Das KZ-Außenlager Hainichen war ein Außenlager des KZ Flossenbürg in Hainichen und bestand vom 8. September 1944 bis zum 30. April 1945. Über 500 inhaftierte jüdische Frauen aus den von den Nationalsozialisten besetzten Ländern mussten für die Framo-Werke GmbH Zwangsarbeit in der Rüstungsproduktion leisten.

Entstehung des Lagers Die Gründung eines Außenlagers beim Automobilwerk Framo-Werke GmbH geschah im Rahmen der Produktionsumstellung auf Rüstungsprodukte, die ab 1. Oktober 1943 aufgenommen wurde und Bauteile für Panzerabwehrkanonen und Nebelwerfer herstellte. Der Direktor Hans Werner Skafte Rasmussen wurde vom Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion unter Albert Speer als Leiter eines Sonderausschusses für Granat- und Nebelwerfer berufen.

Am 8. September 1944 traf ein erster Gefangenentransport mit 155 polnischen jüdischen Frauen und Mädchen in Hainichen ein. Nach der Räumung des Ghettos Łódź waren sie zunächst ins KZ Auschwitz gebracht und dort für die Zwangsarbeit in Hainichen ausgewählt worden. Am 11. Oktober 1944 traf ein zweiter Transport mit 335 ungarischen, zwei deutschen, zwei rumänischen, einer litauischen, einer niederländischen und einer staatenlosen jüdischen Frauen in Hainichen ein. Im Mai 1944 hatte die SS zuvor die ungarischen Frauen aus Nordsiebenbürgen und der Ukraine in das KZ Auschwitz deportiert, wo die jüngeren Frauen und Mädchen oft von ihren später ermordeten Eltern und anderen Familienmitgliedern getrennt wurden. Am 5. April 1945 kam ein weiterer Transport mit sieben tschechischen und slowakischen Frauen aus dem KZ Auschwitz in Hainichen an.

Lebens- und Arbeitsbedingungen Die Frauen waren in einem mehrstöckigen Gebäude einer ehemaligen Nadelfabrik untergebracht, die etwa einen Kilometer vom Werk entfernt lag. Im ersten Stock befanden sich das Schlafzimmer für die Polinnen, ein Ärztezimmer für die Gefangenenärzte, eine Krankenstation und ein Isolationsraum. Die Ungarinnen hatten ihre Schlaf- und Tagesräume auf beiden oberen Stockwerken, und die weiblichen SS-Aufseherinnen waren auf jeder Etage stationiert. Das Gelände war von einem Stacheldrahtzaun und zwei Wachtürmen umgeben. Die Gefangene Rosalia I. berichtete später über die medizinische Versorgung: Bei arbeitsbedingten Verletzungen wurden die weiblichen Gefangenen in der Krankenstation der Fabrik behandelt. Mein Finger wurde ebenfalls in der Fabrik operiert, und die Behandlung war korrekt. Ich erinnere mich, wie zwei Frauen in der Krankenstation starben. Eine Polin starb an einer Nierenerkrankung; Sie erhielt keine Behandlung, weil die leitende weibliche Wache sie als Simulantin bezeichnete.

Die inhaftierten Frauen mussten Metallarbeiten wie Schleifen und Fräsen an Maschinengewehren, Nebel- und Granatwerfern ausführen und wurden offiziell als Hilfsarbeiterinnen geführt. Der Betrieb zahlte für sie vier Reichsmark pro Person und Tag an die Verwaltung des KZ Flossenbürg. SS-Dokumente verzeichnen den Tod von vier Gefangenen. Überlebende berichteten von drei weitere Todesfällen, bei denen die Oberaufseherin Gerda Becker und ein SS-Wachmann beteiligt waren. Zu den Arbeitsbedingungen berichtete die Gefangene Sonja P.: Wir mussten bei Framo-Werke arbeiten – ich wurde dort zum Meisterschweißer ausgebildet. Wir mussten sehr intensiv arbeiten – in zwei Schichten mit jeweils zwölf Stunden. Wir gingen zu Fuß zur Arbeit – es waren zwei Kilometer Fahrt.... Jede Gruppe wurde von einer SS-Aufseherin begleitet, die stets mit einer Waffe bewaffnet war.

