Der Weißbinden-Ameisenvogel (Pyriglena leucoptera, Syn.: Turdus leucopterus, Lanius notodela, Thamnophilus leuconotus) ist eine Vogelart aus der Familie der Ameisenvögel (Thamnophilidae), die im östlichen Brasilien, dem östlichen Paraguay und dem nordöstlichen Argentinien in der Provinz Misiones verbreitet ist. Der Bestand wird von der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingeschätzt. Die Art gilt als monotypisch.
Merkmale Der Weißbinden-Ameisenvogel erreicht eine Körperlänge von 16,0 bis 18,0 cm bei einem Gewicht von ca. 25,0 bis 34,0 g. Die Weibchen sind tendenziell etwas leichter. Das Männchen glänzt schwarz. Dabei hat es einen weißen Fleck zwischen den Schulterblättern, weiße kleine Flügeldecken, und weiß gesäumte mittlere und große Flügeldecken. Die Unterflügeldecken sind schwärzlich grau. Die Iris leuchtet rot. Das Weibchen hat einen gelblich braunen Oberkopf, Oberseite und Flügel. Der Fleck zwischen den Schultern fehlt. Der Schwanz ist bräunlich schwarz, die Zügel schwarz, die Kopfseiten grau mit olivfarbener Tönung, das Kinn und die Mitte der Kehle weiß, die Brust hell gelblich olivbraun und die Mitte des Bauches weißlicher. Die Flanken, der Untersteiß und die Unterflügeldecken sind dunkel olivbraun mit gräulicher Tönung.Kevin Jay Zimmer, u. a. (2020)
Lautäußerungen Der laute Gesang des Männchens des Weißbinden-Ameisenvogels besteht aus einer regelmäßigen, mittel langen Abfolge an Tönen, die beispielsweise aus acht Tönen in zwei Sekunden besteht. Die Töne sind länger als die Pausen, die Tonhöhe bleibt gleich oder fällt leicht ab, wobei die erste Note oft kürzer oder weniger intensiv ist. Der Gesang des Weibchens ist ähnlich, doch fällt die Tonhöhe stärker ab. Zu den Rufen gehören ein tiefes tschup, ein höheres und längeres tschip sowie ein musikalisches, blubberndes Rattern, das in Tonhöhe und Intensität meist abnimmt.
Fortpflanzung Die Brutsaison des Weißbinden-Ameisenvogels ist von September bis Dezember. Ein sorgfältig dokumentiertes Nest aus Misiones war eine Kugel die aus Blättern, Blattstielen und gerollten Bambusscheiden gebaut war. Es hatte einen Durchmesser von 26 Zentimeter, eine Eingangsöffnung von 7 bis 8 Zentimeter, in einem Winkel von 30° zur Vertikalen, und eine Hohlraumtiefe von 12,5 Zentimeter. Dieses war auf dem Boden auf einem alten Laubnest in dichtem Bambus der Art Merostachys clausenii mit 70 % Baumkronendeckung platziert. Ähnliche Nester in Brasilien waren jedoch aus anderen, in der Umgebung vorhandenen Pflanzenmaterialien gefertigt. Darunter befanden sich an einem Standort Materialien wie Stängel und Blätter eines Pfeilwurzgewächs. Das Nest ruhte am Fuß eines niedrigen Baumes, auf einem Baumstumpf oder zwischen Adlerfarnen. Es gibt eine erkennbare Tendenz bzw. ein Erfordernis, das Nest etwas über der Bodenoberfläche anzulegen. Ein Gelege besteht normalerweise aus zwei weißen oder cremeweißen Eiern mit rötlichen Flecken sowie feinen Punkten und gewundenen Linien in tiefem braunviolett, rotbraun, lilarot und dunklem lilagrau gezeichnet. Die Bebrütung erfolgt tagsüber durch beide Elternvögel, nachts wahrscheinlich nur durch das Weibchen.
