mini|Gutshaus Groß Kreutz mini|Gut Groß Kreutz um 1859/60, Sammlung Alexander Duncker Das denkmalgeschützte Gutshaus Groß Kreutz befindet sich in Groß Kreutz, einem Ortsteil der Großgemeinde Groß Kreutz (Havel) im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg. Es befindet sich in der Ortsmitte unweit der Dorfkirche Groß Kreutz und ist seit den 1990er Jahren wieder im Privatbesitz von direkten NachfahrenGemeinde Groß Kreutz: Gut Groß Kreutz - Clarita und Donat von Müller. Stand Juni 2026. Vgl. Geschichte Gut Groß Kreutz. Stand Juni 2026. des letzten Gutsbesitzers.

Baubeschreibung Das heutige Gutshaus wurde 1765 im Stil des Friderizianischen Rokoko für Carl Gottfried von Ha(c)ke (1733–1801) errichtet, dessen Wappen sich über dem Haupteingang mit seinen Initialen »17 C.B.G.VON HACKEN 65« in der Schlusssteinkartusche über dem Türbogen befindet. Er war der letzte Erbschenk der Kurmark aus der mit ihm erloschenen Roten Linie (der Hake zu Berge) seines Geschlechts und Gutsherr auf Groß Kreutz, Hackenhausen, Blinsdorf und Mittelbusch. Nach Ansicht des Potsdamer StadthistorikersHans Kania. Potsdamer Stadthistoriker, geboren: 10.07.1878; gestorben: 16.04.1947, In: Literaturport, Hrsg. © 2026 Literarisches Colloquium Berlin. Stand 1.1. 2026. und Autors Hans Kania (1878–1947)Hans Kania: Das Herrenhaus von Groß-Kreutz. In: Heimatkalender für den Kreis-Zauch-Belzig 1928. Belzig 1928, S. 34–38. ist das Herrenhaus eine Schöpfung des Architekten Friedrich Wilhelm Diterichs nach dem Vorbild von Schloss Sanssouci, an dessen Errichtung er als Mitarbeiter Knobelsdorffs beteiligt war. Die Parkseite weist eine Aufteilung von neun Achsen, die Hofseite dagegen mit gleichem Mittelrisalit von elf Achsen auf. Die Wanddekorationen führt Kania auf Carl Friedrich Fechhelm und die Ausmalung des Gartensaals auf den Pesne-Schüler Bernhard Rode zurück, die beide ebenfalls für Friedrich den Großen arbeiteten. Es handele sich daher um „ein vielzitiertes Kleinod der friderizianischen Zeit, wie wir kein zweites mehr besitzen“. Aus Sicht der Denkmalpflege ist durch den 1881 an Stelle des östlichen Seitenflügels errichteten zweigeschossigen Neubau des Verwalterhauses die ausgewogene Symmetrie der Gesamtanlage gestört worden. Bei einer zwischenzeitlichen Instandsetzung 1938 wurden Decken und Wände gestrichen, Räume neu tapeziert sowie Fußböden aufgearbeitet. Den Zweiten Weltkrieg überstand das alte Herrenhaus ohne Schäden. mini|Ehemaliges Gutsarbeiterhaus Erst im Laufe des Kriegsendes 1945 kam es zu Plünderungen und Demolierungen, ungeklärt ob durch die heimische Bevölkerung oder Flüchtlinge, die insbesondere die wertvolle Innenausstattung betrafen. Die aus Friedersdorf und Groß Kreutz stammende von der Marwitzsche Bibliothek war von Pfarrer Kalkowski im Groß Kreutzer Pfarrhaus in Sicherheit gebracht worden, nahm aber nach einem Weitertransport danach im Keller des Belziger Kreishauses großen Schaden. 1945 wurde im ehemaligen Herrenhaus zunächst die sowjetische Kommandantur untergebracht.

1949 kam das Gebäude an die Tierärztliche Fakultät der Berliner Humboldt-Universität. Bei einem ohne Einbeziehung des Landesdenkmalamts im selben Jahr begonnenen Umbau für die neue Nutzung wurden alte Dekorationsteile vernichtet. Es wurden die Fenster erneuert, Dachausbauten vorgenommen, außen der Putz mit Anstrich in leuchtendem Ockergelb entfernt und 1952 die straßenseitige Freitreppe mit massiver Brüstung neu errichtet. Bei einer gleichjährigen Besichtigung konnte nur noch festgestellt werden, dass alle Malereien verloren, Stuck und Supraporten entfernt waren und die Räume einen nüchternen Eindruck machten, ohne dass später dazu die Verantwortlichen ermittelt werden konnten.

Der kleine Gutspark in Groß Kreutz stammte ursprünglich aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und wurde 1960 neu angelegt, blieb aber mit Bezug auf die historische Gestaltung.

