Hermann Zilles (* 31. August 1903 in Köln; † 4. April 1956 in Ost-Berlin) war ein führender KPD-Funktionär, KZ-Häftling, SED-Kulturfunktionär und erster Leiter des Deutschen Fernsehfunks.

Leben und Wirken Jugend, Ausbildungen und erste Berufstätigkeiten 1903 bis 1929 Zilles wurde 1903 in Köln als Sohn eines Kellners und einer Friseurin geboren und wuchs bei seinen Großeltern und in einem Kinderheim für Jungen auf. Er besuchte eine Volks- und eine Mittelschule in Köln und legte 1919 das Abitur ab., mit detaillierten biographischen Angaben Danach machte er eine kaufmännische Lehre und arbeitete als Kontorist, Vertreter und Buchhalter bei verschiedenen kleinen Handelsfirmen. 1929 wurde er zu Beginn der Weltwirtschaftskrise arbeitslos.

KPD-Aktivitäten und KZ-Haft 1930 bis 1945 1930 wurde Zilles Mitglied der KPD in Köln und unterrichtete an der Marxistischen Arbeiterschule (MAsch). Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus wurde er im März 1933 Organisationssekretär der Bezirksleitung Niederrhein der inzwischen verbotenen Partei. Im August 1933 wurde er verhaftet, kam in das KZ Brauweiler und wurde 1934 wegen Anstiftung zum Hochverrat zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Danach war er wieder im illegalen Untergrundkampf der KPD tätig.

1936 emigrierte Zilles in die Niederlande, wurde politischer Leiter des KPD-Unterbezirks Amsterdam-Nord und Agitprop-Leiter des Unterbezirks Süd-Holland. 1937 und 1938 war er mit illegalen Kurier- und Instruktionstätigkeiten im Ruhrgebiet unterwegs. 1940 wurde er von der niederländischen Fremdenpolizei als Deutscher interniert und nach der Besetzung des Landes nach Deutschland ausgeliefert. Dort wurde er 1941 vom Volksgerichtshof zu zehn Jahren Haft verurteilt, kam in das Zuchthaus Siegburg und 1943 in das KZ Buchenwald, wo er Mitglied der KPD-Leitung war.

KPD-Aktivitäten in Köln 1945/1946 Nach der Befreiung 1945 war Zilles Mitbegründer der KPD in Köln und gehörte im Mai zu einer Delegation von ehemaligen Buchenwald-Häftlingen bei Oberbürgermeister Konrad Adenauer.Reinhold Billstein, Das entscheidende Jahr. Sozialdemokratie und Kommunistische Partei in Köln 1945/1946, Köln 1988, S. 127 (kurzer Auszug); auch Reinhold Billstein, Neubeginn ohne Neuordnung. Dokumente und Materialien , Köln 1984, S. 50 (kurzer Auszug) Otto Dann, Köln nach dem Nationalsozialismus, 1981, S. 173f., über die ersten KPD-Aktivitäten von Hermann Zilles 1945 Er übernahm mit dessen Unterstützung die für ihn geschaffene Stelle des Leiters der Beschwerdestelle des Wohnungsamtes in Köln und wurde Mitglied des Stadtrats.Reinhold Billstein, Die Kölner Arbeiterparteien, in ders. (Hrsg.): Das andere Köln, Köln 1979, S. 369; über die für ihn geschaffenen Posten bei der BeschwerdestelleKonrad Adenauer. Briefe 1945–1947, 1983, S. 584; Konrad Adenauer. Briefe 1947–1949, 1983, S. 719, mit Erwähnungen zu Hermann Zilles; auch Brief vom 20. September 1945 (Anmerkung 1), Konrad Adenauer setzte ihn als Stadtrat ein Außerdem war er erster Sekretär der KPD-Bezirksleitung Mittelrhein und Fraktionsvorsitzender im Provinzialrat Nordrhein-Provinz.Jens Klocksin, Kommunisten im Parlament. Die KPD in Regierungen und Parlamenten in den westlichen Besatzungszonen und in der Bundesrepublik Deutschland, 1994, S. 171 und öfter, mit Details In dieser Zeit gab es eine KPD-interne Untersuchung gegen ihn wegen „nicht parteimäßigen Verhaltens“.Lutz Niethammer, Der gesäuberte Antifaschismus, 2018, S. 519, mit biographischen Details, auch über seine Zeit im KZ Buchenwald

