mini|Andrews, zu diesem Zeitpunkt Bischof von Algoma, beim Shingwauk Gathering and Conference an der Algoma University im August 2012 Stephen Gregory Weed Andrews (* 1956 in Colorado, Vereinigte Staaten) ist ein anglikanischer Geistlicher sowie ehemaliger Hochschullehrer und -funktionär. Er war Bischof der Diözese von Algoma in der Anglican Church of Canada von 2009 bis 2016 und anschließend von 2016 bis 2025 Rektor (Principal) des Wycliffe College, einer konfessionell anglikanischen, evangelikalen theologischen Hochschule innerhalb der Toronto School of Theology, zugehörig zur University of Toronto.
Leben
Ausbildung Stephen Andrews wurde 1956 im US-amerikanischen Colorado geboren, wuchs aber im Bundesstaat Minnesota auf. Er studierte Classics (Bachelor of Arts) an der University of Colorado in Boulder.Thorneloe University: SCHOOL OF THEOLOGY. Academic Handbook. 2015, S. 6. PDF Für ein Theologiestudium zog er 1979 nach Vancouver. Am dortigen Regent College erlangte er ein Diploma in Christian Studies. Einen weiteren Abschluss erhielt er 1984 in Toronto mit dem Master of Divinity des Wycliffe College. Rund zehn Jahre später promovierte er im Jahr 1995 an der theologischen Fakultät der University of Cambridge zum Ph.D im Bereich biblical studies. Seine 1994 datierte Dissertation trägt den Titel Ancient Interpretation of Divine Judgement in Eden (Genesis 3.14–19), blieb jedoch unveröffentlicht.Hanneke Reuling: After Eden. Church Fathers and Rabbis on Genesis 3:16-21. BRILL, Boston 2006, ISBN 978-90-47-41701-9, S. 16, 17 Anm. 43.
Erste kirchliche Stationen mini|Andrews erste Station als Geistlicher war die St. Paul’s Church in Halifax, Nova Scotia Nach Erwerb des M.Div. war Andrews von 1984 bis 1986 als Study Assistant des anglikanischen Theologen John Stott in London tätig. Im Anschluss ging er zurück nach Kanada, wo er 1986 in der Diözese Nova Scotia zum Diakon ordiniert wurde und folgend bis 1990 als Hilfsgeistlicher (Assistant Curate) an der St. Paul’s Church in Halifax wirkte. In diesem Zeitraum wurde er 1987 zum Priester geweiht.
Im Jahr 1994 wurde er Rektor der St. Alban's Cathedral in Prince Albert und blieb dies bis 2001. Währenddessen wirkte er als Dekan der Diözese Saskatchewan und weiterhin als Principal des James Settee College for Ministry, einer Ausbildungsstätte indigenen Klerus innerhalb der Diözese.
Thorneloe University College Von dort ging er als Präsident, Provost und Vizekanzler an das anglikanische Thorneloe University College nach Sudbury, Ontario auf den Campus der Laurentian University. In Thorneloe leitete er daneben die School of Theology.
Andrews gehörte der Primate’s Theological Commission der Anglican Church of Canada an und arbeitete an deren 2005 veröffentlichtem St. Michael Report zur lehrmäßigen Einordnung der Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften mit, welcher aussagte, dass die Frage Teil des Dogma sei, aber nicht zu dessen Kern gehöre. Später war er Teil des Teams, welches den Standpunkt der ACoC auf dem International Anglican Consultative Council 2005 darlegte. Im Jahr 2007 wurde er von der Generalsynode (Council of General Synod) zum Prolocutor gewählt. In der Folgezeit bestimmte ihn der Council of General Synod zudem zu einem Vertreter der Kirche im Anglican Consultative Council.
Bischof von Algoma mini|Sitz des Bischofs von Algoma, die St. Luke’s Cathedral in Sault Ste. Marie Am 2. Oktober 2008 wurde Andrews im neunten Wahlgang zum zehnten Bischof der Diözese Algoma gewählt und im Juni 2009 zum Bischof geweiht.Peter Simmons: Jeffery Hooper ordained deacon. In: ALGOMA ANGLICAN. April 2010, S. 4. Er folgte damit auf Bischof Ronald Ferris, der am 30. September des Jahres 2008 in den Ruhestand gegangen war.
Während seiner Amtszeit begleitete Andrews die Umsetzung des 2009 beschlossenen diözesanen Strategieplans Live the Vision and Proclaim the Joy. Dieser verband Gemeindeentwicklung, Evangelisation, Kinder- und Jugendarbeit, Kommunikation, Aus- und Fortbildung, soziale Mission und Gottesdiensterneuerung mit einer Bewertung der langfristigen Lebensfähigkeit von Gemeinden und Kirchengebäuden.Craig Hurst: Core values and objectives at the heart of Strategic Plan. In: Algoma Anglican. November 2012, S. 5.
Nach dem Tod eines indigenen Anglikaners in einem Krankenhaus in Thunder Bay ohne anglikanischen Seelsorgebesuch nahm Andrews Kontakt zu Bischöfin Lydia Mamakwa und dem nationalen indigenen Bischof Mark MacDonald auf. Aus einer gemeinsamen Beratung entstand MAMOW („zusammen“), das unter anderem Krankenhausseelsorge und Betreuung in Oji-Cree-Sprache ermöglichte. Mamakwa konnte somit kirchenrechtlich genehmigt innerhalb der Grenzen der Diözese von Algoma tätig werden.
