mini|Kupferstich von Laurent Cars nach einer Zeichnung von Charles Nicolas Cochin: Porträt von René Michel Slodtz (Michel-Ange Slodtz) René-Michel Slodtz (* 27. September 1705 in Paris; † 26. Oktober 1764 ebenda), Michel-Ange Slodtz genannt, war ein französischer Bildhauer, Entwurfszeichner und Dekorationskünstler. Er gilt als der bedeutendste Vertreter seiner Familie und als einer der wichtigsten Exponenten des italienisch inspirierten französischen Barock des 18. Jahrhunderts.

Leben

Er war der Sohn und Schüler des Bildhauers Sébastien Slodtz sowie der Bruder von Dominique-François Slodtz, Jean-Baptiste Slodtz, Paul-Ambroise Slodtz und Sébastien-Antoine Slodtz. Er studierte an der Académie royale de peinture et de sculpture in Paris. Beim Wettbewerb um den Prix de Rome erhielt er 1724 und 1726 jeweils den zweiten Preis, 1728 wurde ihm jedoch ein Stipendium für die Académie de France in Rom zugesprochen. Dort wurde er von seinen Kommilitonen bald nur noch Michel-Ange genannt, nachdem er sich mit einer Kopie von Michelangelos Kruzifixus-Darstellung hervorgetan hatte. Unter diesem Namen wurde er bekannt.

Dem Direktor der Akademie, Nicolas Vleughels, verdankte Slodtz die Verlängerung seines Stipendiums bis 1736; anschließend blieb er auf eigene Kosten in Rom. 1741 wurde er Mitglied der Accademia di San Luca. Ende 1746 kehrte er mit einem Zwischenaufenthalt in Vienne nach Paris zurück, wo er 1747 eintraf. 1749 wurde er als agréé in die Académie royale aufgenommen. Er schuf die Allegorie L’Amitié avec ses attributs, wurde jedoch nie vollwertiges Mitglied, da er kein Aufnahmestück vorlegte. 1755 wurde ihm von Ludwig XV. eine Pension zuerkannt, die 1762 erhöht wurde. 1756 wurde er Mitglied der Académie des sciences, belles-lettres et arts in Rouen und 1758 Nachfolger seines Bruders Paul-Ambroise als Dessinateur du Cabinet du Roi. mini|Michel-Ange Slodtz – Iphigénie, um 1740. Musée du Louvre, Paris In Anlehnung an Gian Lorenzo Bernini und Michelangelo begann Michel-Ange Slodtz in Rom mit Statuen, Porträtbüsten und Grabmälern. Seine intensive Beschäftigung mit antiken Bildwerken führte allmählich zur Übernahme klassizistischer Merkmale, was sich insbesondere bei der Ausführung des im Jahr 1740 erteilten Auftrags für das Grabmal der Erzbischöfe Armand de Montmorin und Henri-Oswald de La Tour d’Auvergne in der Kathedrale Saint-Maurice in Vienne zeigte. Seine lange Abwesenheit von Paris wirkte sich jedoch negativ auf seine Karriere dort aus. Dazu trugen auch Animositäten seitens des Comte de Caylus bei, der seinen Schützling Edme Bouchardon förderte. Ab etwa 1747 arbeitete Slodtz daher zunächst vor allem für die Menus-Plaisirs du Roi an Dekorationen für Feuerwerke sowie Trauer- und Festdekorationen, gemeinsam mit seinen Brüdern. Unter seinem Einfluss veränderten sich deren Rokokoentwürfe.

