Encephalartos natalensis (englisch: Natal cycad oder Giant cycad), ist eine Brotpalmfarnart, die in Südafrika endemisch ist. Die Zahl der ausgewachsenen Exemplare ist abnehmend. In der IUCN Red List wird die Art als „potentiell gefährdet“ (near threatened), in der Red List of South African Plants des SANBI wird sie als „gefährdet“ (vulnerable) kategorisiert.
Merkmale Encephalartos natalensis ist eine große Palmfarnart mit einem aufrechten oder gelegentlich schräg liegenden Stamm, der eine Höhe von bis zu 6 Metern und einen Durchmesser von etwa 40 cm erreicht. Meist wächst die Pflanze einzeln, gelegentlich bildet sie jedoch Horste mit bis zu elf Stämmen. Entlang der Stämme entstehen mitunter Seitensprosse sowie zahlreiche Basalschösslinge.
Die jungen Blätter sind hellgrün und mit seidigen weißen Haaren bedeckt. Ausgewachsene Blätter stehen zahlreich in einer rundlichen Krone und werden 1 bis 3 Meter lang sowie 30 bis 40 cm breit. Sie sind leuchtend grün, glänzend und im Querschnitt entweder flach oder schräg aufgerichtet, sodass sie eine flache oder deutlich ausgeprägte V-Form bilden.
Die Blätter entspringen dem Stamm in einem Winkel von etwa 45°. Sie sind im Profil gerade oder im oberen Bereich leicht nach hinten gebogen. Die einzelnen Fiederblättchen sitzen in einem Winkel von ungefähr 90° an der Rhachis, der Blattspindel beziehungsweise Mittelachse des gefiederten Blattes.
Der Blattstiel ist 10 bis 20 cm lang und an seiner Basis verbreitert.
Die Fiederblättchen sind breit lanzettlich. Sie stehen mäßig dicht bis dicht, sind flach oder bilden ebenfalls eine V-Form und setzen in einem Winkel von etwa 70° an der Rhachis an.
Die unteren Fiederblättchen sind stark reduziert und bestehen nur noch aus einer Reihe kleiner, dornartiger Fortsätze. Die mittleren Fiederblättchen erreichen eine Länge von 15 bis 25 cm und eine Breite von 2,5 bis 4 cm. Sie sind steif und enden in einer scharf zugespitzten Spitze. Die Blattränder sind meist ungezähnt, können jedoch auf jeder Seite bis zu fünf Dornen tragen.
Die Art lässt sich leicht daran erkennen, dass die unteren Fiederblättchen zu einer Reihe kleiner, dornartiger Fortsätze reduziert sind. Encephalartos natalensis zeigt insgesamt eine erhebliche Variabilität, das heißt, einzelne Populationen oder Individuen können sich in verschiedenen Merkmalen deutlich unterscheiden.
Zapfen Die männlichen und weiblichen Zapfen zeigen einen ausgeprägten Sexualdimorphismus. Beide sind gelb gefärbt; jeder Stamm trägt gewöhnlich drei bis fünf Zapfen.
Die männlichen Zapfen sind 40 bis 50 cm lang und 10 bis 12 cm breit. Sie sind schmal spindelförmig (fusiform), also in der Mitte am dicksten und zu beiden Enden hin verjüngt. Ihr Zapfenstiel ist 2 bis 4 cm lang.
Die weiblichen Zapfen werden 50 bis 60 cm lang und 25 bis 30 cm breit. Sie sind ovoid und erscheinen nahezu sitzend.
Die Samen sind 2,5 bis 5 cm lang und 1,6 bis 1,8 cm breit. Sie sind schmal verkehrt eiförmig (obovoid) – mit dem breiteren Ende zur Spitze hin – und leuchtend rot gefärbt.
Vermehrung Die Vermehrung erfolgt entweder durch Samen oder durch das Abtrennen der zahlreichen Basalschösslinge. Diese lassen sich in der Regel problemlos verpflanzen und wachsen anschließend gut an.
