Das Schloss Kröchlendorff ist ein ehemaliges Herrenhaus der Familie von Arnim im Ortsteil Kröchlendorff der Gemeinde Nordwestuckermark, Landkreis Uckermark in Brandenburg. Das Haus dient seit 1996 als vereingeführtes Tagungszentrum.Tagungszentrum: Schloss Kröchlendorff e.V., Stand 8. Juli 2026.

Baugeschichte Das Schloss Kröchlendorff wurde in den Jahren 1844 bis 1848 nach Plänen von Eduard Knoblauch errichtet und blieb bis 1945 als Gutssitz des Detlev von Arnim-Kröchlendorff. Von hier aus wurden ebenso die Nebengüter seiner Familie geleitet.Vgl. Paul Knoblauch: Schloss Kröchlendorff. In: Schlösser und Gärten der Mark. Hrsg. Sibylle Badstübner-Gröger-Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark, Deutsche Gesellschaft, Berlin 1996.

Als Bauherr wurde von der Grundsteinlegung her lange nur der Politiker Oskar von Arnim-Kröchlendorff gewürdigt, wobei der Baubeginn wohl noch auf seinen Vater Friedrich von Arnim-Kröchlendorff zeitlich ursächlich zurückzuführen ist.

Der Architekt Eduard Knoblauch entwarf einen zwei- bis dreieinhalbgeschossigen verputzten Bau, annähernd rechteckig auf durchfensterten hohem Sockel mit Satteldach sowie schräggestellten quadratischen Ecktürmen. Einzelne Formen, wie Fenster mit spitzem Abschluss oder ein Zinnenkranz, bewirken eine Nähe zum Tudorstil. Der gesamte Baukörper wird bis heute von einer verfeinerten Fassadenwirkung und breiten Gesimsbändern geprägt. Hervorzuheben ist gleichwohl der Stuckdekor der risalitartig hervortretenden überhöhten Portalachse, mittig mit Wappenschild und Jahreszahl 1848. Nach neueren Erkenntnissen zur Knoblauchforschung gelangte erst der zweite Entwurf des Architekten zur Umsetzung.Vgl. Azra Charbonnier: Carl Heinrich Eduard Knoblauch (1801–1865). Architekt des Bürgertums. Zugleich Diss. FU Berlin 2004; In: Kunstwissenschaftliche Studien. Band 144; Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2007, ISBN 3-422-06738-8, S. 279. Insgesamt bestanden drei Pläne, oder drei Varianten in Etappen. Zu einem barocken Vorgängerbau von vor 1753 liegen keine zugänglichen wissenschaftlichen Belege vor.

1860 wirkte Peter Joseph Lenné für Kröchlendorff.Detlef Karg, Hans-Joachim Dreger, Katharina Baumgart: Peter Joseph Lenné - Parks und Gärten im Land Brandenburg. Werkverzeichnis. In: Forschungen und Beiträge zur Denkmalpflege im Land Brandenburg. Band 7, Wernersche Verlagsanstalt, Worms 2005, ISBN 3-88462-217-X, S. 314.

Eine durchgehende Restauration des ehemaligen Herrensitzes fand bereits zwischen 1993 und 1996 statt. Zum jetzigen denkmalgeschützten Gesamtensemble gehören das einstige Herrenhaus, der Gutshof mit Inspektorenhaus und Wirtschaftsgebäuden und der Gutspark, dieser vom Ursprung sogar älteren Datums, aus den Zeiten 1801 und dann 1850. In Erinnerung an den Erbauer des vormaligen Herrenhauses wurde die Kröchlendorffer Hauptstraße „Oskar-von-Arnim-Straße“ genannt. mini|Schloss Kröchlendorff um 1864/65, Sammlung Alexander Duncker, Motiv: Theodor Hennicke[Litho] Kröchlendorff (Bezirk Potsdam), In: Die Sammlungen der Vereinten Familien- und Privat-Bibliothek Sr. Majestät des Kaisers. Band 3/1 (Abteilung), Adolf Holzhausen, Wien 1882, S. 593.