Zunehmende Schäden durch Feuchtigkeit machten 2000 erste Sicherungsmaßnahmen an den Resten der Deckenmalereien des Gartensaals notwendig. mini|hochkant=0.3|Wappen v. Rochow Geschichte des Rittergutes Als erster BesitzerVerein von Gelehrten und Freunden deutscher Geschichts- und Stammeskunde (Hrsg.): Archiv für Geschichte, Genealogie, Diplomatik und verwandte Fächer. Band 1, Verlag J. F. Cast, Stuttgart 1846, S. 62 ff. von örtlichen gutsherrschaftlichen Flächen zählt die mittelbrandenburgische Adelsfamilie von Rochow, die damals sämtliche Nebenbesitzungen von ihrer Hauptburg Golzow bei Brandenburg a.H. mitbetreuten. So auch der Ritter Hans VIII. von Rochow, der als letzter Rochow alle Familiengüter an sich vereinte und dann sein Erbe neu aufteilte, in vier Familienlinien. Erbe vom wüst gefallenen Groß Kreutz wurde der Stammvater der Linie Golzow-Jacob (Jacob I.) von Rochow, dessen Wohnsitz zumeist das Feste Haus Burg Zolchow war und er selbst den Kurfürsten Joachim II. auf Reisen begleitete. Ihm folgten gemeinsam in Groß Kreutz mit jeweiligen Anteilen dort die Söhne Hildebrand von Rochow, Wittich von Rochow und Hans Zacharias von Rochow, der dann den Golzower Streubesitz doch wieder einte, respektive vor tiefer Verschuldung rettete. Über einen festen Vorgängerbau aus Rochow`scher Zeit liegen keine wissenschaftlichen Erhebungen vor, zudem bewohnte der märkische Landadel eben oft nur den jeweiligen Hauptsitz.Adolf Friedrich August von Rochow-Stülpe: Nachrichten über die Geschichte des Geschlechts derer von Rochow und ihrer Besitzungen. A. W. Schade-Ernst & Korn, Berlin 1861, S. 43–47, insb. S. 46., S. 51–52, S. 58–59. Die Familie von Rochow stand über Generationen im mehrfachen Kontakt mit der Familie von Hake, über die folgende Veräußerung von Groß Kreutz hinaus. Hans Zacharias I. von Rochow war mit Sophie von Ha(c)ke verheiratet, Tochter der Elise von Trotha und des Wichmann von Hake-Berge.Vgl. ff. Ludolf Ehrenreich von Rochow-Trechwitz – heiratete später Eberhardine Johanna von Hake, Tochter des Erbschenken Adam von Hake auf Groß Kreutz und der Susanna Maria von Schladen a. d. H. Staßfurth. mini|hochkant=0.3|Wappen v. Hake (Mark) 1604 erwarb dieses alte Hake`sche Adelsgeschlecht (auch teils Hacke geschrieben) die Gutsflächen Groß Kreutz, vertreten durch den kaiserlichen Feldmarschall Wolf Dietrich von Ha(c)ke. Allianzwappen, BildnisseGerhard Vinken, u. v. a.: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Brandenburg. 1. Auflage, Hrsg. Georg Dehio-Nachfolge/Dehio-Vereinigung e.V., Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2000, S. 401 f. und Wappenschilde von ihren in der Dorfkirche Groß Kreutz erinnern an diese Gutsherren- und Patronatsfamilie. Nachfolger als Gutsherr waren der Erbschenk der Mark Brandenburg Adam von Ha(c)ke, dann dessen Sohn Botho Wilke von Hacke-Groß Kreutz. Vater und Sohn begannen ihre Laufbahn auf der Ritterakademie am Dom zu Brandenburg mit Schule und Internat.Walter von Leers: Die Zöglinge der Ritterakademie zu Brandenburg a. H. 1705–1913. (Schüler- und Alumnatsverzeichnis. Band I von IV.) Hier: Zögling-RA-No. 2, 434, 452; Hrsg. Verein der ehemaligen Zöglinge der Ritterakademie zu Brandenburg a. H.-Selbstverlag. Buchdruckerei P. Riemann-Ludwigslust, Brandenburg a. H. /Belzig / Ludwigslust 1913, S. 1–79. mini|hochkant=0.3|Wappen v. Arnstedt mini|hochkant=0.3|Wappen derer v. d. Marwitz Es folgte im Eigentum die Familie von Arnstedt, bis in das Jahr 1875. Das Gut mit dem Schlösschen kam im Erbgang 1801 an diese Familie. 1875 fiel es nach dem Tod des Albert von Arnstedt-Demker an die Familie von der Marwitz, denn seine Ehefrau Franziska war eine gebürtige von der Marwitz-Friedersdorf.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). 1904. Jg. 5, Justus Perthes, Gotha 1903, S. 19. Das Rittergut umfasste 1879 mit dem Zubehör Busendorf, halb Canin, Forst Hackenhausen und Vorwerk Möllendorf nach dem erstmalig amtlich publizierten Generaladressbuch der Ritterguts- und Gutsbesitzer für die Provinz Brandenburg 2.415 ha.

