Die Suhrkamp Literatur Zeitung (SLZ) war eine für junge Leser konzipierte Zeitung mit der Intention, ihnen den Zugang zur Literatur preiswert und in einer Form zu ermöglichen, die ihnen die Hemmungen nehmen sollte. Die SLZ war keine klassische Tages- oder Wochenzeitung, sie war eher ein literarisches Magazin, ein Verlagsjournal, ein Marketinginstrument aus dem Suhrkamp Verlag.

Redaktion und Gestaltung Gottfried Honnefelder bildete zusammen mit Heribert Stöhr die Redaktion. Willy Fleckhaus und sein Assistent Franz Epping gestalteten die einzelnen Ausgaben und Andrej Reiser fotografierte exklusiv die Autorinnen und Autoren für die jeweilige Ausgabe.

Inhaltliches Konzept Die Suhrkamp Literatur Zeitung wollte Literatur für Schüler preiswert und in einer Form präsentieren, die ihnen den Zugang zu Texten erleichtern sollte. In diesem Sinne bot sie den jungen Lesern in Deutschland, Österreich und in der Schweiz Literatur in ihrer ganzen Bandbreite an. Die SLZ stellte Romane, Erzählungen, Gedichte, Theaterstücke, Hörspiele, Essays und damit die Vielfalt literarischen Schreibens vor. Den literarischen Texten wurde zur Seite gestellt: eine Einführung in das Werk und seine Entstehungsgeschichte, eine Zeittafel mit Werk- und Lebensdaten des Autors, Dokumente in Bildern und Handschriften sowie Kommentare und kritische Stimmen. Das Material sollte einen Einblick in die Diskussionen um das Werk des Autors und seine Wirkung vermitteln. rechts|560x560px In den ersten Ausgaben wurden moderne Klassiker vorgestellt wie Hermann Hesse, Bertolt Brecht, Rainer Maria Rilke und Max Frisch. Die nachfolgenden Ausgaben stellten auch zeitgenössische, junge Autoren wie Peter Handke, Jurek Becker und Ulrich Plenzdorf vor.

Gestalterisches Konzept Großformatig (ca. 36 × 26 cm), von Ausgabe zu Ausgabe mit wechselnden Zusatzfarben auf Zeitungspapier gedruckt und nicht geheftet, ähnelte die SLZ den Rowohlt-Rotations-Romanen. Auf diese formale Ähnlichkeit wies auch Jürgen Becker in der ersten Ausgabe der SLZ hin: „Vor vielen Jahren hat es etwas Ähnliches gegeben, kurz nach dem Krieg, als es keine oder wenig neue Bücher gab. Da druckte der Rowohlt Verlag im Zeitungsformat seine berühmt gewordenen Rowohlt-Rotations-Romane, und es war eine ganze Generation, die Hemingway und Faulkner, Greene und Steinbeck im Zeitungsformat kennenlernte. Es gab nichts anderes, weshalb auch damals etwas entstand, was heute schwer begreifbar ist: ein unsagbarer Hunger nach Büchern.“

Die Lust auf Bücher und die Neugierde auf Autoren sollten in der SLZ neben den Texten auch die Porträts wecken. Ähnlich wie ein Bravo-Starschnitt wurden die von Andrej Reiser in Schwarz-Weiß fotografierten Autorenporträts in der SLZ inszeniert. Der engagierte Versuch, Schülerinnen und Schüler mit der SLZ als junge Leser an den Suhrkamp Verlag zu binden, schlug allerdings fehl. „Die Jugend schien nicht gewillt, die Pop-Idole an den Wänden der Jugendzimmer mit Literatur-Porträts zu überkleben.“ Nach knapp drei Jahren wurde die SLZ eingestellt.

Themen und Ausgaben Die Ausgaben der SLZ erschienen in jährlichen Programmen. Ein Programm lief parallel zum Verlagsprogramm von September bis Juni und umfasste 10 Nummern.

Nummer 1 der SLZ erschien im Oktober 1974 mit dem Thema: Hermann Hesse – Der Steppenwolf. Die Ausgabe hatte einen Umfang von 56 Seiten. Von den darin angekündigten ersten sechs Nummern erschien Handke im 2. Programm und Alexander Solschenizyn erschien nie.

1. Programm

1/1974: Hermann Hesse, Der Steppenwolf 2/1975: Bertolt Brecht, Der kaukasische Kreidekreis 4/1975: Rainer Maria Rilke, Neue Gedichte 5/1975: Max Frisch, Homo Faber 6/1975: Ulrich Plenzdorf, Die neuen Leiden des jungen W.

2. Programm

1/1975: Peter Handke, Falsche Bewegung 2/1975: Anna oder leben heißt streben / Opus 1: Beate Klöckner 3/1975: Peter Handke, Die Angst des Tormanns beim Elfmeter 4/1975: Hans Schumacher, Die grünen Pfade der Erinnerung 5/1976: Das Gedicht, Eine Sammlung von Benno Wiese 6/1976: Ein Autor, der gelesen werden sollte: Hermann Broch 7/1976: Ödön von Horwath, Jugend ohne Gott 8/1976: Thomas Bernhard, Verstörung 9/1976: Samuel Beckett, Endspiel 10/1976: Marieluise Fleisser, Abenteuer aus dem englischen Garten – Ein Pfund Orangen – Die Dreizehnjährige

3. Programm

1/1976: Bertolt Brecht, Leben des Galilei 2/1976: Peter Weiss, Abschied von den Eltern 3/1976: Peter Handke, Kaspar 4/1976: Hermann Hesse, Siddhartha 5/1976: Georg Büchner, Dantons Tod 6/1976: Nestroy, Häuptling Abendwind oder Das greuliche Festmahl

4. Programm

1/1977: Max Frisch, Andorra 2/1977: Heinar Kipphardt, In der Sache J. Robert Oppenheimer 3/1977: Jurek Becker, Jakob der Lügner 4/1977: Bertolt Brecht, Geschichten 5/1977: Über die Schwierigkeit, Eltern zu haben

Sondernummer Zwischen dem 1. und dem 2. Programm erschien 1975 eine Sonderausgabe der SLZ. Unter dem Titel „Bilder von Autoren“ stellte die Redaktion auf 52 Seiten (13 Druckbögen zu je 4 Seiten) 12 Autorinnen und Autoren vor, die nach 1932 geboren waren: Thomas Bernhard, Karin Struck, Jürgen Becker, Beate Klöckner, Peter Handke, Adolf Muschg, Herbert Achternbusch, Gertrud Leutenegger, Gerhard Roth, Ulrich, Plenzdorf, E.Y. Meyer und Dieter Kühn. Alle in schwarz-weiß fotografiert von Andrej Reiser.

Preis und Vertrieb Die SLZ gab es nur im Jahresabonnement, zehn Ausgaben kosteten 22 Mark. Da die Auflage in der Höhe des Jahresabonnements gedruckt wurde, konnten Einzellieferungen und Nachbestellungen nicht ausgeführt werden. Jede Nummer der Suhrkamp Literatur Zeitung erschien in einmaliger Auflage.

Literatur

Michael Koetzle, Carsten Wolff: Fleckhaus – Deutschlands erster Art Director. Klinkhardt & Biermann, München 2000, ISBN 3-7814-0405-6.

Einzelnachweise

Kategorie:Literaturzeitschrift (Deutschland) Kategorie:Antiquarische Zeitschrift (Deutschland) Kategorie:Ersterscheinen 1974 Kategorie:Erscheinen eingestellt 1977 Kategorie:Deutschsprachige Zeitschrift Kategorie:Suhrkamp Verlag