Kurz vor dem Ende seiner Bischofszeit empfahl er gemeinsam mit dem Diözesanexekutivkomittee (Andrews sprach die Empfehlung aus, das Exekutivkomitee billigte sie folgend) die Schließung beziehungsweise saisonale Nutzung von bis zu 16 der 35 Kirchen des Dekanats von Muskoka – eins von fünf Dekanaten mit 35 der seinerzeit 100 Kirchen und Kapellen der Diözese, um die Pfarrseelsorge aufrechterhalten zu können, da die hohe Zahl an Kirchen nicht mehr mit der geringen Zahl der Geistlichen zu bewältigen war, sodass mittlerweile zu viel Zeit jener allein durch Fahrwege beansprucht wurde. Dazu kam, dass es die Mitgliederstärke der Gemeinden sehr heterogen war und ein Teil der Gebäude kaum noch genutzt wurde. Zuvor hatte Andrews in einer sechstägigen Reise durch das Dekanat sich mit verschiedenen Gruppen getroffen, um deren Positionen kennenzulernen und nachzuvollziehen.
In der Debatte über die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare gehörte Andrews zur Minderheit der Bischöfe, die das Ergebnis öffentlich kritisierten. Nach dem zustimmenden Votum der Generalsynode 2016 publizierten sie ein gemeinsames Statement, welches der Änderung öffentlich widersprach, zugleich aber homophobe Diskriminierung und Gewalt ausdrücklich verurteilte.
Auch die Legalisierung ärztlich assistierten Sterbens kritisierte Andrews. Er bemängelte insbesondere unklare Bestimmungen zur Entscheidungsfähigkeit und Einwilligung und warnte vor möglichen Gefahren für depressive, behinderte oder anderweitig schutzbedürftige Menschen. Darüber hinaus forderte er eine klare Unterscheidung zwischen der absichtlichen Beendigung des Lebens und dem Verzicht auf eine künstliche Verlängerung des Sterbeprozesses.
Neben seiner Tätigkeit als Bischof lehrte er gelegentlich als außerplanmäßiger Dozent an der Laurentian University, wo er als Associate Professor geführt wurde. Außerdem war er von 2013 bis 2016 Vorsitzender der Ontario Provincial Commission on Theological Education.
Zum 31. Juli 2016 legte er das Bischofsamt nieder, um Principal des Wycliffe College in Toronto zu werden. Ihm folgte Anne Germond, 2016 gewählt und 2017 zur Bischöfin geweiht, nach.
Principal des Wycliffe College mini|Am 1877 gegründeten (seit 1891 an diesem Ort) Wycliffe College hatte Andrews das Amt des Rektors inne und lehrte als Helliwell Professor of Biblical Interpretation Nachdem sein Vorgänger George Sumner im September 2015 vom Amt des Rektors zurückgetreten war, um episkopaler Bischof von Dallas zu werden, wurde ein Auswahlgremium gebildet, welches beauftragt wurde, einen neuen Leiter für das College zu suchen. Die Wahl fiel auf Andrews, der folgend zum 1. August 2016 die Position antrat.
In seine Amtszeit fällt der Wycliffe Strategic Plan 2019–2025. Dessen Ziele wurden in fünf Punkten dargestellt. Die Forschung zur Heiligen Schrift und generell der Theologie zu stärken (1), flexiblere Studienprogramme anzubieten und die Leiterausbildung zu verbessern (2), enger mit örtlichen Gemeinden zusammenzuarbeiten (3), internationale Partnerschaften zu etablieren (4) sowie Wycliffe als gleichzeitig lernende und geistliche Gemeinschaft zu fördern (5).
Neben seinem Leitungsamt war Andrews Helliwell Professor of Biblical Interpretation. In den letzten zwei Jahren dieser Tätigkeit unterrichtete er unter anderem anglikanische Liturgie gemeinsam mit Lehrenden des nahen Trinity College. Weiterhin gab er auch Lehrveranstaltungen zu den Propheten, den paulinischen Briefen, christlichem Gottesdienst, dem Markusevangelium, biblischer Hermeneutik sowie der Entwicklung christlichen Denkens gehalten.
Im April 2024 kündigte Andrews an, von seinem Amt zum 30. Juni des Folgejahres zurückzutreten. Neue Rektorin wurde die promovierte Theologin Kristen Deede Johnson.
Zuletzt war Andrews noch nebenamtlicher Geistlicher (honorary assistant) an der anglikanischen St. Paul’s Church in Toronto in der Bloor Street in der Zeit von 2016 bis 2025.
Privates Stephen Andrews ist mit der Psychotherapeutin Fawna verheiratet. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor. Das Paar lebt in der kanadischen Kleinstadt Quispamsis, New Brunswick.
Ehrungen
2010 Ehrendoktorwürde des Wycliffe College (Doctor of Divinity) 2016 Ehrendoktorwürde der Thorneloe University (Doctorate of Sacred Theology)
Weblinks
Stephen Andrews auf der Website des Wycliffe Colleges
Einzelnachweise
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