Melita 3d POSTAGE inverted ist die philatelistische Bezeichnung für eine maltesische Aufdruckabart von 1926. Sie betrifft den 3d-Wert der Melita-Serie in Schwarz auf gelbem Papier, bei dem der Aufdruck „POSTAGE“ kopfstehend aufgebracht wurde. Die Abart gehört zu den bekanntesten Fehlmarken Maltas und wurde 1930 Gegenstand einer parlamentarischen Untersuchung in der maltesischen Legislative Assembly.Albert Ganado: The Melita 3d POSTAGE inverted: Politics embroil philately. In: Journal of the Malta Philatelic Society. Band 38, Nr. 2, 2009, S. 2–23 (Digitalisat).

Hintergrund

Die Melita-Serie wurde ab 1922 in Malta verausgabt. Sie entstand nach der Verfassung von 1921, mit der Malta innerhalb des Britischen Empires eine begrenzte Selbstverwaltung erhielt. Die Marken waren mit „POSTAGE & REVENUE“ beschriftet und konnten sowohl als Briefmarken als auch als Stempelmarken verwendet werden.Johnny Van Haeften: The Melita Adhesives. In: Journal of the Malta Philatelic Society. Band 45, Nr. 2, 2016, S. 5–47 (Digitalisat).

Der Entwurf der Pence-Werte stammte von dem maltesischen Künstler Edward Caruana Dingli. Er zeigt Melita als Personifikation Maltas mit einem Ruder; im Hintergrund erscheinen eine Seelandschaft, die Leuchte bei Fort St. Elmo und ein Gozo-Boot. Die höheren Shilling-Werte der Serie wurden von Gianni Vella entworfen und zeigen Melita zusammen mit Britannia.Anthony Fenech: Edward Caruana Dingli's MELITA Stamps. In: Journal of the Malta Philatelic Society. Band 30, Nr. 1, 2001, S. 3–7, hier S. 3–4 (Digitalisat).

Der 3d-Wert war zunächst in Blau erschienen. Nachdem 1925 ein neuer 2½d-Wert benötigt wurde, wurden vorhandene 3d-Marken mit „Two pence halfpenny“ überdruckt. Im Februar 1926 erschien anschließend ein neuer 3d-Wert in Schwarz auf gelbem Papier.Anthony Fenech: Edward Caruana Dingli's MELITA Stamps. In: Journal of the Malta Philatelic Society. Band 30, Nr. 1, 2001, S. 5. Eine amtliche Bekanntmachung vom 16. Februar 1926 beschrieb den neuen 3d-Wert als schwarze Marke auf gelbem Papier und bestätigte seine Gültigkeit für Porto und fiskalische Gebühren.Johnny Van Haeften: The Melita Adhesives. In: Journal of the Malta Philatelic Society. Band 45, Nr. 2, 2016, S. 35–36.

POSTAGE-Aufdrucke von 1926

Am 1. April 1926 wurden Werte der Melita-Serie mit dem Aufdruck „POSTAGE“ ausgegeben. Der Aufdruck wurde in der staatlichen Druckerei in Valletta hergestellt. Hintergrund war die Trennung zwischen postalischer und fiskalischer Verwendung: Vorher waren maltesische Marken sowohl für Porto als auch für Gebühren verwendbar gewesen; die POSTAGE-Aufdrucke sollten nur noch postalisch verwendet werden und erschienen parallel zu einer eigenen fiskalischen Ausgabe.Anthony Fenech: Edward Caruana Dingli's MELITA Stamps. In: Journal of the Malta Philatelic Society. Band 30, Nr. 1, 2001, S. 5–6.

Die überdruckte Ausgabe war nur kurze Zeit am Schalter erhältlich, weil bereits wenige Tage später eine neue Briefmarkenserie mit dem Wort „POSTAGE“ im Markenbild folgte.Johnny Van Haeften: The Melita Adhesives. In: Journal of the Malta Philatelic Society. Band 45, Nr. 2, 2016, S. 35–36. Während der Herstellung und Kontrolle der Aufdrucke entstanden verschiedene Fehler und Besonderheiten. Besonders bekannt wurde der 3d-Wert mit kopfstehendem Aufdruck.

Die Abart

Bei der Abart steht der Aufdruck „POSTAGE“ auf dem 3d-Wert kopf. Nach späterer philatelistischer Darstellung existieren zwei Briefmarkenbogen zu je 160 Marken mit diesem Fehler, also insgesamt 320 angenommene Exemplare der Abart. Fenech bezeichnete sie als bedeutende Variante der Melita-Ausgabe und wies darauf hin, dass auch echt gelaufene Stücke auf Brief bekannt sind. Zugleich warnte er vor Fälschungen des kopfstehenden Aufdrucks.

Nach den späteren Aussagen vor dem Untersuchungsausschuss sollen Pio Grech und der Polizeiinspektor Carol Saliba am Ausgabetag Count Alfredo Caruana Gatto im Postamt in Valletta getroffen haben. Caruana Gatto habe zwei Bogen gezeigt, bei denen der Aufdruck kopfstand. Saliba erwarb die Bogen demnach für 80 Pfund und zusätzlich für Marken der Self-Government-Ausgabe.Ganado 2009, S. 6–8.

