Das Industriekraftwerk Greifswald war ein Wärmekraftwerk, um Erdgas aus der Nord-Stream 1 für den Weitertransport an Land mit vermindertem Druck zu erwärmen. Als Nebenprodukt wurde elektrische Energie produziert.
Zweck In den beiden Pipelines der Nord-Stream 1 kam Erdgas unter hohem Druck von 110 bar und einer Temperatur knapp über dem Gefrierpunkt von Wasser am Anlandepunkt in Lubmin an der Ostsee an. Bevor es über ein Druckminderungsventil auf 100 bar entspannt werden konnte, musste es erwärmt werden. Denn wie die meisten Gase, kühlt sich auch Methan ab, wenn es zu einer Druckminderung kommt, siehe Joule-Thomson-Effekt. Dies geschah über die Abwärme der Turbine. Oft lag der Wärmebedarf unter der Mindestlast der Turbine, dann wurde stattdessen einer von drei Erdgas-befeuerten Kesseln eingesetzt. Bis zur Fertigstellung des Kraftwerks trugen nur die Kessel die Heizlast. Nach der Druckminderung wurde das Erdgas mit den Pipelines OPAL und NEL weiterverteilt, die auf 100 bar ausgelegt sind.
Bau und Eigentümer Das KWK-Kraftwerk wurde Anfang 2013 von Wingas beim Standort des DDR-Kernkraftwerks Lubmin bei Greifswald fertiggestellt, welches bis 2045 zurückgebaut wird. Dort befindet sich auch der Anlandepunkt der Pipelines. Eigentümer ist mit 49 % die E.ON Energy Projects GmbH und mit 51 % die Firma Wingas. Die Firmen Wingas und Wintershall wurden ein Jahr später vom Eigentümer BASF an die Gazprom Germania übertragen, im Tausch gegen ein Viertel der Erdgasfelder in Westsibirien. Somit war dieses Kraftwerk der Türöffner für Gazprom in den deutschen Strommarkt. Im Jahr 2022 wurde Gazprom Germania verstaatlicht als SEFE Securing Energy for Europe.
Stilllegung Nachdem Russland Mitte 2022 die Gaslieferung durch die Pipelines eingestellt hatte, und im Herbst desselben Jahres die Pipelines gesprengt wurden, verlor das Kraftwerk seinen Einsatzzweck. Der Stromnetzbetreiber 50Hertz verneinte 2024 eine Systemrelevanz zur Stabilisierung des Stromnetzes. Daher wurde ein Käufer gesucht. Nachdem sich bis 2026 keiner gefunden hatte, wurde das Kraftwerk an die ukrainische Naftogaz verschenkt, die nun Abbau und Abtransport zahlt, was mehrere Millionen Euro kostet.
Einzelnachweise
Kategorie:Bauwerk in Greifswald Kategorie:Heizkraftwerk in Deutschland Kategorie:Erbaut 2013 Kategorie:Bauwerk in Lubmin Kategorie:Stillgelegtes Kraftwerk in Deutschland