mini|Astronomische Uhr in St. Stephan (2023) Die Astronomische Uhr in St. Stephan ist eine astronomische Uhr in der evangelischen Kirche St. Stephan in Tangermünde (Sachsen-Anhalt). Sie wurde nach einer mehr als zehnjährigen Entwicklungs- und Bauzeit am 5. November 2023 eingeweiht. Die astronomische Konzeption und das Uhrwerk stammen von dem Tangermünder Ingenieur Volker Schulz, die gestalterische Ausführung entstand in Zusammenarbeit mit dem Metallbildhauer Thomas Leu.Volker Schulz: Die astronomische Uhr der Stephanskirche zu Tangermünde. In: Jahresschrift der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie. Band 63, Nürnberg 2024, S. 154–173.

Die Uhr gehört zum Typ der hanseatischen astronomischen Uhren, einer Gruppe monumentaler astronomischer Kirchenuhren, die seit dem Spätmittelalter im Gebiet der Hanse verbreitet waren. Im Unterschied zu den erhaltenen historischen Uhren handelt es sich in Tangermünde nicht um die Restaurierung eines mittelalterlichen Vorbildes, sondern um eine vollständige Neuschöpfung des 21. Jahrhunderts, die die astronomischen Grundprinzipien der historischen Hanseuhren in zeitgenössischer Form aufgreift.Manfred Schukowski: Wunderuhren. Astronomische Uhren in Kirchen der Hansezeit.

Die Uhr zeigt neben der Uhrzeit unter anderem den Tierkreis, die Monate, den Wochentag, die Mondphase, die Tageslichtdauer sowie den über Tangermünde sichtbaren Sternhimmel an.

Geschichte Die Anregung zum Bau entstand aus dem Wunsch, für die Hansestadt Tangermünde eine astronomische Uhr zu schaffen. Für die Kirche St. Stephan ist aus dem Mittelalter keine astronomische Uhr überliefert. Das Vorhaben verfolgte die Entwicklung einer neuen astronomischen Uhr für St. Stephan auf Grundlage der historischen Hanseuhren.Gemeindebrief der Evangelischen Kirchengemeinde St. Stephan Tangermünde, Mai/Juni 2023.

Neben der astronomischen Konzeption und dem Uhrwerk entwarf Schulz erste Gestaltungsvarianten, die er gemeinsam mit dem Metallbildhauer Thomas Leu zum endgültigen Erscheinungsbild weiterentwickelte.MDR Sachsen-Anhalt: Tangermünde ist um eine außergewöhnliche Attraktion reicher, 17. November 2023.

Während die Materialkosten und die künstlerische Ausführung finanziert wurden, erbrachte Volker Schulz die Entwicklung und den Bau des Uhrwerks unentgeltlich. Nach Abschluss der Montage wurde die astronomische Uhr am 5. November 2023 in der Kirche St. Stephan feierlich eingeweiht und von ihrem Erbauer als Dauerleihgabe an die Kirchengemeinde übergeben.

Uhrwerk und Antrieb Die astronomische Uhr wird von einem eigens für dieses Projekt entwickelten mechanischen Uhrwerk angetrieben.

Anders als historische astronomische Uhren besitzt die Tangermünder Uhr keine mechanische Hemmung mit Gewichtsantrieb. Stattdessen erfolgt der Antrieb durch einen geräuscharmen netzsynchronen Einphasenmotor. Von diesem werden sämtliche Bewegungen der Zeiger und Scheiben über ein System aus Zahnradstufen abgeleitet. Auf eine klassische Hemmung wurde bewusst verzichtet, um störende Tickgeräusche während Gottesdiensten, Andachten, Trauungen und Orgelkonzerten zu vermeiden.

Das Uhrwerk besteht aus 36 ineinandergreifenden Zahnrädern, deren Übersetzungsverhältnisse auf die jeweiligen astronomischen Zyklen abgestimmt wurden. Sämtliche Zahnräder wurden eigens für die Uhr konstruiert und gefertigt; sie unterscheiden sich sowohl in ihrer Zahnzahl als auch teilweise in ihrer Zahngeometrie von genormten Ausführungen.

Für Wellen und Zahnräder wurde überwiegend Stahl verwendet, die Lager bestehen aus Bronze, die Buchsen aus Messing. Die sichtbaren Elemente des Zifferblatts und des Rahmens wurden aus lasergeschnittenem Aluminium gefertigt. Die Konstruktion verbindet damit traditionelle mechanische Prinzipien mit modernen Fertigungs- und Werkstoffen.

Bedeutung Die astronomische Uhr in St. Stephan knüpft an die seit dem 14. Jahrhundert entstandene Tradition der hanseatischen astronomischen Uhren an. Anders als die erhaltenen historischen Anlagen verfolgt sie jedoch nicht das Ziel, einen überlieferten Zustand zu bewahren. Vielmehr überträgt sie deren astronomisches Konzept auf eine eigenständige Konstruktion des 21. Jahrhunderts.

Kennzeichnend ist dabei die Verbindung historischer Funktionsprinzipien mit zeitgenössischer Konstruktionstechnik. Die astronomischen Anzeigen werden – wie bei den historischen Hanseuhren – ausschließlich durch ein mechanisches Räderwerk mit den entsprechenden Übersetzungsverhältnissen erzeugt. An die Stelle des historischen Gewichtsantriebs mit Hemmung tritt jedoch ein elektrischer Motor, der lediglich die Energie für das Uhrwerk bereitstellt, ohne dessen mechanisches Funktionsprinzip zu verändern.

Die Tangermünder astronomische Uhr erweitert den Bestand der hanseatischen astronomischen Uhren um einen Neubau des 21. Jahrhunderts. Sie zeigt, dass sich die mittelalterliche Tradition astronomischer Kirchenuhren unter heutigen technischen und gestalterischen Bedingungen fortführen lässt, ohne ihre grundlegenden astronomischen und mechanischen Prinzipien aufzugeben.

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Einzelnachweise

Kategorie:Bauwerk in Tangermünde Kategorie:Astronomische Uhr