Unklar blieb, ob Caruana Gatto die Bogen tatsächlich regulär am Postschalter erworben hatte. Saliba konnte dies vor dem Ausschuss nicht bestätigen. Auch die Aussagen anderer Beteiligter wichen voneinander ab. Gerade diese Unsicherheit über die Herkunft der beiden Bogen machte den Fall später politisch brisant.

Prüfung der Marken

1929 wurden 156 Exemplare aus dem Besitz von Pio Grech von Edward Sant Fournier, R. Forbes Bentley und W. R. Gatt geprüft. Die Prüfer kamen zu dem Ergebnis, dass der Aufdruck echt sei, und brachten ihre Initialen rückseitig auf den geprüften Marken an.Ganado 2009, S. 14–16.

Die weiteren 160 Marken aus dem Besitz von Carol Saliba wurden bei dieser Prüfung nicht vorgelegt. Ein großer Teil der geprüften Stücke aus Grechs Besitz wurde anschließend an den Händler Ewens verkauft, der die Marken nach ihrer Bogenposition nummerierte. Saliba gab an, seine Stücke an zwei Firmen verkauft zu haben.

Postage Stamps Scandal

Am 31. März 1930 fragte Alfred Gera de Petri in der maltesischen Legislative Assembly nach den Umständen der Ausgabe. Er wollte unter anderem wissen, ob der kopfstehende Aufdruck unter staatlicher Verantwortung entstanden sei, ob unzulässiger Einfluss auf Postbedienstete genommen worden sei und ob ein Exemplar postalisch verwendet worden sei.Ganado 2009, S. 2–4.

Am 1. April 1930 wurde ein Untersuchungsausschuss eingesetzt. Die Untersuchung fiel in eine politisch angespannte Phase Maltas. Der Fall wurde in der Auseinandersetzung zwischen der Constitutional Party und der Nationalist Party aufgegriffen und als „Postage Stamps Scandal“ bekannt. Dem Ausschuss gehörten unter anderem Gerald Strickland, Paul Boffa und Ugo Mifsud an.

Der Mehrheitsbericht des Ausschusses kam zu dem Schluss, dass nicht bewiesen sei, dass die beiden Bogen regulär über das Postamt verkauft worden waren. Die Mehrheit nahm vielmehr an, dass echte 3d-Marken ohne Genehmigung in der staatlichen Druckerei mit dem kopfstehenden Aufdruck versehen worden seien, und wertete den Aufdruck deshalb als Fälschung.Ganado 2009, S. 18–21.

Diese Einschätzung blieb umstritten. Paul Boffa und Ugo Mifsud vertraten vorsichtigere beziehungsweise abweichende Positionen. Mifsud verwies auf die eilige Untersuchung und darauf, dass keine unabhängige technische Prüfung der Marken durchgeführt worden war. Ganado kritisierte später ebenfalls, dass der Ausschuss die Echtheitsprüfung von 1929 nicht durch eine eigene technische Untersuchung widerlegte und wichtige Beweisfragen offenblieben.

Philatelistische Bewertung und Handel

In der Philatelie wurden die Stücke aus den Bogen von Pio Grech und Carol Saliba weiterhin als sammelwürdige Abart gehandelt. Ganado wies darauf hin, dass die Marken trotz des umstrittenen Ausschussberichts international von Briefmarkenhändlern akzeptiert wurden. Zugleich sind spätere Fälschungen des kopfstehenden Aufdrucks bekannt.

Im Stanley-Gibbons-Katalog wird die Abart als SG 149a geführt. Ein 2025 bei Stanley Gibbons Baldwin’s versteigertes waagerechtes Paar wurde als „Malta 1926 Postage 3d error overprint inverted“ beschrieben. Angegeben wurden unter anderem der Ausgabetag 1. April 1926, ein BPA-Zertifikat von 2006, die Katalognummer SG 149a und ein Katalogwert von 340 Pfund; das Paar wurde für 144 Pfund verkauft.Malta 1926 Postage 3d error overprint inverted. Stanley Gibbons Baldwin’s, Auktion The Hay Morgan Collection | Part 2 | KGV British Commonwealth, Lot 177, 26. März 2025, abgerufen am 10. Juli 2026.

Literatur

Albert Ganado: The Melita 3d POSTAGE inverted: Politics embroil philately. In: Journal of the Malta Philatelic Society. Band 38, Nr. 2, 2009, S. 2–23 (Digitalisat; Nachdruck aus: Melita Historica. Band XIV, Nr. 4, 2007, S. 409–428). Anthony Fenech: Edward Caruana Dingli's MELITA Stamps. In: Journal of the Malta Philatelic Society. Band 30, Nr. 1, 2001, S. 3–7 (Digitalisat). Johnny Van Haeften: The Melita Adhesives. In: Journal of the Malta Philatelic Society. Band 45, Nr. 2, 2016, S. 5–47 (Digitalisat).

Weblinks

Einzelnachweise

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