Funktionen in der SBZ und der DDR 1946 bis 1956 Bald danach zog Zilles nach Ost-Berlin und wurde Mitglied des Parteivorstandes des Zentralkomitees der neu gegründeten SED, außerdem Hauptreferent von deren Westabteilung, Leiter für die britische Zone und politischer Sekretär der Arbeitsgemeinschaft SED-KPD. 1949 war er Leiter des Referats für Beziehungen zur SPD in der Westkommission der SED.

1949 wurde Zilles stellvertretender Intendant des Berliner Rundfunks mit der Zuständigkeit für den Deutschlandsender mit dessen Sendungen für Westdeutschland. 1950 wurde er nach der Verhaftung von Leo Bauer Chefredakteur für diese Sendungen.Klaus Arnold, Rückkehr nach Sibirien, in Markus Behner (Hrsg.), Deutsche Publizistik im Exil 1933 bis 1945, Lit, Münster 2000, S. 345; auch in der anderen biographischen Literatur 1952 erhielt er eine Verwarnung durch die SED wegen mangelnder ideologischer Wachsamkeit und wurde kurzzeitig zum Intendanten des Landessenders Halle degradiert.Niethammer, 2018, S. 519 Kurz danach wurde er zum Leiter des neu gegründeten Versuchs-Fernsehzentrums in Berlin-Adlershof und Mitglied der Leitung des Staatlichen Rundfunkkomitees der DDR ernannt.

Im Herbst 1953 wurde Zilles bei Parteisäuberungen nach dem Aufstand vom 17. Juni 1953 aus diesen Funktionen entlassen.Peter Hoff, Der Ausbau des DDR-Fernsehens, in Knut Hickethier, Geschichte des deutschen Fernsehens, Metzler, Stuttgart/Weimar 1998, S. 185; mit Details 1954 wurde er Chefredakteur des Feuilleton-Presse-Dienstes in Ost-Berlin und 1956 der neuen Literaturzeitschrift Die Schatulle. Kurz danach starb er, auch als Folge der Repressionen gegen ihn.

Rezeption Seine damalige Fernsehmitarbeiterin Elly Boraucke bezeichnete Zilles später als einen „lebenslustigen, aufgeschlossenen Menschen mit unorthodoxen Leitungsmethoden“, der der politischen Führung „nicht in den Kram gepasst“ habe.Hoff, 1998, S. 185, nach einem unveröffentlichten Manuskript

Der Spiegel schrieb 1954 über ihn, er sei „ein kleiner, fast buckliger Mann, von dem Mitarbeiter sagen, er könne »niemanden ins Gesicht sehen - und man kann es ihm nicht übelnehmen«“.Zilles bunte Bühne, in Spiegel, 16/1954, vom 14. April 1954 (Text); diese Aussage in der Zeit des Kalten Krieges kann teilweise erfunden sein!

Der leitende Fernsehmitarbeiter Hans Müncheberg schrieb später, den frühen Tod Zilles hätten viele Mitarbeiter als einen schmerzlichen Verlust empfunden.Hans Müncheberg, Blaues Wunder aus Adlershof, 2000; (identischer Text Ein Sender für Deutschland?, 2014, S. 50)

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Journalist (DDR) Kategorie:Fernsehjournalist Kategorie:Hörfunkjournalist Kategorie:Person (Deutscher Fernsehfunk) Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Deutscher Emigrant in den Niederlanden Kategorie:Häftling im KZ Buchenwald Kategorie:Verurteilte Person (NS-Opfer) Kategorie:KPD-Funktionär Kategorie:SED-Funktionär Kategorie:Person (Köln) Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1903 Kategorie:Gestorben 1956 Kategorie:Mann