Lars Smekal (* 28. September 1990 in Regensburg) ist ein deutscher Regisseur und Autor. In seinem künstlerischen Schaffen setzt er sich mit gesellschaftlichen Themen auseinander. Er zeigt die Perspektiven derjenigen, die er in der öffentlichen Wahrnehmung unterrepräsentiert oder diskriminiert sieht. Smekals Filme wurden auf über 100 Festivals in über 20 Ländern gezeigt und vielfach ausgezeichnet.
Werdegang Smekal wuchs im Landkreis Regensburg in Bayern auf. Schon zu Schulzeiten zog es ihn zu Kunst und Kultur hin: Er probierte sich am Schultheater und dem freien Amateurtheater in Neutraubling als Schauspieler aus und übernahm dort schließlich die Leitung der Jugendgruppe Regie. Mit 18 Jahren brachte er seine erste Inszenierung auf die Bühne. Parallel schrieb er mit Die Aufzeichnungen eines jungen Dichters sein erstes Buch. Den Weg ins Theater verfolgte er zunächst auch weiter: Nach dem Abitur am Gymnasium Neutraubling sprach er an mehreren staatlichen Schauspielschulen vor, jedoch ohne Erfolg. Dennoch absolvierte er 2015 ein Regiepraktikum bei den Münchner Kammerspielen und war in der freien Schauspielszene in Regensburg aktiv.
Schließlich nahm er ein Studium einem Studium in Kunstgeschichte, Germanistik und vergleichender Kulturwissenschaft an der Universität Regensburg auf. Internationale Filmaustausch-Programme führten ihn nach Clermont-Ferrand, Hasselt, Lodz und Kiew. Das Studium brachte er 2017 mit der Bachelorarbeit Die Welt von Gestern. Wes Anderson’s The Grand Budapest Hotel (2014) als filmisches Panorama des Europäischen Exils zu Ende. Daran schloss er ein Master-Studium in Zeitbasierten Medien an der Hochschule Mainz an. Während des Master-Studiums wurde er für seine akademischen Bestnoten und sein besonderes gesellschaftliches Engagement mit dem Deutschlandstipendium ausgezeichnet.
Sein autobiografischer Abschlussfilm Erinnerungen einer vergessenen Kindheit, der aus der Perspektive eines Kindes suchtkranker Eltern erzählt wird, wurde von der staatlichen Filmförderanstalt HessenFilm und Medien und der Film + Medien Nachwuchsförderung Rheinland-Pfalz gefördert. Mit dem Film arbeitete Smekal seine eigene Kindheit auf, die vom Aufwachsen in einem suchtbelasteten Elternhaus geprägt wurde. Der Film feierte seine Weltpremiere in San Diego beim International Kids‘ Filmfestival und gewann den Best Drama Short Film Preis.
„Erinnerungen einer vergessenen Kindheit“ erhielt als erste hessische Filmproduktion das Green Motion Label und ist Teil der Initiative 100 Grüne Produktionen, in die Filme aufgenommen werden, die ressourcenschonend und nach ökologischen Maßstäben produziert wurden.
In seiner künstlerischen Arbeit setzt sich Smekal nach dem Krebstod seiner Mutter auch mit den Themen Tod und Sterben auseinander. Sein Doku-Kurzfilm Zeitschenkerin zum Thema Sterbebegleitung, der in Zusammenarbeit mit Katarzyna Karpinska entstanden ist, wurde 2024 auf dem Tallinn Black Nights Film Festival in Estland gezeigt. 2025 entstand zum gleichen Thema, erneut in Zusammenarbeit mit Katarzyna Karpinska, die ARD-Dokumentation Die Zeitschenkerin. Derzeit schreibt Smekal an seinem Debütfilm Lernen Loszulassen, in dem er die inhaltlichen Schwerpunkte seiner Arbeit zusammenführt und sich fiktional mit den Themen Sucht und Sterben auseinandersetzt. Smekal ist Mitglied des deutschen Drehbuchverbands.
Neben der künstlerischen Arbeit ist Smekal auch in der Filmbildung tätig. Er gibt Filmworkshops für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Diese sind zum Teil inklusiv und richten sich am Menschen mit und ohne Behinderung. Die Workshops haben das Ziel, die Teilnehmenden zur kreativen Arbeit zu ermutigen und gleichzeitig einen authentischen Einblick in das filmische Handwerk und die Abläufe von Filmproduktionen zu liefern.
Filmsprache Die Filmographie von Smekal zeichnet sich durch seinen humanistischen Blick auf seine Figuren aus. Er nimmt sie in ihren Sorgen ernst, betrachtet selbst deren Schwächen mit Zärtlichkeit und erzählt ihre Geschichten mit warmer Zuneigung. Bei der Entwicklung seiner Drehbücher ist es ihm stets ein Anliegen, gut zu recherchieren.
Visuell sucht Smekal als studierter Kunsthistoriker auch Inspiration in der Malerei. Die Werke von Künstlern wie Caspar David Friedrich, John Everett Millais, Jan Vermeer oder Francisco de Goya haben seine filmischen Arbeiten in Bezug auf Bildgestaltung und Farbgebung geprägt.
Gesellschaftliches Engagement Smekals Film Erinnerungen an eine vergessene Kindheit (2021) wird deutschlandweit in der Suchtprävention eingesetzt. Schon während der Entwicklung des Drehbuchs arbeitete Smekal mit Fachkräften aus der Suchtprävention zusammen. Mit zahlreichen Screenings und anschließenden Podiumsdiskussionen verschafft Smekal Kindern, die in suchtbelasteten Elternhäusern aufwachsen, Sichtbarkeit.