Für die Familie von der Marwitz gibt es ebenso Zeugnisse im Ort Groß Kreutz, denn hinter der Ostseite der Kirche befinden sich bis heute GrabmonumenteLeutnant Bernhard von der Marwitz (Dichter), In: Karl Rauch (Hrsg.): Der Bücherwurm. Monatsschrift für Bücherfreunde. 1931-16. Jahrgang, Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg/Berlin 1931, S. 357 f. der Familie von der Marwitz-Friedersdorf,Ancestry.com (Hrsg.): Find a Grave: Friederike von Müller geb. von der Marwitz. Stand 2026. u. a. für den in Groß Kreutz geborenen Offizier Bernhard von der Marwitz, der ebenso Dichter warHarald von Koenigswald (Hrsg.): Stirb und Werde. Aus Briefen und Kriegstagebuchblättern des Leutnants Berndhard von der Marwitz. Wilh. Gottl. Korn, Breslau 1931.Literarisches Colloquium Berlin e.V. (Hrsg.): Literaturport/Literaturlandschaft/Autoren-Berlin/Brandenburg: Bernhard von der Marwitz. Stand 8. Juli 2026. und als Freund von Rainer Maria Rilke galt.Walter Simon: Rilkis Gedicht "Der Tod Moses". Eine Interpretation. Anhang: Mosis Tod, ein Mysterium von Albrecht Schaeffer. In: Hebrew literature in dialogue. Volume 4; LIT, Münster/Berlin 2019, S. 42.Jessica Riemer: Rilkes Frühwerk in der Musik. Rezeptionsgeschichtliche Untersuchungen zur Todesthematik. Zugleich Diss. Univ. Heidelberg 2009; In: Beiträge zur neueren Literaturgeschichte. Band 272; Verlag Winter, Heidelberg 2010, S. 193. und für Friede von der Marwitz geb. Freiin von Schuckmann,Find a Grave (Hrsg.): Friede von der Marwitz geb. Freiin von Schuckmann. Stand 2026. zweite Ehefrau des letzten Gutsbesitzers Bodo-Gottfried von der Marwitz (1893–1982), der in Groß Kreutz geboren wurde. Hauptsitz der Gutsverwaltung für Groß Kreutz-Hackenhausen war allerdings immer Gut Friedersdorf bei Seelow. Denn die Familie von der Marwitz auf Gut Friedersdorf bewirtschaftete Gut Groß Kreutz nicht durchweg selbst. Zeitweise war es immer wieder in der Hand größerer Pächter, welche auch andere Besitzungen der näheren Umgegend, wie die landwirtschaftlichen Teile des Rochow-Gutes Plessow, für einige Jahre pachteten.

Noch vor der großen Wirtschaftskrise 1929 bestand das Rittergut in Groß Kreutz mit dem Forstgut Hackenhausen aus 1602 ha Gesamtfläche.Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, GF Ludwig Hogrefe: Landwirtschaftliches Adressbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg. 1929. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von 20 ha aufwärts mit Angabe der Gutseigenschaft, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. (Letzte Ausgabe Brandenburg), Band VII, 4. Auflage, Selbstverlag von Niekammer’s Güter-Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 173.

1945/1946 während der Bodenreform wurden die Marwitz enteignet, Bodo von der Marwitz-Friedersdorf blieb der letzte Gutsherr. Zwei seiner Enkel, Borries und Donat von Müller, konnten 1994 das Herrenhaus, die Hofstelle, den Park und etwa 70 ha Wiesengelände von der Treuhandanstalt als Nachfahren der alten Gutsbesitzerfamilie zurückkaufen.

Der unweit auf dem Friedhof Groß Kreutz 1975 bestattete ehemalige Diplomat und spätere Buchautor Wolfgang Gans zu Putlitz hat keinen näheren besitztechnisch-historischen Kontext zum Gutshaus Groß Kreutz.

Literatur Grossen-Kreutz. In: Alexander Duncker (Hrsg.): Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der Preußischen Monarchie nebst den königlichen Familien-, Haus-, Fideicommiss- und Schattull-Gütern nebst begl. Text. Band 2, Selbstverlag, Berlin 1859, Blatt 117. Gut Groß Kreutz, In: Adolf Friedrich August von Rochow-Stülpe: Nachrichten über die Geschichte des Geschlechts derer von Rochow und ihrer Besitzungen. A. W. Schade-Ernst & Korn, Berlin 1861, u. a. S. LI f. Beilage 45. Pkt. 72. Crutzewitz