Die Streifenbrust-Ameisendrossel (Chamaeza campanisona, Syn.: Myiothera campanisona) ist eine Vogelart aus der Familie der Ameisendrosseln (Formicariidae), die Kolumbien, Venezuela, Guyana, Ecuador, Peru, Bolivien, Brasilien, Paraguay und Argentinien verbreitet ist. Der Bestand wird von der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingeschätzt.

Merkmale Die Streifenbrust-Ameisendrossel eine Körperlänge von 19,0 bis 24,5 cm bei einem Gewicht von ca. 93,0 bis 112,0 g. Es gibt kein Geschlechtsdimorphismus. Der Oberkopf ist rötlich braun oder braun. Ein schwarzer Fleck auf dem vorderen Oberkopf befindet sich direkt über dem Schnabel. Die Oberseite, einschließlich des Rückens, der Flügel und die Oberschwanzdecken sind olivbraun. Die Steuerfedern sind braun, mit schwarzer subterminaler Binde und schmalen, hell beigen oder weißlichen Spitzen, die auf der Unterseite breiter und auffälliger sind. Die Zügel sind weiß. Ein weißer Hinteraugenstreif und ein weißlicher Fleck zieren die Halsseiten unterhalb der Ohrdecken. Die Kehle ist weiß. Eine kräftige, hell beige Tönung findet sich im Bereich der oberen Brust und am Untersteiß. Die Brust und die Flanken sind breit schwarz gestrichelt. Die Bauchmitte ist ungestrichelt oder nur schwach gezeichnet, jedoch finden sich einige wenige, verstreute schwarze Querbänder oder Flecken in der Untersteißgegend. Die Iris ist dunkel braun, der Schnabel schwarz, der Unterkiefer nahe der Basis heller, die Beine und Zehen braun bis bräunlich grau.Harold Francis Greeney III (2020)

Lautäußerungen Im Allgemeinen wird der Gesang der Streifenbrust-Ameisendrossel als bauchrednerische, Trogon-artige Abfolge von etwa zehn sich beschleunigenden und in der Tonhöhe ansteigenden wu-Tönen, gefolgt von einer abrupt langsamer werdenden und abfallenden Reihe von wup-Tönen beschrieben. Andere Beschreibungen nennen es eine lange Reihe von Zwergohreulen-artigen Pfiffen im Bereich von 1,0 kHz, die in einigen tiefen Grunzlauten enden. Außerdem findet man ihn in der Literatur als schöner, zweiteiliger Gesang bestehend aus einer Reihe hohler, kuhartiger Töne, die langsam beginnen, sich aber rasch beschleunigen und lauter werden, um dann abrupt in eine absteigende Folge von 4 bis 6 tieferen wo- oder wop-Lauten überzugehen, die allmählich schwächer werden und verklingen, sowie als eine mäßig schnelle, leicht beschleunigende, ansteigende Reihe hohler, eulenartiger Pfeiftöne, die abrupt in eine absteigende, langsamer werdende Folge abfallender, ploppender Laute übergehen. Diese klingen wie pup u-pu-pu-pu'PU'PU'PUPUPU'WAH-wah-wah-wah.

Im Einzelnen wird der Gesang von C. c. venezuelana und C. c. punctigula als eine 4 bis 7 Sekunden lange Serie von 10 bis 25 zunächst schneller werdenden, hohlen, mit ca. 1,0 kHz gepfiffenen Tönen bei stetig zunehmender Lautstärke, gefolgt von einer abrupt anschließenden, 3 bis 4 Sekunden langen Serie von 5 bis 11 Whup-Tönen mit abfallender Tonhöhe mit ca. 0,6 kHz und Lautstärke beschrieben.

Der Gesang der Art weist innerhalb seines großen Verbreitungsgebiets gewisse geografische Unterschiede auf. Der Gesang von C. c. obscura ist zwar ähnlich, jedoch deutlich schneller, insbesondere in der ersten Hälfte, und mit mehr Tönen, wobei die gesamte Sequenz dazu neigt, rascher abzurollen oder zu gleiten. Auch der Gesang von C. c. boliviana ist wesentlich schneller. Er umfasst im ersten Teil etwa 50 Töne, bei einer Rate von bis zu 9 Tönen pro Sekunde, und endet mit 15 bis 20 Whup-Tönen.

Die Beschreibungen seiner Rufe umfassen ein scharfes kwock, einen flüssigen, ansteigenden kwork-Ton, der bisweilen in einer Reihe vorgetragen wird, insbesondere im Flug sowie ein wohlklingendes ku-it.

