Northeim ist eine Mittelstadt und selbständige Gemeinde in Südniedersachsen, Deutschland. Die ehemalige Hansestadt ist Sitz des Landkreises Northeim und erfüllt die Funktionen eines Mittelzentrums. In der Europastadt, die sich auf rund 145 km² Fläche erstreckt, leben (Stand 2024) rund 27.300 Einwohner. Die Stadt ist mit ihrer historischen Altstadt Teil der Deutschen Fachwerkstraße.
Geografie Geografische Lage Northeim liegt in Südniedersachsen im Niedersächsischen Bergland an den äußersten Südwestausläufern des Harzes bzw. einige Kilometer östlich des Sollings. Es befindet sich 20 Kilometer nördlich der Großstadt Göttingen. Durch das Stadtzentrum verläuft der 10. Grad östlicher Länge. Auf der Einkaufsstraße Breite Straße ist der Längengrad durch weiße Pflastersteine markiert.
Durch Northeim fließt die Rhume mit ihrem Rhumekanal, der einst zum Betrieb der Northeimer Mühle angelegt wurde.Oberverwaltungsgericht Lüneburg: Beschluss vom 9. Februar 2009. 13 LA 155/07. Die durch Langenholtensen fließende Dünne mündet in der Nähe der B-241-Brücke in die Rhume.Olaf Weiß: Stadt hat kaum Geld für Brückensanierung. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine online, 20. April 2010, abgerufen am 8. Mai 2010 Unweit westlich der Stadt verläuft die Leine in Süd-Nord-Richtung. In sie mündet die Rhume 4,5 km nordwestlich des Stadtkerns sowie die von Westen kommende Moore.
Northeim liegt an der Northeimer Seenplatte, die derzeit aus zwölf durch Kiesabbau entstandenen Seen mit einer Gesamtfläche von 360 ha (August 2006) besteht. Bis zum Ende der Abbauarbeiten werden mindestens drei weitere Seen hinzukommen. Der größte Einzelsee wird sich dann über eine Fläche von 160 ha erstrecken.
Stadtgliederung Berwartshausen Bühle Denkershausen Edesheim Hammenstedt Hillerse Höckelheim Hohnstedt Hollenstedt Imbshausen Lagershausen Langenholtensen Schnedinghausen Stöckheim Sudheim
Dazu gehören auch folgende Siedlungen, die den jeweiligen Dörfern zugeordnet sind: Wetze zu Stöckheim, Brunstein zu Langenholtensen, Gut Wickershausen zu Hollenstedt. Güntgenburg, ein ehemaliges Vorwerk des Klosterguts Höckelheim mit sechs Einwohnern (2005), gehört zu Hammenstedt.
Nachbargemeinden An Northeim grenzen nördlich die Stadt Einbeck und die Gemeinde Kalefeld. Im Osten grenzt es an die Gemeinde Katlenburg-Lindau. Südlich von Northeim liegt Nörten-Hardenberg und westlich die Stadt Moringen.
Geschichte mini|Merian-Stich von Northeim (1654) Die älteste Zeit Für das Gebiet um die Northeimer Kernstadt – etwa an den Hängen des Leinetals und der Berge nach Imbshausen hin – lassen sich Siedlungen der jüngeren Steinzeit nachweisen. Diese Nachweise reichen bis 2.000 v. Chr. Für die Bronzezeit lassen sich Hügelgräber feststellen. Auf dem Gebiet des heutigen Northeims lebten zur Germanenzeit um Christi Geburt die Cherusker, die in das Volk der Sachsen aufgingen.Northeim – Ein Führer für Fremde und Einheimische. 1926, S. 14.
Erste Erwähnung bis zur Jahrtausendwende Für das Ende des 8. Jahrhunderts lässt sich die erste Erwähnung Northeims notieren, da der fränkische Adelige Nithard und dessen Frau Eggehild Eigentümer in Northeim, Medenheim und Sudheim an das Kloster Fulda übertragen hatte. Um 800 befand sich im Bereich der heutigen Sankt-Sixti-Kirche eine sächsische Siedlung, die später mit dem Namen „Oberdorf“ bezeichnet wurde. Wie diese Siedlung ursprünglich hieß, ist jedoch nicht überliefert. In der Nähe befand sich zu dieser Zeit auch eine fränkische Ansiedlung, die zur Sicherung von Handelswegen beitragen sollte. Diese ging im 10. Jahrhundert in den Besitz der Northeimer Grafen über. Ins Jahr 982 datiert die erste Erwähnung eines Grafen des Rittigaus, des Grafen Siegfried von Northeim, welcher in einer Urkunde Kaiser Ottos II. genannt wird.