Gutsgeschichte Um 1430 geht Kröchlendorff an die Arnims, als Nebenwohnsitz der einflussreichen Boitzenburger Hauptlinie; das Dorf galt vormals in einigen Quellen nicht als Gutsort, sondern als fiskalische Domäne. Bezeugt ist die adelige Übernahme in einer Urkunde vom 12. Dezember 1430 zur Pfandverschreibung über einen Drittel des Ortes Kröchlendorff.Ernst Devrient: Das Geschlecht v. Arnim. 1914/1923. I. Teil: Urkundenbuch. Hrsg. Vorstand Familienverband v. Arnim, Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familien-Geschichte Leipzig, Oscar Brandstetter Leipzig, Herrmann A. L. Degener, Leipzig 1914, , S. 44 f., Urk. Nr. 70. Erster alleiniger Besitzer wurde Georg Dietloff von Arnim-Boitzenburg. Zur nächstjüngeren Entwicklung eines Gutsbetriebes, davon geht selbst die Familie aus,Jochen von Arnim-Mürow-Neuensund, u. a.: Das Geschlecht von Arnim. VI. Teil: Chronik der Familie im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert. In: Deutsches Familienarchiv, Band 137 bis 140, Degener & Co., Neustadt/Aisch 2002, , ISBN 3-7686-5178-9, S. 605 ff. liegen vor dem 18. Jahrhundert nur genealogische Überlieferungen vor, schon vor Hans Abraham I. von Arnim (1684–1731) stammbaumkundlich genannt Haus Kröchlendorff, seit 1711. Nachfolgend erfasst durchweg sind die Nachfahren der von Arnim zu Kröchlendorff ab dem Landrat Abraham Friedrich von Arnim (1714–1788). Teils erhielten einige Kröchlendorffer Arnims ein Nebengut, hier mit Bietikow dessen Sohn Carl Otto von Arnim, der ebenfalls zum Landrat gewählt wurde und Zeit seines Lebens unverheiratet blieb, oder Albrecht Heinrich von Arnim aus Kröchlendorff, der es bis zum Minister brachte, ohne überhaupt am Gut beteiligt gewesen zu sein.

Kröchlendorff unterhielt dagegen in direkter Erblinie Friedrich Wilhelm Ludwig von Arnim (1746–1825). Ihm folgten die beiden Bauherren, der Vater Abraham Friedrich Heinrich von Arnim (1777–1845), u. a. Domdechant zu Havelberg und Kammergerichtsrat, verehelicht mit der bürgerlichen Karoline Heim aus Berlin; folgend ihr Sohn Oskar von Arnim-Kröchlendorff (1813–1903), der Bismarcks Schwester Malwine im altmärkischen Schönhausen heirateteGothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). 1903. Vierter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 6. September 1902, S. 62 ff. und einen Familienfideikommiss in Kröchlendorff gründete. Die bekannteste Hochzeit auf Kröchlendorff war die der Sibylle Malwine von Arnim mit dem Grafen Wilhelm von Bismarck-Varzin. In der Kröchlendorffer Vorgeneration ehelichte Helene von Arnim (1815–1867) den späteren Generalleutnant Friedrich von Derenthall. mini|hochkant=0.5|Detlev von Arnim-Kröchlendorff

Da Hans von Arnim (1849–1899) und dessen Ehefrau Catharina geb. von Alvensleben aus dem Hause Hundisburg (1851–1892) als eigentliche Gutserben früh verstarbenR. v. Mosch: Deutsches Adelsblatt. Wochenschrift für die Aufgaben des christlichen Adels. Organ der Deutschen Adelsgenossenschaft. №. 24-Jahrgang XVII, Verlag der Berliner Buch- und Zeitungsdruckerei Union GmbH, Berlin, Sonntag, 11. Juni 1899, S. 414.Vgl. Ad. M. Hildebrandt (Hrsg.): Der Deutsche Herold. Zeitschrift. Nr. 2-Jahrgang XXXI, Mit: Familien-Nachrichten. Hrsg. Herold (Verein), Berlin, Februar 1900, S. 39. übernahm nominell gleich der Sohn Detlev von Arnim-Kröchlendorff, damals noch Kavallerie-Leutnant in Pasewalk, die Besitzung, nachweislich vor 1906.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Uradeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel. 1907. Achter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 8. November 1906, S. 27 f. Vor 1914 befanden sich in seiner Hand mehrere Begüterungen in der Uckermark.Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. . Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und größeren Bauernhöfe der Provinz. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. Handbuch der Königlichen Behörden. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 2 . Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 2 f., S. 164 f. Anfang der 1920er Jahre bestand sein Besitz aus über 4900 ha Land.Oskar Köhler, Kurt Schleising: Güter-Adreßbuch der Provinz Brandenburg. . Verzeichnis der Rittergüter, Güter und Höfe, hier über 30 ha, nach amtlichen Quellen. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 3 . Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1923, S. 5 f.

