mini|Wappen der südafrikanischen Monarchie Die Monarchie Südafrikas war von 1910 bis 1961 die verfassungsmäßige Staatsform der Südafrikanischen Union. Der Monarch war zugleich Monarch des Vereinigten Königreichs und anderer Dominions des Britischen Empire beziehungsweise späterer Commonwealth Realms. Die verfassungsmäßigen Aufgaben des Monarchen wurden in Südafrika überwiegend durch den Generalgouverneur der Südafrikanischen Union wahrgenommen. Letzte Monarchin Südafrikas war Elisabeth II., die vom 6. Februar 1952 bis zur Ausrufung der Republik am 31. Mai 1961 Staatsoberhaupt war.

Geschichte mini|Südafrikanische Briefmarke zur Feier der Krönung von Georg VI. Die Grundlage der südafrikanischen Monarchie bildete der South Africa Act von 1909. Er vereinigte die vier britischen Kolonien Kapkolonie, Natal, Orange River Colony und Transvaal zur Südafrikanischen Union, die am 31. Mai 1910 als selbstverwaltetes Dominion mit dem britischen Monarchen als Staatsoberhaupt entstand. Der Zusammenschluss war eine Folge der politischen Neuordnung nach dem Zweiten Burenkrieg, in dem Großbritannien die zuvor unabhängigen Burenrepubliken Südafrikanische Republik und Oranje-Freistaat erneut unter britische Kontrolle gebracht hatte.

Zunächst war die südafrikanische Krone eng mit der britischen Krone verbunden. Durch die Balfour-Deklaration von 1926 wurden die Dominions jedoch als autonome und gleichberechtigte Gemeinschaften innerhalb des Empire anerkannt. Das Statut von Westminster 1931 beschränkte anschließend die Gesetzgebungsgewalt des britischen Parlaments für die Dominions und festigte deren staatsrechtliche Eigenständigkeit. Südafrika bestätigte diesen Status durch den Status of the Union Act von 1934, der die Union als souveränen und unabhängigen Staat bezeichnete.

Georg VI. war 1947 der erste regierende Monarch, der Südafrika besuchte. Seine Tochter und Nachfolgerin Elisabeth II. erhielt 1953 durch ein südafrikanisches Gesetz einen eigenen südafrikanischen Titel als „Queen of South Africa and of Her other Realms and Territories, Head of the Commonwealth“. Mit der Ausrufung der Republik Südafrika am 31. Mai 1961 endete die Monarchie. Südafrika schied zugleich aus dem Commonwealth aus und trat diesem nach dem Ende der Apartheid am 1. Juni 1994 wieder als Republik bei.

Verfassungsmäßige Rolle des Monarchen Die Regierungsstruktur der Südafrikanischen Union orientierte sich an anderen Dominions des britischen Empire. Die Exekutivgewalt lag formal beim Monarchen, wurde aber durch den Generalgouverneur ausgeübt. Dieser ernannte den Exekutivrat und die Minister; das Amt des Premierministers entwickelte sich entsprechend der parlamentarischen Praxis der britischen Dominions. In der Regel wurde der Führer der stärksten Partei im Unterhaus zum Regierungschef ernannt.South Africa Act, 1909, Teil III.

Die gesetzgebende Gewalt lag beim Parlament der Union, das aus dem Monarchen, dem Senat und dem Abgeordnetenhaus bestand. Der Monarch beziehungsweise der Generalgouverneur nahm am Gesetzgebungsverfahren vor allem durch die Erteilung der königlichen Zustimmung teil. Der Generalgouverneur konnte Gesetzentwürfe mit Änderungsvorschlägen zurückgeben, seine Zustimmung verweigern oder sie dem Monarchen zur Entscheidung vorbehalten. Der Monarch konnte ein vom Generalgouverneur genehmigtes Gesetz innerhalb eines Jahres aufheben.South Africa Act, 1909, Teil IV.