Northeim während des Mittelalters Die erste Erwähnung der Stadt als Sitz der Northeimer Grafen stammt aus dem Jahr 1002. Die Northeimer Siegfried I., Siegfried II. und Benno sowie Heinrich und Udo von Katlenburg ermordeten in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai den Meißener Markgrafen Ekkehard I. im Kloster Pöhlde.
Um 1050 heiratete Graf Otto von Northeim Richenza von Werl. Auf diese Weise vermehrte er seinen Besitz beträchtlich und wurde zu einem der angesehensten und reichsten Fürsten der damaligen Zeit. 1061 wurde Otto von der Witwe Heinrichs III., Agnes, das Stammesherzogtum Baiern verliehen. Da er Pläne zur Ermordung von König Heinrich IV. bei dessen Besuch in Northeim geschmiedet haben sollte, wurde Otto 1069 des Majestätsverbrechens für schuldig befunden und verlor in Folge seine Rechtslehen und das Herzogtum Bayern. Otto von Northeim, der 1083 an den Folgen eines Reitunfalles starb, plante seinerzeit die Gründung eines Klosters in Northeim, Sankt Blasien. Im Schutze dieses Klosters entstand die Marktsiedlung im Bereich der heutigen Breiten Straße, die dritte Keimzelle Northeims.
Im Jahre 1110 heiratete Ottos Enkelin Richenza von Northeim Lothar von Supplingenburg, wodurch sie später Kaiserin des hl. römischen Reiches dt. Nation wurde. Richenza, nach der in Northeim bis in die 1970er-Jahre ein Mädchengymnasium benannt war, ist die Großmutter Heinrichs des Löwen. Die männliche Linie der Grafen von Northeim erlosch mit dem Tode Heinrichs von Boyneburg im Jahre 1147. Der Besitz der Northeimer Grafen, unter anderem das Kloster, gelangte an den Grafen Hermann von Winzenburg. Nach dessen Ermordung fünf Jahre später gehörte das Kloster Heinrich dem Löwen. mini|St. Blasien-Komplex, Ansicht vom Münsterplatz
1204 erfolgt die erste Erwähnung Northeims als . 1235 wurde das welfische Herzogtum Braunschweig-Lüneburg begründet, zu dem Northeim von da an über Jahrhunderte gehören sollte. Die Stadtrechte wurden Northeim im Jahre 1252 verliehen. Dies führte zum Bau der heute noch in Teilen erhaltenen Stadtmauer, der in drei Teilabschnitten erfolgte. In den Jahren 1252 bis 1280 begann man mit dem Bau des 770 Meter langen Mauerabschnitts vom Oberen Tor bis zum Höckelheimer Tor. Anschließend wurde das etwa 370 Meter lange Teilstück vom Oberen Tor bis zum Mühlentor bis Anfang der 1290er Jahre errichtet. Abschließend entstand der noch fehlende über 600 Meter lange Bereich vom Mühlentor zum Höckelheimer Tor bis 1304. Als Gegenleistung dafür, dass St. Blasien in den Mauerring mit einbezogen wurde, übernahm das Kloster einen Teil der Kosten für den Mauerbau. Die Stadttore wurden 1285, 1293 und 1295 zum ersten Mal erwähnt, und waren daher wohl zumindest geplant, wenn nicht sogar im Bauzustand oder bereits fertig gestellt. In einer Urkunde des Rates vom 1. Februar 1297 wurde das Stift St. Blasien für alle Zeit vom Wachdienst befreit, wofür es im Gegenzug eine Entschädigung von 30 Pfund reinen Silbers zu zahlen hatte. Der Mauerring war 1304 geschlossen.Werner Uerkvitz: Anmerkungen zum Bau der Northeimer Stadtmauer, in: Heimat- und Museumsverein für Northeim und Umgebung e. V. (Hrsg.): Northeimer Jahrbuch 2022 – Zeitschrift für Heimatforschung, Denkmalpflege und Naturschutz, 87. Jg. (2022), ISSN 0936-8345, Northeim 2022, S. 7 ff.