Gleichzeitig ermöglicht er damit einen Raum für Austausch für Kinder suchterkrankter Eltern und beantwortet Fragen aus dem Publikum. Die wichtigste Erkenntnis im Umgang mit seinen Eltern sei, sich nicht verantwortlich für deren Verhalten zu machen, man trage als Kind keine Schuld für die Suchterkrankung der Eltern.
Smekal hat an der Entwicklung von begleitendem Schulungsmaterial zum Film mitgewirkt und bietet in Zusammenarbeit mit Fachkräften aus der Suchtprävention die Schulung ErINNERung wirkt an. Diese richtet sich an Menschen, die mit Kindern aus suchtbelasteten Familien in Kontakt sind. Darüber hinaus ist der Film fester Bestandteil der Ausbildung von Suchtpräventionsfachkräften in Deutschland. Smekal ist Mitglied bei NACOA Deutschland, einer Interessensvertretung für Kinder, die in Suchtfamilien aufwachsen.
Smekal versteht sich selbst als Europäer und fühlt sich insbesondere Polen verbunden, da Familienmitglieder als Spätvertriebene Wurzeln in Schlesien hatten. 2020 war er Protagonist der Instagram-Kampagne Zusammen/Wspolnie für die Deutsche Botschaft in Warschau, und setzte sich damit für den kulturellen Austausch zwischen den beiden Nationen ein.
Filmografie
Spielfilm 2017: Aussteiger (Drehbuch, Regie, Produktion) 2017: Die stillen und versteckten Schätze des Lebens (Drehbuch, Regie, Produktion, Schauspiel) 2017: Theobald Topferson (Drehbuch, Regie, Produktion) 2018: Vor dem Gesetz (Regie, zusammen mit Thien Phat Tran) 2018: Waldsterben (Regie, Schauspiel) 2020: Herr Herrmann Mann (Drehbuch, Regie, Produktion) 2021: Alter Junge (Drehbuch, Regie, Produktion) 2022: Erinnerungen einer vergessenen Kindheit (Drehbuch, Regie, Co-Produktion)
Dokumentation 2024: Zeitschenkerin (Autorenschaft, Regie und Schnitt zusammen mit Katarzyna Karpinska) 2025: Die Zeitschenkerin (Autorenschaft und Regie zusammen mit Katarzyna Karpinska) 2026: Just Keep Breathing (Autorenschaft, Regie)
Auszeichnungen
2024: Honorable Mention auf dem Europäischen Filmfestival in Göttingen 2024: Sonderpreis der Jury auf dem Blende Eins Shortfilmfest in Wilhelmshaven 2024: Nominierung in den Kategorien Best Writing, Best Youth Series, Best International Series auf dem T.O. WebFest 2024: Publikumspreis und 3. Jury-Preis auf der Harzmovienale 2024: Publikumspreis als Workshopleiter auf dem Bayerischen Kinder und Jugend Filmfestival 2024: Bayerischer Kinderfilmpreis in der Rolle als Workshopleiter auf dem Bayerischen Kinder und Jugend Filmfestival 2024: Nominierung in den Kategorien Best Series, Best Screenplay, Best Pitch auf der Seriale 2024: Direct Selection of T.O. Webfest (Toronto, Canada) auf der Seriale 2024: Best Child Actor Award für Julian Ehrenfried auf dem My Name is Climate Filmfestival 2024: Appreciation Award auf dem My Name is Climate Filmfestival 2024: 2. Platz beim Publikumspreis auf den 47. Internationalen Grenzland-Filmtagen 2023: Publikumspreis und 2. Jury-Preis beim SWR VISIO Wettbewerb 2023: Best Short Film auf dem Castellabate International Film Festival 2023: Sunrise Award auf dem Better World Filmfestival 2023: Publikumspreis und 2. Jury-Preis auf der Harzmovienale 2023: Best Short Shortfilm Award bei den Independent Days 2023: Best Comedy bei den Prague Film Awards 2022: Best Drama Short Film beim San Diego International Kids‘ Film Festival 2022: Lobende Erwähnung beim Student World Impact Film Festival 2022: Gewinner des Golden Smile International Film Festival 2021: Best Student Film auf dem Bobritsa Film Festival 2021: Best Comedy Short auf dem Kyiv Film Festival 2021: Best Student Film beim Indie Online Film Award 2018: Nominierung für das Bayerische Jugendfilmfestival 2018: Lobende Erwähnung auf dem Bundesfestival junger Film 2017: 1. Platz „Mittellanger Spielfilm“ auf den 41. Grenzland-Filmtagen in Selb 2017: 1. Platz in der Kategorie 19–27 J. bei Jung & Abgedreht 2017: Jugendfilmpreis auf dem 15. Jugendfilmfestival Oberpfalz 2017: Gewinner des Camgaroo Award 2017 in der Kategorie Kurzfilm Action/Spannung 2017: Jugendfilmpreis 15. Jugendfilmfestival Niederbayern in der Kategorie Kurzfilm Action/Spannung 2013: Publikumspreis auf dem 13. Jugendfilmfestival Oberpfalz 2012: Klimabotschafter der Stadt Regensburg als Mitwirkender des Theatraubling e.V. 2010: Kulturpreisträger des Landkreises Regensburg als Mitwirkender des Theatraubling e.V.
Einzelnachweise
Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Drehbuchautor Kategorie:Dokumentarfilmer Kategorie:Theaterschauspieler Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1990 Kategorie:Mann