Vor 1930 ist die von Arnim’sche Gutsherrschaft Kröchlendorff mit 953 ha gesondert ausgewiesen. Die Nebenbesitzung Gut Mittenwalde mit 1080 ha war im Landkreis Templin befindlich. Dazu gehörten noch die Güter Bietikow mit 849 ha und Milow zu 617 ha, beide im Kreis Prenzlau gelegen.Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, GF Ludwig Hofgrefe: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg. . Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20 ha aufwärts mit Angabe der Gutseigenschaft, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen. Hrsg. Mit Unterstützung von Staats- und Kommunalbehörden, sowie des Brandenburgischen Landbundes zu Berlin sowie der Kreislandbünde. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 4. Auflage (Letzt-Ausgabe), Selbstverlag von Niekammer’s Adressbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 83–129. Das Fideikommiss für Gut Kröchlendorff wurde gesetzeskonform nach 1928/1936 in ein Allodgut umgewandelt.

In den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs wurden in märkischen Herrenhäusern diplomatische Vertretungen und wichtige Funktionseinheiten von Ministerien und Rüstungskonzernen einquartiert. In Kröchlendorff war ein Teil der japanischen Botschaft von Berlin nach hier evakuiert. Am 27. Mai 1945 enteignete die Sowjetunion den damaligen Besitzer, ehemaligen Reichstagsabgeordneten und evangelischen Kirchenführer Detlev von Arnim-Kröchlendorff. Er wurde im Oktober 1945 amtlich aus Kröchlendorff ausgewiesen. Im Schloss wohnten, wie vielerorts, nach Kriegsende Flüchtlinge und Vertriebene aus dem Osten. Detlev von Arnim starb früh 1947 in Berlin.Christoph Franke, Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1998. Band XXV, Band 117 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1998, , ISBN 3-7980-0817-5, S. 106.

Der Schlosspark wurde nach Kriegsende in Siedlungsparzellen aufgeteilt und für Brennholz zur Abholzung freigegeben, was später aber nicht umgesetzt wurde. Haus Kröchlendorff war dann kurz FDGB-Ferienheim, Sanatorium und 1960 Kindererholungsheim.

Nach 1990 kam die Enkeltochter Barbara von Oppen, geb. von Arnim-Kröchlendorff, mit ihrem Mann Matthias von Oppen in die HeimatUlrike Gentz: Barbara von Oppen, geb. von Arnim-Kröchlendorff: Auf Umwegen zurück zu den familiären Wurzeln. In: Adelige Rückkehrer im Land Brandenburg. Ihr heutiges Engagment und das Wirken ihrer Vorfahren 1806–2000. Hrsg. Berlin Brandenburgische Geschichtswerkstatt e.V., Metropol, Berlin 1. Januar 2001, ISBN 3-932482-74-3, S. 131–140. zurück und lebt seitdem im renovierten alten Inspektorenhaus.Gottfried Graf Finck von Finckenstein, Christoph Franke: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A/B (Uradel/Briefadel). 2015. Band XXXVI, Band 158 der Gesamtreihe GHdA (Letztausgabe), Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 2015, , S. 115–119.

Galerie

Literatur Alexander Duncker (Hrsg.): Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der Preußischen Monarchie nebst den königlichen Familien-, Haus-, Fideicommiss- und Schattull-Gütern, nebst begl. Text. Band 7, Selbstverlag, Berlin 1864/1865, Litho und Text-Blatt 392. Heinrich Jerchel, Paul Eichholz, Eberhard Küster, Richard Moderhack, Karl H. Marschalleck: Die Kunstdenkmäler des Kreises Templin. In: Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg. Band III 2, Hrsg. Brandenburgischer Provinzialverband, Deutscher Kunstverlag, Berlin 1937, S. 111–112. Paul Knoblauch: Schloss Kröchlendorff. In: Schlösser und Gärten der Mark. Heft 30, Hrsg. Sibylle Badstübner-Gröger-Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark, Deutsche Gesellschaft, Berlin 1996. Gerhard Vinken, u. v. a.: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Brandenburg. 1. Auflage, Hrsg. Georg-Dehio-Nachfolge/Dehio-Vereinigung e.V., Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2000, ISBN 3-422-03054-9, S. 545. Oliver Hermann, Martin Engel: Kröchlendorff. In: Peter Michael Hahn, Hellmut Lorenz: Herrenhäuser in Brandenburg und der Niederlausitz. Gesamt 2 Bände: Einführung und Katalog. Kommentierte Neuausgabe des Ansichtenwerks von Alexander Duncker (1857–1883), 856 S., 275 farbige, 825 SW-Abb.; Band 2, Nicolaische Verlagsbuchhandlung Beuermann, Berlin 2000, ISBN 3-87584-024-0, S. 320–323.