Fortpflanzung Aus Paraguay und der Provinz Misiones wurde Eier der Streifenbrust-Ameisendrossel im September berichtet, aus dem Süden Brasiliens im November. Männchen sammelten in Rio Grande do Sul vom 18. September bis 1. Dezember Nistmaterial und hatte vergrößerte Gonaden. Das einzig bekannte Nest aus den Anden wurde im nordöstlichen Ecuador mit Nestlingen entdeckt. Das Nest befand sich in einer Baumhöhlen in einem lebenden Baum. Die wenigen beschriebenen Nistplätze lagen 1 bis 3 Meter über dem Boden. Der Eingang zu dem Nest in Argentinien war ein vertikaler Spalt. Das Nest im Süden Brasiliens befand sich in einer natürlichen Baumhöhle eines 5 Meter hohen, lebenden Allophylus edulis. Der Höhleneingang verlief vertikal, war unregelmäßig geformt und maß 9,5 × 12,5 cm, wobei die Unterkante des Eingangs 151 Zentimeter über dem Boden lag. Die Brutkammer am Boden der Höhlung hatte einen Innendurchmesser von 11,5 × 9,5 cm. Das Gelege bestand aus drei weißen, unbefleckten Eiern, die auf einem 1,5 cm dicken Bett aus grünen Blättern lagen. Wenige Tage alte Nestlinge haben eine rosafarbene Haut und sind mit schwarzgrauen Daunen bedeckt. Die Entwicklung der Federkiele erfolgt im Alter von etwa 9 bis 12 Tagen. Die Nestlingszeit wird auf 16 bis 19 Tage geschätzt. Wahrscheinlich ist sie zumindest sozial monogam, d. h. zumindest während der Jungenaufzucht.

Verhalten und Ernährung Die Ernährung der Streifenbrust-Ameisendrossel besteht vermutlich aus Insekten und anderen Gliederfüßern sowie möglicherweise auch aus kleinen Wirbeltieren. Es liegen jedoch kaum oder gar keine veröffentlichten Informationen zur Ernährung dieser Art vor. Sie schreitet bedächtig über den Waldboden, oft entlang von Wurzeln und Baumstämmen, und schlägt dabei rhythmisch mit dem kurzen Schwanz. Diese Art bleibt meist in dichter Vegetation verborgen und ist daher schwer zu beobachten, wenngleich sie gut auf Gesangsimitationen oder Tonbandwiedergaben reagiert. Sie folgt im Allgemeinen keinen Wanderameisen, wenngleich sie an einem Schwarm einer nicht identifizierten Ameisenart in Venezuela und in der Nähe eines Schwarms von Labidus praedator ebenfalls in Venezuela beobachtet wurde. Sie tritt gewöhnlich einzeln oder paarweise auf. Obwohl die Streifenbrust-Ameisendrossel ihre Nahrung am Boden sucht, singt sie oft von einer erhöhten Warte aus, etwa von einem waagerechten Ast, wobei sie aufrecht steht, den Kopf in den Nacken legt und den Hals wölbt.

Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet der Streifenbrust-Ameisendrossel (grün) Die Streifenbrust-Ameisendrossel bewohnt in weiten Teilen seines Verbreitungsgebiets feuchte Bergwälder. Im Osten Südamerikas, wo sie auch in tieferen Lagen vorkommt, besiedelt er zudem immergrüne Tieflandwälder. Sie bewegt sich in Höhenlagen von 400 bis 1850 Meter, meist jedoch unter 1500 Meter, in Venezuela, in 400 bis 1800 Meter in Kolumbien, in 950 bis 1700 Meter in Ecuador, in 900 bis 1700 Meter in Peru und in 800 bis 2800 Meter in Bolivien. Im Osten Brasiliens ist sie vom Tiefland bis auf 800 bis 1000 Meter präsent.

