Kunstschriftsteller. Er lebte und arbeitete in Bordeaux, Paris und Rom und zählt zu den Vertretern des französischen Klassizismus im Umfeld von Jacques-Louis David.

Leben Jean-Joseph Taillasson entstammte einer Kaufmannsfamilie aus Bordeaux. Sein Vater hieß ebenfalls Jean-Joseph Taillasson, seine Mutter Jeanne Sermansan stammte aus einer Malerfamilie. Erst im Alter von 16 Jahren begann er seine künstlerische Ausbildung beim Graveur André Lavau l’aîné in Bordeaux. In dessen Werkstatt lernte er den späteren Maler Pierre Lacour (1745–1814) kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. 1764 ging Taillasson nach Paris und besuchte zunächst die private Schule von Joseph-Marie Vien. Zwei Jahre später schrieb er sich an der Académie royale de peinture et de sculpture ein und besuchte die Kurse für angehende Historienmaler. Daneben erhielt er Unterricht bei Nicolas-Bernard Lépicié. Auf Anraten Viens und seines Verwandten Lemoyne bewarb er sich ab 1767 wiederholt – jedoch erfolglos – um den Grand Prix. 1769 erreichte er mit dem Gemälde Achilles legt den Leichnam Hektors neben den Körper des Patroklos (Champaign, Illinois, Krannert Art Museum, University of Illinois) den dritten Platz.

Nach weiteren gescheiterten Anläufen reiste Taillasson im Oktober 1772 mit Zustimmung seiner Familie und in Begleitung von Pierre Lacour auf eigene Kosten nach Rom. Ab April 1774 stellte ihm der Contrôleur général des finances Joseph Marie Terray ein Quartier im Palazzo Mancini zur Verfügung, dem Sitz der Académie de France à Rome. Im selben Jahr wurde er unter Einsendung der in Rom entstandenen Werke Le Tombeau d’Elisée und Mars terrassé par Pallas et secouru par Vénus, die heute beide verschollen sind, zum agréé der Académie des arts de Bordeaux ernannt. Zugleich stellte er im Salon im Hôtel de la Bourse in Bordeaux aus. In der Literatur finden sich abweichende Angaben zur genauen Dauer seines Romaufenthalts. Während das AKL den Zeitraum 1772 bis 1775 nennt und Thieme-Becker nur die Jahre 1772/73 angibt, spricht die anglophone Forschungsliteratur von einem vierjährigen Aufenthalt von 1773 bis 1777. mini|Jean Joseph Taillasson – Seigneur! Voyez ces yeux (Kleopatra wird von Rodogune dabei ertappt, wie sie den Hochzeitskelch vergiftet), 1791. Museum of Fine Arts, Boston Nach seiner Rückkehr nach Paris vernachlässigte Taillasson die Beziehungen zu seiner Heimatstadt. Fortan verband er in seiner Laufbahn antikisierende Historienbilder mit Bildnisaufträgen, darunter 1777 das Porträt des Claude-Louis, comte de Saint-Germain (Versailles, Musée national des châteaux de Versailles et de Trianon). 1782 wurde er mit einer Darstellung der Geburt Ludwigs XIII. (Pau, Musée national du Château) zum agréé der Pariser Académie royale ernannt und 1784 mit dem Werk Ulysse et Néoptolème enlevant à Philoctète les flèches d’Hercule (Bordeaux, Musée des Beaux-Arts de Bordeaux) zum vollwertigen Mitglied (reçu) erhoben. Von seiner Aufnahme bis 1806 beschickte er regelmäßig den Salon und lieferte 1785 mit rund einem Dutzend Gemälden und Zeichnungen den umfangreichsten Beitrag. Während der Französischen Revolution engagierte sich Taillasson für die neue politische Ordnung. Seine ersten offiziellen Aufträge erhielt er 1792, als Jacques-Louis David ihm eine Wohnung im Louvre verschaffte. Die im Jahr 1792 eingerichteten Prix d’encouragement zeichneten unter anderem die Werke Pauline, femme de Sénèque, rappelée à la vie (1792/93, Paris, Musée du Louvre) und Héro et Léandre (1798, Bordeaux, Musée des Beaux-Arts) aus. Jean-Joseph Taillasson starb am 11. November 1809 in Paris.

Werk mini|Jean-Joseph Taillasson – Sapho se précipitant dans la mer (Sappho springt in das Meer). Musée des Beaux-Arts de Brest Die Gemälde von Jean-Joseph Taillasson, die er sorgfältig durch Zeichnungen vorbereitete und in antikisierenden Bildbühnen inszenierte, stehen in der Tradition des Klassizismus von Jacques-Louis David. Er wird häufig mit diesem sowie mit Jean-François-Pierre Peyron verglichen. Daneben diente ihm Nicolas Poussin als kompositorisches Vorbild. Zugleich zeigen seine Kompositionen ein bisweilen an das Rokoko erinnerndes, die Romantik vorwegnehmendes, anekdotisch-sentimentales Pathos. Dies zeugt von seinem Interesse am Theater.

