mini|Jacques François Delyen – Selbstporträt Jacques-François Delyen (* 25. Juli 1684 in Gent; getauft am selben Tag in der Pfarrkirche St-Michel-Sud; † 3. März 1761 in Paris), auch De Leyen, De Lieu, De Lion, De Ly[e]n, De[s]lien oder Deslyens, war ein flämisch-französischer Maler. Er wirkte als Porträtist am Hof Ludwigs XV. und war ab 1725 Mitglied der Académie royale de peinture et de sculpture in Paris.
Leben Über Jacques-François Delyens Herkunft und Jugend ist wenig gesichert. Name, Schreibweise des Familiennamens und Geburtsdatum galten lange als unbekannt, lediglich der Geburtsort stand zweifelsfrei fest. Von den zahlreichen in Quellen und Dokumenten überlieferten Namensformen setzte sich seit der Publikation von Étienne Le Brun-Dalbanne im Jahr 1876 zunehmend die Schreibweise Delyen durch. Diese Schreibweise findet sich auch auf der Signatur eines Damenbildnisses im Musée des Beaux-Arts in Orléans. Der irrtümliche Vorname Jean-François wird seit einer Publikation von Auguste Jal im Jahr 1872 wiederholt fälschlich verwendet.
Zur künstlerischen Ausbildung Delyens liegen keine gesicherten Angaben vor, und die Forschung vertritt hierzu keine einheitliche Auffassung. 1705 wurde er als Meister in die Gilde der Maler, Bildhauer und Glasmaler von Gent aufgenommen, zunächst unter dem Namen Jacques De Lyn, später als De Leyen und De Lyen, wobei er die Qualifikation eines fyn schilder (Feinmaler, zur Unterscheidung von den Dekorationsmalern) erhielt. 1722 beteiligte er sich mit Porträts an der Exposition de la Jeunesse in Paris (Place Dauphine). Die gezeigten Werke lassen sich nicht identifizieren. mini|Jacques-François Delyen – Guillaume Coustou, 1725. Louvre, Paris Zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt zog Jacques-François Delyen nach Paris. Laut dem Testament von Elisabeth-Marguerite de Largillierre soll er dort Schüler des Malers Nicolas de Largillière geworden sein. Am 24. November 1725 wurde er als Porträtist in die Académie royale de Peinture et de Sculpture aufgenommen. Seine Aufnahmestücke waren die Bildnisse des Bildhauers Guillaume Coustou und des Historienmalers Nicolas Bertin (beide in Schloss Versailles), die von Nicolas de Larmessin und Bernard Lépicié gestochen wurden. Am 6. Juli 1728 wurde er laut einem Registereintrag der St.-Lukas-Gilde in Gent zum Peintre du Roi ernannt. Zwischen 1737 und 1747 war er im Pariser Salon lediglich mit insgesamt zwölf Gemälden vertreten, darunter drei heute verschollene Porträts, die in den Salonkatalogen nicht näher bezeichnet sind.
Jacques-François Delyen geriet noch zu Lebzeiten weitgehend in Vergessenheit. Bereits Pierre-Jean Mariette vermerkte um 1854 den ausbleibenden beruflichen Erfolg und berichtete, Delyen habe sich auf einem Gemälde als Esel dargestellt, der sich in seinem Atelier als Richter über dessen Werke aufspiele. Dieses Bild sandte er jedoch nicht zum Salon, sondern fertigte davon einen Stich sowie einen weiteren mit einem Selbstbildnis bei der Berufsausübung an (beide Stiche sind nicht lokalisiert).
Jacques-François Delyen starb kinderlos im Kloster Saint-Germain in Paris und wurde in Anwesenheit von Charles-Nicolas Cochin d. J., Sekretär der Académie royale, und Joseph-Marie Vien, Professor derselben Institution, auf dem Cimetière des Innocents beigesetzt. Seine Haushälterin Jeanne Goyer, Witwe des Malergesellen Pierre Jansien Sounier, erklärte, dass in Paris keine Erben bekannt seien. Eine Nichte, die als Nonne in Caen lebte, lehnte den Nachlass ab. Dieser wurde am 29. April 1761 durch Urteil der Domänenkammer nach dem Heimfallsrecht an den König übertragen. Er umfasste zwei Leibrentenverträge (über 500 bzw. 100 Livres), mehrere nicht näher bezeichnete Gemälde sowie großformatige Darstellungen eines Neugeborenen, eines Militärangehörigen und eines Tigers. In seinem Atelier befanden sich vermutlich noch unvollendete Porträts der beiden Kinder von Jean-Félix Gourdain, Kanzleischreiber im Staatsrat. Indizien aus den Mietzinszahlungen deuten darauf hin, dass Delyen bis ins hohe Alter gemalt und in ärmlichen Verhältnissen gelebt hat. Am 26. Mai 1761 fand zugunsten der Domänenkammer ein Nachlassverkauf statt.