Unterarten Es werden folgende Unterarten anerkannt: Chamaeza campanisona columbiana & , 1896Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch u. a. (1896), S. 384 kommt an den Osthängen der Anden Kolumbiens vor. Diese Unterart unterscheidet sich von anderen Unterarten dadurch, dass die Unterschwanzdecken und die Brust eine blassere gelbbraune Färbung aufweisen als bei jeder anderen Unterart. Chamaeza campanisona punctigula , 1924Frank Michler Chapman (1924), S. 4. ist im östlichen Ecuador in den Provinzen Napo und Pastaza und dem nördlichen Peru nördlich des Marañón verbreitet. Die Subspezies ähnelt C. c. columbiana weist jedoch eine tiefere Olivfärbung der Oberseite auf, schmalere und eher ledergelbliche Zeichnungen an den Spitzen der Steuerfedern sowie eine weißere Unterseite, wobei der Bauch kaum einen ledergelben Tönung zeigt. Auch die schwarzen Zeichnungen auf der Unterseite sind ausgeprägter und flächiger. Chamaeza campanisona olivacea , 1844Johann Jakob von Tschudi(1844), S. 279–280. kommt im tropischen östlichen zentralen Peru südlich bis in die Region Madre de Dios vor. Die Unterart unterscheidet sich von C. c. columbiana und C. c. boliviana durch die tiefere, eher ockerfarbene Färbung von Kehle, Brust, Flanken und Unterschwanzdecken. Die Oberseite ist bräunlich olivfarben und dunkler als bei C. c. boliviana und der Nominatform, jedoch weniger rötlich als bei C. c. columbiana und C. c. fulvescens. Der Schwanz der Unterart ist rötlich braun, ähnlich wie bei C. c. columbiana und C. c. fulvescens. Die schwarzen und beigefarbenen Zeichnungen auf den Steuerfedern sind etwas variabel und können sogar ganz fehlen. Chamaeza campanisona huachamacarii , 1951William Henry Phelps u. a. (1951), S. 67–68. ist in den Tepuis im südlichen Venezuela am Cerro Huachamacari verbreitet. Die Unterart unterscheidet sich von C. c. obscura, C. c. fulvescens, C. c. venezuelana und C. c. yavii durch eine ausgeprägtere und dunklere schwarze Streifung der Unterseite, die sich zudem weiter über den Bauch erstreckt. Darüber hinaus weist sie einen weniger auffälligen Postokularstreifen sowie ein ausgeprägteres, dunkleres, olivfarbenes weniger ockergelbes und breiteres Brustband auf. Die Oberseite und die Halsseiten sind eher olivfarben gefärbt, anstatt die gelblichen oder rötlich braunen Tönung zu zeigen, der für die anderen venezolanischen Unterarten charakteristisch ist. Chamaeza campanisona berlepschi , 1926Jan Sztolcman (1926), S. 216. ist im südöstlichen Peru in der Region Cusco bis in den westlichsten Teil Boliviens verbreitet. Sie unterscheidet sich von anderen Unterarten dadurch, dass die Unterschwanzdecken und die Brust blasser gelbbraun gefärbt sind als bei jeder anderen Unterart. Chamaeza campanisona venezuelana & , 1906Auguste Ménégaux u. a. (1906), S. 54–55. ist in den Bergen Nordvenezuelas verbreitet östlich bis in die Distrikte Aragua und Capital verbreitet. Die Unterart ist ähnlich wie die Nominatform hat jedoch an Brust und den Unterschwanzdecken keine oder mit nur sehr geringe gelbbraune Tönung und ist zudem deutlich kleiner. Chamaeza campanisona yavii & , 1947William Henry Phelps u. a. (1947), S. 154–155. kommt in den südlichen zentralen Tepuis Venezuelas am Cerro Yaví vor. Die Subspezies ähnelt C. c. obscura und C. c. fulvescens, aber die Oberseite ist heller, mehr gelboliv und weniger braunoliv. Von C. c. fulvescens unterscheidet sie sich noch durch dunklere schwarzere Zeichnungen auf der Brust und einen schwärzeren statt bräunlichen Bauch. Chamaeza campanisona obscura & , 1944John Todd Zimmer u. a., S. 9. ist in den subtropischen Bergen im südöstlichen Venezuela im Bundesstaat Bolívar und südlichen Amazonas verbreitet. Die Subspezies ähnelt C. c. fulvescens, doch ist der Rücken dunkler und mehr olivfarben und weniger rötlich oder gelblich. Die Streifung an der unteren Brust und an den Flanken ist schwärzer und weniger bräunlich, und die dunklen subterminalen Bänder auf den Steuerfedern sind breiter und schwärzer. Chamaeza campanisona fulvescens & , 1882Osbert Salvin u. a. (1912), S. 79–80. kommt in den südöstlichen Tepuis Venezuelas am Roraima-Tepui und dem angrenzenden Guyana vor. Die Subspezies unterscheidet sich von anderen ähnlichen Unterarten durch eine eher gelbbraune Färbung der Oberseite, einschließlich Kopf, Rücken, Flügel und Schwanz. Chamaeza campanisona boliviana & , 1912Carl Eduard Hellmayr u. a. (1912), S. 131. ist in den Anden Boliviens in den Departamentoy La Paz, Cochabamba und Santa Cruz verbreitet. Von der Nominatform und von C. c. venezuelana unterscheidet sie sich durch das Fehlen der schwarzen Subterminalbinde auf den mittleren Steuerfedern, gelegentlich durch einen kleinen Schaftfleck angedeutet sowie durch den dunkleren, schwärzlichen Schnabel. Chamaeza campanisona campanisona (, 1823)Martin Hinrich Lichtenstein (1823), S. 43 kommt im östlichen und südöstlichen Brasilien, dem östlichen Paraguay und dem nordöstlichen Argentinien vor.

Chamaeza tshororo , 1901Arnaldo de Winkelried Bertoni (1901), S. 148–150, Chamaeza Nocedae 1901Arnaldo de Winkelried Bertoni (1901), S. 203, Myioturdus marginatus , M 1831 und Turdus brevicaudus , 1818Louis Pierre Vieillot (1818), S. 239 wird heute als Synonym zur Nominatform betrachtet.