Die zeitgenössische Kritik bemängelte wiederholt zu betonte Gesten, ein dunkles Kolorit und ein etwas trockenes Zeichnen. Er schuf Werke aus dem klassischen französischen Theater des 17. Jahrhunderts wie Rodogune nach Pierre Corneille (Seigneur! Voyez ces yeux, 1791, Museum of Fine Arts, Boston). Daneben schuf er großformatige mythologische Gemälde, in deren Zentrum häufig eine unglückliche Liebe steht, wie Sappho springt in das Meer (1791, Brest, Musée des Beaux-Arts) und Hero und Leander (1798, Bordeaux, Musée des Beaux-Arts). Zu seinen bekannten Werken zählen außerdem Le Tombeau d’Elisée (vor 1774, Bordeaux, Musée des Beaux-Arts), Pauline, Frau des Seneca, die wieder zum Leben erwacht (1792/93, Paris, Musée du Louvre) und Virgile lisant l’Énéide à Auguste et Octavie (1787, London, National Gallery).

Neben seiner künstlerischen Tätigkeit trat Taillasson als Autor und Kritiker hervor. Die meisten seiner Texte, die er unter anderem für Charles Paul Landons Journal des Arts verfasste, erschienen ebenso wie seine Vorträge über Antoine Watteau und Salvator Rosa gesammelt in den Observations sur quelques grands peintres (1807). Bereits zuvor hatte er mit dem Lehrgedicht Danger des règles dans l’art (1785) seine kunsttheoretischen Positionen formuliert.

Sammlungen Werke Jean-Joseph Taillassons befinden sich unter anderem in den folgenden Museen und Institutionen: Musée des Beaux-Arts Bordeaux, Musée du Louvre Paris, Musée national du Château de Pau, Musée national des châteaux de Versailles et de Trianon, Museum of Fine Arts Boston, National Gallery London, Musée des Beaux-Arts Brest, Musée des Beaux-Arts de Nancy, Musée d’arts de Nantes, Musée Ingres Bourdelle, Musée des Beaux-Arts de Tours, Bowes Museum (Barnard Castle, County Durham), Musée Fabre Montpellier, Musée des beaux-arts de Montréal, Los Angeles County Museum of Art (LACMA), Musée des Beaux-Arts de Quimper, Nationalmuseum, Musée des Augustins, Musée de la Révolution française Vizille sowie Albertina Wien.

Auszeichnungen 1769: Dritter Preis im Prix de Rome; 1774: agréé der Académie de Bordeaux; 1782: agréé, 1784: reçu (Mitglied) der Académie royale de Peinture et de Sculpture in Paris; 1792/93: Prix d’encouragement der revolutionären Regierung für Pauline, femme de Sénèque und Héro et Léandre.

Rezeption Der dänische Paris-Besucher Tønnes Christian Bruun-Neergaard bezeichnete Taillasson zu Beginn des 19. Jahrhunderts als „très-bon compositeur“ und würdigte ausdrücklich dessen Lehrgedicht sowie die Elegie Sur la Nuit. In der jüngeren kunsthistorischen Forschung wird Taillasson im Kontext der Herausbildung einer romantischen Mythologie im Umfeld Davids und Peyrons diskutiert. Zugleich gilt er als ein zu Lebzeiten geachteter, nach seinem Tod jedoch weitgehend in Vergessenheit geratener Künstler.

Literatur Jean Adolphe Ernest Bellier de La Chavignerie, Louis Auvray: Dictionnaire général des artistes de l'école française depuis l'origine des arts du dessin jusqu'à nos jours. Bd. 2. Paris 1885. Charles Marionneau: Jean-Joseph Taillasson, membre de l'ancienne Académie royale de peinture et de sculpture, homme de lettres et historien d'art, 1745–1809. In: Réunion des Sociétés des Beaux-Arts des Départements. 15, 1891, S. 598–617. François Benoît: L'art français sous la Révolution et l'Empire. Les doctrines, les idées, les genres. Paris 1897; Nachdruck Genf 1975. Jean-Louis Charles: Jean-Joseph Taillasson. In: Revue historique de Bordeaux et du département de la Gironde. 14, 1921, S. 129–144, 208–222.

Boris Lossky: Taillasson et le portrait de Louis XVI par Duplessis. In: Revue du Louvre. 11, 1961, Heft 1, S. 35–38. Robert W. Scheller: Jean-Joseph Taillasson and the Observations sur quelques grands peintres. In: Nederlands Kunsthistorisch Jaarboek. 12, 1961, S. 81–118. Robert Rosenblum: Transformations in Late Eighteenth-Century Art. Princeton University Press, Princeton 1967. Jean-Pierre Mouilleseaux: Jean-Joseph Taillasson (1745–1809). In: Revue du Louvre et des musées de France. 24, 1974, Heft 6, S. 411–416. De David à Delacroix. La peinture française de 1774 à 1830. Ausstellungskatalog, Grand Palais, Paris 1974. Le Port des Lumières. La peinture à Bordeaux, 1750–1800. Ausstellungskatalog, Musée des Beaux-Arts de Bordeaux, Bordeaux 1989. Jean-François Heim, Claire Béraud, Philippe Heim: Les salons de peinture de la Révolution française, 1789–1799. Paris 1989. Édouard Pommier (Hrsg.): Jean-Joseph Taillasson. Observations sur quelques grands peintres. Paris 1990. David O'Brien: Jean-Joseph Taillasson and the Moral Politics of Art Criticism. In: Revue de l'art. 119, 1998, S. 46–51. Les peintres du roi 1648–1793. Ausstellungskatalog, Tours/Toulouse, Paris 2000. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 13: Sommer – Valverane. Paris, 2006. Nathalie Lemoine-Bouchard: Les peintres en miniature actifs en France, 1650–1850. Paris 2008. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. De Gruyter 2009. Dorothy Johnson: David to Delacroix. The Rise of Romantic Mythology. University of North Carolina Press, Chapel Hill 2011.

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