Forschungsgeschichte mini|Jacques François Delyen – Portrait d'une dame de qualité en source (entstanden zwischen 1720 und 1740) Erst 1876 identifizierte Le Brun-Dalbanne, Konservator des Musée des Beaux-Arts et d’Archéologie in Troyes, ein bis dahin Jean-Marc Nattier zugeschriebenes Porträt des Nicolas-René Berryer, Generalleutnant der Polizei, als Werk Delyens. 1928 legte Georges Huard einen ersten Katalogentwurf vor. Bis zu den Veröffentlichungen der 1990er Jahre ergaben sich keine weiteren gesicherten Erkenntnisse. Das gesicherte Werkverzeichnis Jacques-François Delyens umfasste zunächst sechs zweifelsfreie sowie vier mit hoher Wahrscheinlichkeit von ihm ausgeführte Gemälde. Im Kunsthandel sind zahlreiche weitere, bislang nicht näher untersuchte Werke im Umlauf. Insgesamt wird von etwa 100 Gemälden ausgegangen, ohne dass eine definitive Zahl angegeben werden kann.
Zur Einordnung Delyens vertritt die Forschung unterschiedliche Auffassungen. Philippe de Chennevières ordnete ihn der École française zu, obwohl Delyen im Gebiet des heutigen Belgien geboren wurde. Diese Zuordnung ist jedoch zweifelhaft, da Delyen 1705 in Gent Meister wurde und dort zumindest eine Grundausbildung absolvierte. Le Brun-Dalbanne brachte Delyens Übersiedlung nach Frankreich mit dem Vorbild anderer flämischer Künstler in Verbindung, die im Zuge der Unruhen des Spanischen Erbfolgekriegs (etwa 1700–1714) ihre Heimat verließen. Auch diese Deutung ist nicht belegt. In stilistischer Hinsicht wird Delyens Werk als Verbindung des flämischen Geschmacks mit französischer malerischer Virtuosität beschrieben. Es wird in die Tradition von Nicolas de Largillierre, Hyacinthe Rigaud, Jean-Baptiste Santerre und Jean-Marc Nattier gestellt.
Werk Jacques-François Delyen hinterließ vorwiegend Porträts sowie einige historische und genrehafte Darstellungen, darunter La Lanterne magique (Salon 1740) und La Marmotte (1731, Salon 1741, Museo de Arte de Ponce). Laut Léon de Seyn schuf er zudem mythologische Darstellungen, die jedoch nicht bekannt sind. Laut Thieme-Becker fertigte er auch Kopien nach älteren Meistern an, darunter eine 1783 in der Vente Bourlier de Saint Hilaire erwähnte Kopie nach Paolo Veronese.
Literatur
Antoine-Joseph Dezallier d’Argenville: Abrégé de la vie des plus fameux peintres. Tome IV. Paris 1762, S. 303. Philippe de Chennevières, Anatole de Montaiglon (Hrsg.): Abecedario de P. J. Mariette et autres notes inédites de cet auteur sur les arts et les artistes. Tome II. J.-B. Dumoulin, Paris 1854, S. 88. Eugène Le Brun-Dalbanne: Le peintre De Lyen au musée de Troyes. Sonderabdruck aus: Mémoires de la Société académique de l’Aube. Bd. 40. Dufour-Bouquot, Troyes 1876. Georges Huard: Delyen. In: Louis Dimier (Hrsg.): Les peintres français du XVIIIe siècle. Histoire des vies et catalogue des œuvres. Bd. 1. Paris 1928, S. 261–264. Gérard de Wallens: La peinture des Pays-Bas méridionaux au XVIIIe siècle conservée au Musée national de Versailles. Mémoire de licence (Magisterarbeit), Université catholique de Louvain, Louvain-la-Neuve 1993. Gérard de Wallens: Les deux morceaux de réception de J.-F. Delyen (Gand 1684–Paris 1761). Étude matérielle, historique, technique et stylistique. In: Revue des Archéologues et Historiens d’Art de Louvain. Bd. 27, 1994 (erschienen 1996), S. 87–106. Gérard de Wallens: Jacques François Delyen, peintre ordinaire du Roi (Gand 1684–Paris 1761) et les peintres belges actifs à Paris au XVIIIe siècle. Dissertation, Université catholique de Louvain, Louvain-la-Neuve 2005. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 4: Cossintino – Dyck. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. De Gruyter 2009.
Weblinks
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Einzelnachweise
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