Auch im Justizwesen war die Krone formal präsent. Der South Africa Act sah einen Obersten Gerichtshof der Union vor; dessen Richter wurden durch den Generalgouverneur ernannt.South Africa Act, 1909, Teil VI. In der Anwaltschaft bestanden bis zur Einführung der Republik weiterhin Bezeichnungen wie Queen's Counsel beziehungsweise zuvor King's Counsel, die nach 1961 durch Senior Counsel ersetzt wurden.

Die Thronfolge folgte nach verfassungsrechtlicher Konvention den britischen Regeln. Änderungen der Thronfolge sollten nach dem Statut von Westminster nicht ohne Zustimmung der betroffenen Dominions erfolgen. Deshalb verabschiedete Südafrika 1937 ein eigenes Gesetz zur Anerkennung der Abdankung Eduards VIII. und der Thronfolge Georg VI.

Kulturelle Rolle mini|Königin Elisabeth in der Provinz Westkap (1947) Die Monarchie war auch im öffentlichen und symbolischen Leben der Südafrikanischen Union sichtbar. Der Geburtstag des Monarchen wurde als gesetzlicher Feiertag begangen. Der Monarch galt zudem als Quelle staatlicher Ehrungen; zahlreiche Orden, Medaillen und Auszeichnungen wurden in seinem Namen verliehen und zeigten die Krone, das königliche Monogramm oder das Bildnis des Monarchen.

Auch die Streitkräfte standen formal unter der Oberbefehlsgewalt des Monarchen, die in Südafrika durch den Generalgouverneur ausgeübt wurde. Kronen und andere monarchische Symbole erschienen auf Rangabzeichen, Regimentszeichen und militärischen Auszeichnungen. Mit dem Anwachsen des Republikanismus wurden solche Symbole zunehmend entfernt; 1957 verschwand die Krone aus Abzeichen der Verteidigungsstreitkräfte und der Polizei, und 1961 entfiel bei mehreren Regimentern der Namensbestandteil „Royal“.

Mehrere Mitglieder der britischen Königsfamilie besuchten Südafrika. Prinz Alfred, ein Sohn Königin Victorias, war 1860 der erste Angehörige der königlichen Familie im südlichen Afrika. 1947 bereisten Georg VI., Königin Elisabeth sowie die Prinzessinnen Elisabeth und Margaret Südafrika. Der König eröffnete dabei eine Sitzungsperiode des südafrikanischen Parlaments; Prinzessin Elisabeth hielt während der Reise an ihrem 21. Geburtstag eine vielbeachtete Rundfunkansprache an das Empire. Wegen der südafrikanischen Apartheidpolitik kam es danach während der Regierungszeit Elisabeths II. als Königin von Südafrika zu keinen weiteren königlichen Besuchen. Erst 1995 besuchten Elisabeth II. und Prinz Philip das demokratische Südafrika auf Einladung von Präsident Nelson Mandela.

Republikanismus und Abschaffung der Monarchie mini|Feier zur Ausrufung der Republik im Mai 1961 mini|Ergebnisse nach Provinzen (Prozent Ja-Stimmen) Der Republikanismus war vor allem im afrikaanischen Nationalismus verankert. 1940 gründeten D. F. Malan und J. B. M. Hertzog die Herenigde Nasionale Party, die sich für eine unabhängige Republik ohne Bindung an die britische Krone und das Empire aussprach. Auch der Afrikaner Broederbond unterstütze die Abschaffung der Monarchie, ebenso den Austritt aus dem Commonwealth. Die Nationale Partei gewann 1948 die Regierungsmacht, setzte die Republikfrage zunächst aber nicht unmittelbar durch, da sie auch gemäßigte und englischsprachige weiße Wähler nicht verschrecken wollte.