Wachmannschaften Lagerführer war SS-Oberscharführer Wilhelm Loh, der sich laut Zeugenaussagen relativ human verhalten haben soll. Unter den zehn SS-Angehörigen befanden sich einige Volksdeutsche aus der ungarischen und rumänischen Banatregion. Die Oberaufseherin Gerda Becker bestimmte die interne Führung des Lagers, war für ihre Brutalität gefürchtet und befehligte weitere 25 weibliche Aufseherinnen, von denen einige mit den Frauen aus Auschwitz gekommen waren; die meisten wurden in Hainichen und Umgebung rekrutiert oder gehörten zur Belegschaft des Framo-Werks. Die Überlebenden berichteten übereinstimmend über die Brutalität der Aufseherinnen, wonach Becker mindestens eine Frau zu Tode prügelte. Sie erhielt von den Häftlingen diverse Spitznamen, darunter auch Fekete Bagoly, ungarisch für Schwarze Eule oder Schwarzer Uhu. Die gefangene Ungarin Eva G. berichtete später: Die weibliche Lagerleiterin war der Dämon des Lagers.... Sie hat Schlimmeres getan, als ihre Befehle zuließen. Wenn den Gefangenen etwas Schlimmes zustieß, konnte man sicher sein, dass sie dahintersteckte. Sie war auch die Einzige, die regelmäßig Gefangene schlug. Eine andere ungarische Gefangene sagte über Becker aus: Sie war der Schrecken des Lagers. Wir Gefangenen, die Ungarisch sprachen, nannten sie Halül (ungarisch für Tod).... Im Winter, ohne richtige Schuhe und warme Unterwäsche, litten viele von uns an einer Zystitis und mussten häufig urinieren. Die weibliche Wachmannschaft erteilte den Befehl, dass wir nur in Gruppen und zu bestimmten Zeiten auf die Toiletten gehen dürfen. .... Die Frauen, die durch die Reizung Krämpfe entwickelten, erleichterten sich auf der Baustelle in Eimern.... Als Strafe wurde der gesamten Arbeitseinheit das Mittagessen weggenommen.

Lagerräumung Nach einem Luftangriff wurde das Lager panikartig evakuiert. Am 14. April 1945 mussten die Frauen zusammen mit den Häftlingen des Außenlagers Mittweida zu Fuß nach Freiberg marschieren. Von dort aus wurden sie in einer mehrtägige Reise in offenen Güterwagen in das KZ-Außenlager Leitmeritz verbracht. Anschließend mussten sie zu Fuß in das Ghetto Theresienstadt marschieren, wo sechs Frauen nach der Befreiung an Typhus oder Erschöpfung verstarben. 41 Frauen wurden nicht in Theresienstadt registriert; es ist unklar, ob sie während der Räumung flüchteten oder ermordet wurden. Die Befreiung erfolgte am 8. Mai 1945 durch Truppen der Roten Armee.

Nachkriegszeit und Gedenken Der Lagerführer Wilhelm Loh wurde in einem Nebenverfahren zum Flossenbürg-Hauptprozess zum Tode verurteilt und später zu 20 Jahren Haft begnadigt, von denen er acht Jahre verbüßte. Die Oberaufseherin Gertrud Becker wurde als einzige der weiblichen Wachen in den Waldheimer Prozessen zu lebenslänglicher Haft verurteilt, die sie im Frauengefängnis Hoheneck verbüßte. 1955 wurde sie freigelassen. 15 SS-Aufseherinnen wurden von sowjetischen Behörden im Speziallager Nr. 1 Mühlberg interniert, wo zwei verstarben. Die übrigen kamen in das Speziallager Nr. 2 Buchenwald und wurden 1950 entlassen. Der Leiter der Framo-Werke Hans Werner Rasmussen wurde nach dem Krieg von den sowjetischen Behörden inhaftiert und in das NKWD-Lager Toszek bei Gleiwitz eingewiesen, wo er vermutlich im September 1945 an Ruhr und Hunger verstarb.

Das Unternehmen wurde von der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) als Rüstungsbetrieb eingestuft und nahezu vollständig demontiert und in die Sowjetunion transportiert. 1949 wurde die Fahrzeugproduktion wieder aufgenommen. Die Framo-Werke wurden 1957 in „VEB Barkas-Werke Hainichen“ umbenannt, kurz darauf von Hainichen nach Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) verlegt und gingen in einem Zusammenschluss mehrerer Werke in den „VEB Barkas-Werken-Karl-Marx-Stadt“ auf.

Seit November 2007 erinnert ein Gedenkstein auf dem Friedhof an die im Außenlager Hainichen verstorbenen Frauen.

Literatur

Einzelnachweise

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