Karl Schneemann (* 4. Juli 1812 in Bamberg; † 7. März 1850 in München) war ein deutscher Mediziner, Hochschullehrer und Initiator zur Gründung der Medizinischen Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er gehörte zu den Wegbereitern der akademischen ambulanten Krankenversorgung in Bayern und prägte die Entwicklung der klinischen Medizin an der Universität München in der Mitte des 19. Jahrhunderts.
mini|Karl Schneemann. Grabstätte auf dem Alten Südfriedhof München
Leben
Schneemann studierte Medizin an den Universitäten Würzburg und München. 1836 wurde er an der medizinischen Fakultät der Universität Bamberg promoviert. Seine in Latein verfasste medizinische Dissertation „De Medorrhoea“ („Über die Gonorrhoe“) befasste sich mit dem damals als Medorrhö bezeichneten Krankheitsbild des Trippers.Karl Schneemann. De Medorrhoea. Dissertatio inauguralis. Medizinische Dissertation Universität Bamberg 1836. In den folgenden Jahren widmete er sich der medizinischen Lehre an der Universität München sowie der praktischen Krankenversorgung. Schneemann betrieb eine Armenpraxis am Maximiliansplatz 23/2.Adresse Karl Schneemann in: Adreßbuch für München. 1845 Dieses Privatunternehmen mit Sprechstunden in seinen Privaträumen entwickelte Schneemann zu einer medizinischen Poliklinik. Sie wurde 1843 auf königlichen Erlass Universitätseinrichtung und Schneemann mit deren Leitung beauftragt. Anspruch auf poliklinische Behandlung hatte „jeder Kranke ohne Unterschied“, also vor allem damals arme Menschen.Karl Schneemann: Über Entstehung und Wirken der Poliklinik in München im Jahre 1843 Antrittsrede Eine Aufteilung nach Fächern gab es bis 1863 noch nicht. Die Antrittsrede Schneemanns zur Eröffnung der Universitäts-Poliklinik 1843 gibt ein umfassendes Bild über die Art und Anzahl der Erkrankungen. Schneemann berichtet von 232 behandelten Patienten im Jahr 1843, darunter 80 Kinder. 193 Patienten konnten als geheilt, 12 als gebessert und 4 als unheilbar entlassen werden; 23 verstarben. Die Einwohnerentwicklung von München wies zum Gründungszeitpunkt der Universitäts-Poliklinik etwa 83.000 Einwohner auf. 1844 war die Anzahl poliklinisch behandelter Kranker bereits auf 533 gestiegen. Sie wurden neben Schneemann von 15 weiteren Ärzten betreut. 1848 erhielt Schneemann eine ordentliche Professur. Er starb am 7. März 1850 im Alter von etwa 38 Jahren an einer Tuberkulose.Die Ludwig-Maximilians-Universität in ihren Fakultäten. Erster Band. Hg.: Laetitia Boehm; Johannes Spörl. Duncker & Humblot 1972, Seite 218. https://dokumen.pub/die-ludwig-maximilians-universitt-in-ihren-fakultten-erster-band-1nbsped-9783428427024-9783428027026.html Nach seinem frühen Tod übernahm der Mediziner Franz Seitz die Leitung der Poliklinik und führte deren Ausbau fort.
Bedeutung
Schneemann zählt zu den Pionieren der universitären ambulanten Medizin in Bayern. Mit der von ihm gegründeten Medizinischen Poliklinik entstand 1843 die erste eigenständige universitäre Einrichtung der LMU für die ambulante Krankenversorgung in München. Schneemanns Wirken ergänzte die bereits seit dem Umzug der Universität nach München bestehende stationäre klinische Ausbildung am Allgemeinen Krankenhaus vor dem Sendlinger Tor, das seit 1826 als erstes Lehrkrankenhaus der Ludwig-Maximilians-Universität diente.LMU Geschichte der Medizinischen Fakultät Die Poliklinik verband erstmals ambulante Patientenversorgung systematisch mit Forschung und Lehre und der Ausbildung der Ärzte. Trotz seiner kurzen Wirkungszeit gelang es Schneemann, die Poliklinik als zentrale universitäre Einrichtung für Diagnostik, Therapie und medizinischen Unterricht zu etablieren. Aus der Medizinischen Poliklinik entwickelte sich im Laufe der folgenden Jahrzehnte ein wesentlicher Bestandteil des heutigen LMU Klinikums. Das Universitätsklinikum umfasst inzwischen 28 Fachkliniken, sowie zahlreiche Kliniken mit Polikliniken, Institute und interdisziplinäre Zentren und zählt zu den größten Universitätsklinika Europas. Damit gilt Schneemanns Poliklinik als einer der historischen Ausgangspunkte der heutigen universitären Krankenversorgung und medizinischen Lehre der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Ehrungen
Die Schneemannstraße in München erinnert an Karl Schneemann. Sie wurde 1945 nach dem Mediziner benannt und würdigt seinen Beitrag zur Gründung der Münchner Universitätspoliklinik.
Schriften Versuche über die Verrichtungen der Nerven. Brief des Prof. Bartholomeo Panizza an den Prof. Maurizio Buffalini. Aus dem Italienischen übersetzt und mit Zusäzen versehen von Carl Schneemann. Erlangen 1836.
De Medorrhoea. Dissertatio inauguralis. Medizinische Dissertation Universität Bamberg 1836.
Tractatus de contagiorum venereorum differentia (Abhandlung über die Unterschiede der Geschlechtskrankheiten und ihrer Ansteckung). München 1839.
Über Entstehung und Wirken der Poliklinik in München im Jahre 1843: Antrittsrede
Grabstätte
Das Grab von Karl Schneemann befindet sich auf dem Alten Südlichen Friedhof in München. Es hat die Sektion 29, Reihe 1, Grab 28. Das Grab ist außerdem als Berühmtengrab der Stadt München ausgewiesen.Berühmtengrab Stadt München: Karl Schnemmann
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Mediziner (19. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Ludwig-Maximilians-Universität München) Kategorie:Absolvent der Ludwig-Maximilians-Universität München Kategorie:Bayer Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1812 Kategorie:Gestorben 1850 Kategorie:Mann