Premierminister Hendrik Verwoerd kündigte 1960 ein Referendum über die Einführung der Republik an. Um republikkritische weiße Wähler zu gewinnen, stellte die Regierung nur begrenzte Verfassungsänderungen in Aussicht: Die Königin sollte durch einen Staatspräsidenten ersetzt werden, dessen Amt zunächst vor allem zeremoniellen Charakter behalten sollte. Gegen die Republik gab es besonders in der englischsprachig geprägten Provinz Natal Widerstand. Am Tag des Referendums warnte die Natal Witness, die englischsprachige Tageszeitung der Provinz, ihre Leser mit folgenden Worten: „Nicht gegen die Republik zu stimmen bedeutet, jenen zu helfen, die uns von unseren Verankerungen losreißen und uns auf einem tückischen und unbekannten Meer treiben lassen wollen – und das gerade jetzt, wo die Winde des Wandels bereits Hurrikanstärke erreichen.“ Anders sah es dagegen in den Afrikaanssprachigen Gebieten aus, welche Hochburgen des Republikanismus waren.

Die Kampagne der Republikaner konzentrierte sich auf die Notwendigkeit der Einheit der Weißen angesichts der britischen Entkolonialisierung in Afrika und des Ausbruchs eines blutigen Bürgerkriegs im ehemaligen Belgischen Kongo nach der Unabhängigkeit, der laut Verwoerd zu einem ähnlichen Chaos in Südafrika führen könnte. Auf einem Wahlplakat lautete der Slogan auf Englisch „To re-unite and keep South Africa white, a republic now“ (Um Südafrika wieder zu vereinen und weiß zu halten: Jetzt eine Republik!), während der Slogan auf Afrikaans Ons republiek nou, om Suid-Afrika blank te hou („Unsere Republik jetzt, um Südafrika weiß zu halten“) lautete. Die Gegenseite betonte dagegen die Gefahr einer Isolation Südafrikas und wirtschaftlicher Nachteile.

Das Referendum fand am 5. Oktober 1960 statt und war auf weiße Wähler beschränkt. Eine knappe Mehrheit von 52,29 Prozent stimmte für die Republik. Am 31. Mai 1961 wurde die Republik Südafrika ausgerufen; Elisabeth II. verlor damit ihre Stellung als Staatsoberhaupt, und der letzte Generalgouverneur Charles Robberts Swart wurde erster Staatspräsident von Südafrika.

Die Mitgliedschaft im Commonwealth endete zugleich. Zwar war seit der Londoner Erklärung von 1949 eine republikanische Staatsform grundsätzlich mit der Commonwealth-Mitgliedschaft vereinbar. Angesichts der Apartheidpolitik Südafrikas lehnten jedoch mehrere neue asiatische und afrikanische Mitgliedstaaten die weitere Zugehörigkeit Südafrikas ab. Verwoerd zog den Antrag auf Fortsetzung der Mitgliedschaft zurück; dadurch lief Südafrikas Commonwealth-Mitgliedschaft mit der Republikgründung aus.

Liste der Monarchen Nr.MonarchLebensdatenRegierungszeit in SüdafrikaVollständiger NameEhepartner1Georg V.1865–193631. Mai 1910 – 20. Januar 1936George Frederick Ernest AlbertMaria von Teck2Eduard VIII.1894–197220. Januar 1936 – 10. Dezember 1936His Majesty King Edward the Eighth's Abdication Act, 1937, Act No. 2 of 1937.Edward Albert Christian George Andrew Patrick David—3Georg VI.1895–195210. Dezember 1936 – 6. Februar 1952Albert Frederick Arthur GeorgeElizabeth Bowes-Lyon4Elisabeth II.1926–20226. Februar 1952 – 31. Mai 1961Elizabeth Alexandra MaryPhilip, Duke of Edinburgh

Einzelnachweise

Kategorie:Monarchie nach Staat Kategorie:Politikgeschichte (Südafrika) Kategorie:Ehemaliger Mitgliedstaat des Commonwealth of Nations Kategorie:Politik (Südafrika) Kategorie:Südafrikanische Regierung