Wolfgang Bollacher (* 23. Mai 1933 in Heilbronn; † 20. Juni 2026) war ein deutscher Rechtsanwalt, Regionalhistoriker und Autor. Er wirkte über Jahrzehnte in Ludwigsburg und engagierte sich insbesondere für die Erforschung und Vermittlung der Geschichte von Stadt und Landkreis Ludwigsburg.
Leben und Wirken Wolfgang Bollacher wurde am 23. Mai 1933 in Heilbronn geboren. Seine Schulzeit verbrachte er in Heilbronn, Stuttgart, Besigheim und Ludwigsburg. Von 1943 bis 1951 lebte er im Pfarrhaus in Mundelsheim, wohin seine Mutter im Sommer 1943 mit ihm, seinen beiden jüngeren Brüdern und einer Hausgehilfin gezogen war, um Schutz vor den Luftangriffen auf Stuttgart zu finden. Diese Kriegs- und Nachkriegsjahre in Mundelsheim verarbeitete er später in autobiographischen Schilderungen.Wolfgang Bollacher: Nestinspektion. Mundelsheimer Jahre 1943–1951. Fr. Stroh Verlag, Backnang 1984.
Nach dem Abitur studierte Wolfgang Bollacher Rechtswissenschaften in Tübingen und München. 1960 wurde er mit einer Dissertation zur frühen Geschichte Ludwigsburgs zum Dr. jur. promoviert. Seine Doktorarbeit trug den Titel Die Entwicklung der Grangie Geisnang und die landesfürstlichen Maßnahmen bei der Entstehung Ludwigsburgs. Im selben Jahr trat er als Teilhaber in die Rechtsanwaltskanzlei seines Vaters in Ludwigsburg ein. Bis 2001 war er Gesellschafter der Kanzlei.Traueranzeige der Rechtsanwaltskanzlei Bollacher Lang König. In: Ludwigsburger Kreiszeitung, Ausgabe vom 27. Juni 2026 (online).
Neben seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt widmete sich Wolfgang Bollacher der Regionalgeschichte, insbesondere der Geschichte der Stadt und des Landkreises Ludwigsburg. Ab 1961 war er in verschiedenen Funktionen im Historischen Verein für Stadt und Kreis Ludwigsburg e. V. tätig, dem er von 1979 bis 2003 als Vorsitzender vorstand. Zudem veröffentlichte er autobiographische und wissenschaftliche Schriften zur Geschichte Ludwigsburgs und des Landkreises sowie zu Erfahrungen des 20. Jahrhunderts.Traueranzeige des Landkreises Ludwigsburg. In: Ludwigsburger Kreiszeitung, Ausgabe vom 27. Juni 2026 (online).Traueranzeige des Historischen Vereins für Stadt und Kreis Ludwigsburg. In: Ludwigsburger Kreiszeitung, Ausgabe vom 27. Juni 2026 (online).
Darüber hinaus trat Wolfgang Bollacher 1996 in den Vorstand der Wüstenrot Stiftung ein und übernahm später dessen Vorsitz. In seiner Rolle verantwortete er die Vergabe bedeutender Preise wie den Archäologie-Preis Baden-Württemberg und den Gestaltungspreis der Wüstenrot Stiftung. Er begleitete praxisnahe Forschungsprojekte zu städtischen Entwicklungen und war Mitherausgeber der stiftungsnahen Publikation Fokus Innenstadt.Träger der Bürgermedaille: Trauer um Wolfgang Bollacher. In: Ludwigsburger Kreiszeitung. Ausgabe vom 9. Juli 2026.
Wolfgang Bollacher lebte in Ludwigsburg. Er war mit Ilse Bollacher, geborene Paret, verheiratet und hatte drei Söhne. Sein ältester Sohn ist der Jurist und ehemalige Landrat des Landkreises Waldshut, Tilman Bollacher. Der Archäologe Oscar Paret war sein Schwiegervater.
Ehrungen 1992: Auszeichnung mit der Bürgermedaille der Stadt Ludwigsburg 2003: Verleihung der Verdienstmedaille des Landkreises Ludwigsburg 2004: Ernennung zum Ehrenvorsitzenden des Historischen Vereins für Stadt und Kreis Ludwigsburg
Veröffentlichungen (Auswahl) Die Entwicklung der Grangie Geisnang und die landesfürstlichen Maßnahmen bei der Entstehung Ludwigsburgs. Dissertation, Tübingen 1960. Die Entwicklung der Zisterziensergrangie Geisnang. In: Ludwigsburger Geschichtsblätter, Heft 15 (1963), S. 7–21. Die obrigkeitlichen Verhältnisse auf Alt-Ludwigsburger Markung. In: Ludwigsburger Geschichtsblätter, Heft 16 (1964), S. 7–29. Die Gründung Ludwigsburgs und das altwirtembergische Kirchengut. In: Ludwigsburger Geschichtsblätter, Heft 17 (1965), S. 52–69. Das Ottmarsheimer Dorfrecht von 1571. In: Ludwigsburger Geschichtsblätter, Heft 18 (1966), S. 85–92. Steinkreuze im Landkreis Ludwigsburg. In: Ludwigsburger Geschichtsblätter, Heft 20 (1968), S. 135–161. Nestinspektion. Mundelsheimer Jahre 1943–1951. Fr. Stroh Verlag, Backnang 1984. Georg Sebastian Zilling (1725–1799) – viel geschmähter Dekan und Stadtpfarrer in Ludwigsburg. In: Ludwigsburger Geschichtsblätter, Heft 40 (1987), S. 93–114. 90 Jahre Historischer Verein für Stadt und Kreis Ludwigsburg e. V. In: Ludwigsburger Geschichtsblätter, Heft 41 (1988), S. 7–12. Erinnerungen an die Jahre 1939 bis 1949. In: Mundelsheim. Weinort am Neckar. Mundelsheim 1995, ISBN 978-3-9804177-0-9. Kleinbus mit Badewanne und andere Merkwürdigkeiten. Fr. Stroh Verlag, Backnang 2000. ISBN 978-3-927713-28-4. Aus dem Leben des Artillerieoffiziers und Heldentenors Anton Schott. In: Ludwigsburger Geschichtsblätter, Heft 67 (2013), S. 151–169. Lehrer wagt Handstand auf Brücken und Türmen. In: Augenblicke – Ereignisse in Ludwigsburg. Freunde des Städtischen Museums Ludwigsburg (Hrsg.), Info & Idee Medien Verlag, Ludwigsburg 2008. ISBN 978-3-931112-11-0.
Weblinks
Wolfgang Bollacher in WorldCat
Einzelnachweise
Kategorie:Rechtsanwalt (Deutschland) Kategorie:Heimatforscher (Baden-Württemberg) Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Person (Ludwigsburg) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1933 Kategorie:Gestorben 2026 Kategorie:Mann