Ein Hauptwerk seiner Pariser Schaffensphase ist das Grabmal des Pfarrers Jean-Baptiste-Joseph Languet de Gergy (Marmor, Bronze, 1750–1757) in der Kirche Saint-Sulpice. Für diese Kirche entstanden weitere Arbeiten in Zusammenarbeit mit Paul-Ambroise, mit dem Slodtz ab dieser Zeit auch bei weiteren plastischen Kirchenarbeiten häufig kooperierte. 1756 folgte der Auftrag der Kathedrale Saint-Étienne in Bourges zur Neugestaltung des Chorraums. Slodtz arbeitete zudem für Königsschlösser, unter anderem für Choisy in Choisy-le-Roi und für Saint-Hubert in Le Perray-en-Yvelines. Ab 1758 konzentrierte er sich auf seine Aufgaben als Dessinateur du Cabinet du Roi. Bei der Ausrichtung der Trauerzeremonie für König Ferdinand VI. von Spanien und dessen Ehefrau Maria Barbara de Bragança in der Kathedrale Notre-Dame im Jahr 1760 setzte er mit einer auf das Wesentliche beschränkten, streng linearen Dekoration neue Akzente. Ein ebenso schlichtes Konzept verfolgte er 1763 beim Chorgitter für die Kathedrale von Soissons. Zuletzt arbeitete Slodtz an vier Giebelreliefs mit allegorischen Darstellungen für Hôtels an der Place Louis XV in Paris, dem heutigen Place de la Concorde. Nach seinem Tod wurden die Reliefs von Schülern vollendet. Michel-Ange Slodtz starb am 26. Oktober 1764 in Paris. Zu seinen Schülern zählten in Rom der Maler und Bildhauer Charles-François Hutin sowie nach überwiegender Forschungsmeinung der spätere Bildhauer Jean-Antoine Houdon.

Werk mini|Michel-Ange Slodtz – Grabstätte der Erzbischöfe von Vienne aus den Familien Montmorin und La Tour d’Auvergne. Kathedrale von Vienne Michel-Ange Slodtz’ Werk begann in Rom mit Statuen wie Christus als Kreuzträger (1731–1736, Kopie nach Michelangelo; heute im Invalidendom in Paris in der Kapelle Saint-Grégoire), Porträtbüsten wie jener des Kardinals Neri Corsini (1737, Palazzo Corsini in Rom) sowie Grabmälern. Für das Grabmal Vleughels gestaltete er ein Medaillonbildnis des Verstorbenen (1738–1740, Kirche Saint-Louis-des-Français, Rom) sowie eine Büste (1739, Musée Jacquemart-André, Paris). Weitere Hauptwerke aus seiner Zeit in Rom sind die Statue des heiligen Bruno (Marmor, 1740–1744, Petersdom) und das Grabmal für Alessandro Gregorio Marchese Capponi (Marmor, 1745–1746, Kirche San Giovanni dei Fiorentini, Rom).

Zu seinem Œuvre zählen unter anderem das Grabmal Languet de Gergys in Saint-Sulpice, die Arbeiten für die Kathedrale von Bourges (Hochaltar, Chorgestühl, zwei Emporen und schmiedeeiserne Gitter, ausgeführt von 1757 bis um 1767, von denen nur noch Reste vorhanden sind), eine Diana-Büste sowie Jagdtrophäen für den Grand Salon des zerstörten Schlosses Saint-Hubert (1758–1759). Des Weiteren schuf er das Chorgitter der Kathedrale Notre-Dame in Amiens (Schmiedeeisen, 1761 nach seiner Zeichnung ausgeführt). Zeichnungen von Slodtz befinden sich vor allem im Département des Arts graphiques des Musée du Louvre sowie in der Bibliothèque nationale de France in Paris.

Literatur

François Souchal: Les Slodtz. Sculpteurs et décorateurs du Roi (1685–1764). Éditions E. de Boccard, Paris 1967. Yves Bottineau: Rezension von François Souchal: Les Slodtz. Sculpteurs et décorateurs du Roi (1685–1764). In: Journal des savants. 1970, S. 275–284. Michael Levey: Painting and Sculpture in France 1700–1789. Yale University Press, New Haven/London 1972. Jacques Foucart-Borville: Michel-Ange Slodtz. In: Bulletin de la Société de l'Histoire de l'Art Français. Jahrgang 1976 (erschienen 1978), S. 163–175. Marie-Félicie Lacoue-Labarthe: Michel-Ange Slodtz. In: Gazette des Beaux-Arts. 6e série, Bd. 128, September 1996, S. 91–102. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 12: Rouco – Sommer. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. De Gruyter 2009.

Weblinks

Einzelnachweise

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