Verhalten und Ernährung Der Weißbinden-Ameisenvogel ernährt sich von einer Vielzahl von Insekten, darunter von Echten Grillen, Laubheuschrecken, Feldheuschrecken, Schaben, Bohrkäfer, Rüsselkäfer und Ameisen. Zudem frisst er Spinnen und erbeutet Berichten zufolge auch Geckos. Eng verbundene Paare, Einzelvögel oder Familiengruppen suchen meist in einer Höhe von 0 bis 3 Meter über dem Boden nach Nahrung, gelegentlich jedoch auch bis in 10 Meter Höhe. Er ist allein unterwegs oder schließt sich bisweilen kurzzeitig gemischten Schwärmen anderer Insektenfresser an. Die Nahrungssuche erfolgt meist bodennah in schattigen, dicht verflochtenen Dickichten aus Lianen, Jungwuchs und Bambus mit zahlreichen horizontalen und schrägen Sitzwarten. Dabei klettert er jedoch regelmäßig durch herabhängende Lianengeflechte, um auch in deutlich größeren Höhen nach Nahrung zu suchen. Er folgt regelmäßig Schwärmen von Wanderameisen, um fliehende Gliederfüßer zu erbeuten. Hierbei können sich mehrere Paare oder Familiengruppen an Schwärmen zusammenfinden, wobei das Verhalten dem von konspezifischen Arten ähnelt. Die Körperhaltung ist ca. 20 Grad über der Horizontalen, der Schwanz wird meist in einer Linie mit dem Körper gehalten und regelmäßig in einem Bogen von ca. 30 Grad nach unten geschlagen, dann langsam angehoben, bevor er erneut nach unten geschlagen wird. So klammert er sich seitlich an schlanke, senkrechte Stängel, wobei das untere Bein gestreckt und das obere gebeugt ist. Häufiger bleibt er jedoch auf waagerechten oder schrägen Sitzwarten in Bodennähe. Das häufigste Angriffsmanöver ist ein rascher Vorstoß von einer niedrigen Warte auf den Boden, um fliehende Beute zu ergreifen, gefolgt von einem schnellen Sprung zurück auf eine andere niedrige Warte. Bisweilen verweilt der Vogel einige Sekunden am Boden und wirbelt Laub auf, um im Bodenstreu verborgene Beute freizulegen. Die Beute wird von oberirdischen Stängeln, Ranken, Ästen oder Blättern aufgesammelt. Meist geschieht dies durch Absuchen durch das nach oben oder zur Seite recken oder nach unten oder durch kurze Sprünge, seltener durch kurze Ausflüge zum Blattwerk oder zu Ästen. Im Vergleich zu seinen Verwandten ist diese Art häufiger fernab von Ameisen anzutreffen, was vermutlich die allgemein geringere Dichte von Wanderameisenschwärmen in ihren Lebensräumen widerspiegelt. Es sucht seine Beute meist von einer Warte aus auf Blättern, Ranken und Ästen ab, indem es mit schnellen Schnabelstößen oder kurzen horizontalen Vorstößen nach oben, zur Seite oder nach unten pickt. Bisweilen unternimmt er auch kurze, flatternde Vorstöße sowie kürzere Sprünge, um Nahrung von lebendem Blattwerk zu sammeln. Er lässt sich häufig zu Boden fallen, um Beute aus der Laubschicht aufzunehmen.
Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet des Weißbinden-Ameisenvogels (grün) Der Weißbinden-Ameisenvogel bewohnt das Unterholz von immergrünen Waldrändern, Waldlichtungen und älteren Sekundärwäldern sowie selektiv genutzte Wälder und auf Plantagen. Hier bewegt er sich in Höhenlagen vom Tiefland bis 1250 Meter und gelegentlich sogar höher. Er ist häufig in Gebieten mit ausgedehnten Bambusbeständen präsent, ist jedoch nicht auf diese beschränkt. So hält er sich bevorzugt in dichten Schlingpflanzengewirren und Dickichten an Waldrändern sowie in Lichtungen im Waldinneren auf, beispielsweise an den Rändern von Baumstürzen durch Stürme und an Erdrutschen oder in großen Bambusbeständen. Er meidet wie Artverwandte offene Bereiche im Waldinneren. So kommt er im östlichen Bahia und dem südwestlichen Minas Gerais südlich bis ins südliche Mato Grosso do Sul und dem extremen Norden Rio Grande do Suls vor. In Paraguay ist er vom Departamento Canindeyú südlich bis Departamento Itapúa verbreitet. In Argentinien ist er nur in der Provinz Misiones heimisch.
Migration Der Weißbinden-Ameisenvogel ist vermutlich ein Standvogel.
Etymologie und Forschungsgeschichte Die Erstbeschreibung des Weißbinden-Ameisenvogels erfolgte 1818 durch Louis Pierre Vieillot unter dem wissenschaftlichen Namen Turdus leucopterus. Als Verbreitungsgebiet gab er Brasilien an. Das Typusexemplar wurde von Pierre Antoine Delalande gesammelt.Louis Pierre Vieillot (1818), S. 272 1847 führte Jean Louis Cabanis die für die Wissenschaft neue Gattung Pyriglena für die Glutaugen-Ameisenvogel-Unterart (Pyriglena maura picea) ein.Jean Louis Cabanis (1847), S. 211–212 Der Begriff ist ein Wortgebilde aus und .Pyriglena The Key to Scientific Names. Edited by James A. Jobling Der Artname leucoptera hat seinen Ursprung in und .leucoptera The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay keinen Balg zur Verfügung. In der Literatur betrachtete er im Synonym Thamnophilus leuconotus , 1901Arnaldo de Winkelried Bertoni (1901), S. 134–135 aus dem Departamento Alto Paraná sowie in Puerto Bertoni und IguazúArnaldo de Winkelried Bertoni (1914), S. 51. durch Arnaldo de Winkelried Bertoni als Nachweise für das Land.Alfred Laubmann (1940), S. 29 Leuconotus hat seinen Ursprung in und . Ein weiteres Synonym ist Lanius notodela , 1831.René Primevère Lesson (1831), S. 374.Zur Datierung der Lieferungen siehe Edward Clive Dickinson u. a. S. 119. Notodela leitet sich von und ab.notodela The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Anmerkungen
Kategorie:Ameisenvögel