1246 ging Northeim einen gegenseitigen Schutzbund mit der 50 Kilometer entfernten Stadt Münden ein. 1265 übernahm die Stadt Göttinger Stadtrecht, was ein Privileg darstellte. Damit gingen polizeiliche Befugnisse auf den Rat über, der nun selbst Strafen verhängen konnte. Die Burg Rumenau wurde 1303 zerstört. 1326 erlaubte der Abt von St. Blasien die Einleitung von Wasser der Selde in die Stadtgräben, die folglich zu dieser Zeit entweder bereits bestanden haben oder in Planung gewesen sein müssen. Die Niederlassung der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg diente von 1334 bis zum verheerenden Brand von 1832 als Rathaus. Zur selben Zeit bekam Northeim das Münzrecht. Ab dieser Zeit begann Northeim wirtschaftlich aufzublühen und wurde 1384 Mitglied der Hanse. Ab 1431 wurden die Wälle vor der Stadt angelegt.
1477 bekam Northeim eine erste Stadtschule, welche noch heute als Gymnasium Corvinianum existiert. Auf die Zeit um 1480 ist die Erneuerung der gesamten Klosteranlagen datiert. Zu dieser Zeit kam es 1485 zum Bau der gotischen Hallenkirche des Klosters. Die Reformation brachte die Bauarbeiten jedoch zum Erliegen. Northeim wurde im Vergleich zu Göttingen vergleichsweise spät evangelisch-lutherisch. Am 7. März 1539 legten der Reformator Anton Corvinus und sein Vikar Jörge ThomasFerdinand Ahuis: Die Bedeutung des Hochdeutschen für die Northeimer Kirchenordnung von 1539. In: Jahrbuch der Gesellschaft für Niedersächsische Kirchengeschichte, Nr. 115, 2017, S. 47–66 die von ihnen verfasste erste evangelische Kirchenordnung für die Stadt vor, und der Rat wurde Patronatsherr der Sankt-Sixti-Kirche. Wenige Jahre später wurde das Kloster bis 1592 zum Pfandbesitz der Stadt, als geistliche Institution hörte das Kloster 1562 auf zu existieren. Northeims Mitgliedschaft in der Hanse blieb eine verhältnismäßig kurze Episode, da die Stadt bereits 1554 wieder aus ihr ausschied. Für die Jahre 1568 und 1574 ist der Bau der ersten Steinbrücke über die Rhume und die Errichtung der ersten Apotheke datiert. 1580 unterzeichnete der Rat der Stadt Northeim die lutherische Konkordienformel von 1577.Vgl. Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche, S. 766; vgl. S. 17.
1584 starb Herzog Erich II., Fürst von Calenberg-Göttingen, ohne legitimen Erben, sodass Calenberg-Göttingen, zu dem Northeim gehörte, an Herzog Julius und die Wolfenbütteler Linie des Welfenhauses fiel, bei der es bis 1635 verblieb. 1636 kam Calenberg-Göttingen an Herzog Georg, der die neue Calenberger Linie der Welfen begründete, die später das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg und das Königreich Hannover schuf. Northeim verblieb bis 1866 unter der Herrschaft dieser Linie der Welfen.
Northeim im Dreißigjährigen Krieg Einen Wendepunkt in der Stadtgeschichte stellte mit dem Verlust der Pfandschaft über das Kloster das Jahr 1592 dar. Auch an Northeim ging der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) nicht vorbei. Schon im Herbst 1625 hatte Tilly für sein ligistisches Heer Quartier und Verpflegung vom Rat der Stadt verlangt. Dies wurde zunächst ebenso abgelehnt wie eine Bitte des Landesherrn Herzog Friedrich Ulrich, eine Garnison zur Landesverteidigung aufzunehmen. Der Northeimer Rat, der in all seinen Entscheidungen von der Zustimmung der Gilden abhängig war, wollte die Aufnahme jeglicher Soldaten, die nicht dem Kommando des Rates standen, aus Kostengründen verhindern. Ein Gefühl der engeren Zugehörigkeit zum Fürstentum Calenberg-Göttingen oder zum Welfenhaus war im damaligen Northeim noch nicht ausgeprägt. Gleichwohl begann man mit der Instandsetzung der Verteidigungsanlagen und bemühte sich, die Stadt für mögliche kommende Belagerungen zu wappnen.Adolf Hueg: Aus Northeims Sturmzeit. Kampf, Rebellion, Strafe 1625–1636, Verlag Museumsverein Northeim, Northeim 1936, S. 10 ff. Tilly ließ seine Soldaten in den Dörfern im Umland Winterquartier nehmen. In den folgenden Wochen kam es mehrfach zu Übergriffen der ligistischen Soldaten. Während des Dezembers 1625 zündeten sie mehrere Mühlen an, die sich außerhalb der Stadttore befanden.Adolf Hueg: Aus Northeims Sturmzeit. Kampf, Rebellion, Strafe 1625–1636, Verlag Museumsverein Northeim, Northeim 1936, S. 19–21.