Das Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität Nordrhein-Westfalen (LBF NRW) ist eine Strafverfolgungsbehörde der nordrhein-westfälischen Finanzverwaltung. Es untersteht der Oberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalen und bündelt die Bekämpfung der Steuer- und Finanzkriminalität in einer einzigen Behörde.
Aufgaben und Tätigkeitsfelder Zu den Aufgaben des LBF NRW gehören die Steuerfahndung, sowie die Bekämpfung der Geldwäsche und der organisierten Finanzkriminalität, wie etwa dem Umsatzsteuerkarussellbetrug.Neue Westfälische, NRW baut Steuerfahndung aus, 30. Januar 2025. Gemäß Abgabenordnung wird sie sowohl als Kriminalpolizeibehörde im Strafverfahren, wie auch als Ermittlerin der Besteuerungsgrundlagen im Besteuerungsverfahren tätig. Darüber hinaus agieren die Strafverfolgungsstellen beim LBF gemäß Abgabenordnung wie eine Staatsanwaltschaft als Strafverfolgungs- und Anklagebehörde. Örtlich ist es gemäß § 24 Finanzamtszuständigkeitsverordnung NRW für ganz Nordrhein-Westfalen zuständig.§ 24 der Verordnung über die Zuständigkeiten der Finanzämter (Finanzamtszuständigkeitsverordnung – FA-ZVO), online im Portal recht.nrw.de, abgerufen am 13. Juli 2026
Im Rahmen der Ermittlungstätigkeit wertet das LBF digitale Beweismittel aus und analysiert Zahlungsströme bei Kryptowährungen und digitalen Vermögenswerte. Das LBF unterstützt zudem andere Ermittlungsbehörden bei komplexen Finanzstrafverfahren und arbeitet mit Staatsanwaltschaften, Polizeibehörden, Zollbehörden, der Europäischen Staatsanwaltschaft sowie ausländischen Ermittlungsbehörden zusammen. Seit dem Jahr 2025 arbeitet das LBF NRW mit der französische Steuerfahndung DNEF vertieft bei der Bekämpfung von Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zusammen.
Geschichte Das Land Nordrhein-Westfalen schuf das Landesamt im Zuge einer Neuorganisation der Steuerfahndung im Jahr 2024. Zuvor war die Steuerfahndung bei mehreren kleineren Finanzämtern für Fahndung und Strafsachen angesiedelt. Hintergrund dieser Zusammenführung waren nach Angabe der Landesverwaltung die zunehmende Internationalisierung der Finanzkriminalität, die Digitalisierung von Geldströmen sowie die steigende Bedeutung komplexer und grenzüberschreitender Ermittlungsverfahren. Ziel war die Bündelung bislang dezentral organisierter Fahndungsstrukturen in einer zentralen Behörde. Das Landesamt nahm am 1. Januar 2024 seine Arbeit auf. In den folgenden Monaten wurden die bislang dezentral organisierten Finanzämter für Fahndung und Strafsachen schrittweise in die neue Behörde überführt. Seit Anfang 2025 arbeitet die nordrhein-westfälische Steuerfahndung vollständig unter dem Dach des Landesamtes.Neue Westfälische: NRW baut Steuerfahndung aus, 30. Januar 2025. Nach Angaben der Finanzverwaltung entstand damit die erste Landesbehörde im bundesrepublikanischen Deutschland, die die gesamte Steuerfahndung eines Bundeslandes organisatorisch bündelt. Seit der Gründung des Landesamtes wird die Behörde von Stephanie Thien geleitet. Zuvor war sie unter anderem Leiterin des Finanzamts für Steuerstrafsachen und Steuerfahndung in Bochum.
Organisation Das LBF untersteht der Oberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalen. Mit rund 1.200 Beschäftigten zählt es zu den größten spezialisierten Ermittlungsbehörden dieser Art in Deutschland. Die Behörde vereint verschiedene Spezialeinheiten und Ermittlungsbereiche unter einem organisatorischen Dach. Dazu gehören unter anderem Einheiten zur Bekämpfung von Geldwäsche, Umsatzsteuerbetrug und organisierter Finanzkriminalität. Darüber hinaus verfügt das Landesamt über spezialisierte IT- und Analysebereiche für digitale Ermittlungen. Zum LBF gehört auch die Zentralstelle für Kryptologie der Steuerfahndung Nordrhein-Westfalen. Sie unterstützt Ermittlungen insbesondere bei Kryptowährungen und digitalen Vermögenswerten.
Sitz der Behörde ist ein Bürogebäude an der Johannstraße 35 in Düsseldorf-Derendorf, im Bereich der ehemaligen Kaserne des Niederrheinischen Füsilier-Regiments Nr. 39.
Einsatz von Künstlicher Intelligenz Das Landesamt nutzt moderne Analyseverfahren zur Auswertung großer Datenmengen. Im Rahmen einer Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) wird Künstliche Intelligenz bei der Steuerfahndung erprobt. Ziel ist die Unterstützung bei der Auswertung digitaler Beweismittel sowie bei der Identifikation verdächtiger Finanzströme.Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS: KI-Einsatz bei der Steuerfahndung, 2025.
Bedeutende Ermittlungen Das Landesamt war an mehreren überregional beachteten Ermittlungsverfahren beteiligt. Hierzu zählen Ermittlungen zu Offshore-Konstruktionen und Briefkastenfirmen in internationalen Steueroasen, Verfahren wegen mutmaßlicher Geldwäsche sowie Ermittlungen gegen organisierte Formen des Umsatzsteuerbetrugs.
Mediale Aufmerksamkeit erhielten zudem Ermittlungen zu mutmaßlichen Steuerverstößen von Influencern sowie Prüfungen von Unternehmen mit Sitz in sogenannten deutschen Steueroasen.WirtschaftsWoche: Operation Oase: Ermittler machen Druck auf deutsche Steueroasen, 4. August 2024.
Außerdem berichtete das Handelsblatt über den Ankauf von Daten mutmaßlicher Steuersünder durch Nordrhein-Westfalen.
Weblinks Offizielle Website des Landesamtes
Einzelnachweise
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