Ökologie Die Raupen der Mottenart Zerenopsis lepida nutzen die Blätter dieser und anderer Brotpalmfarnarten als Nahrungsquelle. Affen, Paviane, Fledermäuse und der Trompeterhornvogel fressen die Früchte, verschmähen jedoch die Samen, da sie giftig sind. Somit tragen sie zur Verbreitung der Samen bei.
Verbreitung und Lebensraum Das Verbreitungsgebiet dieser Palmfarnart umfasst die Regionen um Qumbu und Ntabankulu in der Provinz Ostkap sowie weite Teile von KwaZulu-Natal, darunter die Einzugsgebiete des Mkuze und des Umfolozi. Sie kommt in Höhenlagen bis etwa 1200 m vor, wird jedoch nur selten in Küstennähe angetroffen.
Die Art wächst auf felsigen Aufschlüssen, an nach Süden exponierten Felswänden sowie auf steilen Hangabbrüchen innerhalb von Wäldern.
Ein gut zugänglicher Standort zur Beobachtung dieser Art befindet sich in der Schlucht unterhalb der Howick Falls. Dort heben sich ihre palmenähnlichen Wedel deutlich von den umgebenden breitblättrigen Waldbäumen ab. Ein weiteres Vorkommen liegt im Valley of a Thousand Hills, wo eine Gruppe dieser Pflanzen zum Nationaldenkmal erklärt wurde.
Das Klima ist im Sommer heiß und im Winter kühl bis kalt; regelmäßige Fröste sind dort keine Seltenheit.
Systematik Encephalartos natalensis wurde 1951 von Robert Allen Dyer und Inez Clare Verdoorn von Encephalartos altensteinii abgetrennt und als eigenständige Art beschrieben.
Kultur Die Art eignet sich für den Anbau in gemäßigten und subtropischen Klimazonen. Sie gilt als robust und anpassungsfähig und entwickelt sich am besten an vollsonnigen Standorten. Auch mäßige Fröste werden gut vertragen.
Gefährdung und Schutz Obwohl die Art ein großes Verbreitungsgebiet besitzt, sind ihre Bestände in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Auf Grundlage von Wiederholungsfotografien historischer Fundorte sowie erneuter Bestandserhebungen wird ein Populationsrückgang von mehr als 30 % innerhalb der letzten 60 Jahre angenommen; an einzelnen Standorten wurde sogar ein Rückgang von rund 40 % dokumentiert. Die Gesamtpopulation wird auf etwa 8300 bis 12000 geschlechtsreife Individuen geschätzt, wobei die tatsächliche Bestandsgröße aufgrund der weiten Verbreitung schwer zu bestimmen ist.
Die größte Bedrohung geht von der Nutzung der Art in der traditionellen Medizin aus. Vor allem das Schälen der Rinde führt häufig zum Absterben der Pflanzen. In den größten Märkten für traditionelle Heilmittel stammen 60 bis 80 % der untersuchten Palmfarn-Proben von Encephalartos natalensis. Mehrere Teilpopulationen, unter anderem bei Pietermaritzburg, gingen infolge der Rindenernte um mehr als die Hälfte zurück. Auch am Typfundort bei Monteseel verursachte das Entrinden erhebliche Verluste. Daneben trugen in der Vergangenheit das Ausgraben ausgewachsener Pflanzen für Sammler und den Zierpflanzenhandel sowie örtlich der Lebensraumverlust durch Bergbau zum Bestandsrückgang bei.
Die Art kommt in zahlreichen, natürlicherweise voneinander isolierten Teilpopulationen vor. Viele der heute noch bestehenden Bestände befinden sich an schwer zugänglichen Felsstandorten, die einen gewissen natürlichen Schutz vor der Entnahme bieten. Trotzdem bleibt die anhaltende Nutzung für die traditionelle Medizin die bedeutendste Gefährdungsursache.
Literatur
Weblinks
PlantzAfrica: Encephalortos natalensis SANBI Sensitive Species Encephalortos natalensis SANBI Rest List of South African Plants Encephalortos natalensis
Einzelnachweise
Kategorie:Palmfarne Kategorie:Cycadopsida Kategorie:Endemische Pflanze Südafrikas