Charley’s Aunt ist eine US-amerikanische Filmkomödie aus dem Jahr 1941 unter Regie von Archie Mayo mit dem Komiker Jack Benny in der Titelrolle. Es handelt sich um die vierte amerikanische Verfilmung der Verwechslungskomödie Charleys Tante (1892) von Brandon Thomas, die bis auf einige Anpassungen an das Medium Film weitgehend nah an der Vorlage blieb. Die Verfilmung war seinerzeit einer der kommerziell erfolgreichsten Hollywood-Filme des Jahres und ist im englischsprachigen Raum die wohl bekannteste Verfilmung des Theaterstücks geblieben.

Handlung Oxford im Jahr 1890: Dem Langzeitstudenten Lord Fancourt Babberley („Babbs“) droht nach einer Reihe unglücklicher Missgeschicke der Universitätsverweis. Unterdessen erwartet sein Freund und Mitbewohner Charley Wykeham den Besuch seiner reichen Tante Donna Lucia d'Alvadorez aus Brasilien, die er bislang nie getroffen hat. Sie verschiebt jedoch kurzfristig ihre Ankunft. Charley und Jack Chesney, der dritte Mitbewohner, sind darüber enttäuscht: Sie dürfen ihre Angebeteten Amy und Kitty nur in Begleitung einer Anstandsdame empfangen. Der geldgierige Vormund der jungen Frauen, Stephen Spettigue, möchte sie am besten gar nicht verheiratet sehen, um weiter deren Vermögen verwalten zu können.

Als Babbs sich zum Spaß als Charleys Tante in Brasilien verkleidet, überreden seine beiden Mitbewohner ihn, sich als Donna Lucia zu verkleiden. So könnten sie Zeit mit den beiden Mädchen verbringen. Babbs ziert sich zuerst, aber er benötigt ihren guten Leumund, um beim Dekan seinen Verweis von der Universität zu verhindern. Daher sagt er der Täuschung zu. Währenddessen erfährt Jack, dass sein Vater Sir Francis Chesney hoch verschuldet ist. Der Vater schmiedet den Plan, durch eine Heirat mit der vermögend geltenden Donna Lucia die Familienfinanzen zu retten. Auch Amys und Kittys Vormund Spettigue interessiert sich plötzlich für die vermeintlich reiche Witwe.

Babbs muss seine Rolle als Donna Lucia immer weiter ausbauen und sowohl Sir Francis als auch Spettigue als Verehrer abweisen beziehungsweise hinhalten, je nachdem, was gerade sinnvoll erscheint. Gleichzeitig trifft die echte Donna Lucia – deutlich jünger und attraktiver, als von allen erwartet – inkognito unter dem falschen Namen „Mrs. Beverly Smythe“ in Oxford ein. Mit dieser falschen Identität möchte sie zunächst überprüfen, ob die Verehrerin ihres Neffen kein zweifelhafter Mitgiftjäger wie ihr Vormund Spettigue ist. Belustigt beobachtet sie das Verwechslungsspiel, ohne ihre Identität preiszugeben. Babbs entledigt sich zeitweise seiner Verkleidung, um „Mrs. Smythe“ zu begrüßen, denn sie ist zugleich die Klientin seines Onkels Hilary, in dessen Anwaltsfirma er nach Studienschluss einsteigen möchte. Jack und Charley gestehen Amy beziehungsweise Kitty ihre Liebe, welche diese erwidern. Sie benötigen jedoch die schriftliche Zustimmung Spettigues zur Heirat.

Beim gemeinsamen Abendessen wird Babbs durch die Fragen der echten Donna Lucia zu brasilianischen Begebenheiten zunehmend in die Enge getrieben. Schließlich verrät die chte Lucia ihm unter vier Augen, dass sie seine Verkleidung längst durchschaut hat. Babbs setzt sein Verkleidungsspiel als Donna Lucia jedoch vorläufig fort und es gelingt ihm, Spettigue zu einer Einwilligung zu bewegen. Kurz darauf fliegt Babbs’ Maskerade auf, als seine Perücke vom Kopf fällt. Spettigue erklärt daraufhin seine Einwilligung für ungültig, doch die echte Donna Lucia gibt sich nun zu erkennen und bestätigt, dass das Schreiben rechtsgültig an sie übergeben wurde. So steht den Hochzeiten der beiden Paare nichts mehr im Weg. Außerdem deutet sich an, dass Babbs in Zukunft nicht nur Donna Lucias Vermögen verwalten soll, sondern vielleicht auch bald Charleys Onkel wird.

Produktionshintergrund Die 20th Century Fox zahlte insgesamt 125.000 Dollar, um für fünf Jahre die Rechte an dem vielfach verfilmten Bühnenstück von Brandon Thomas zu halten. Der Film hält sich weitgehend nah an der Bühnenvorlage, weitet aber für die filmische Umsetzung insbesondere die Außenschauplätze aus – etwa das Cricketspiel zu Filmbeginn – und kürzt dafür andere Elemente.

Charley’s Aunt war Bennys erste Zusammenarbeit mit Fox und wurde mit einem siebenminütigen Kurzfilm Three of a Kind beworben, in dem er mit Tyrone Power und Randolph Scott auftritt. Im Kurzfilm beschwert er sich gegenüber den beiden anderen Fox-Stars, dass er keine maskuline Heldenrolle erhalten hat, sondern nur die von Charleys Tante. Neben Benny besteht die sonstige Besetzung sowohl aus britischen als auch amerikanischen Schauspielern. Für den Briten Richard Haydn war es das Filmdebüt. Kurios war die Besetzung des damals 27-jährigen Charakterdarstellers Laird Cregar (Sir Francis) als Vater des drei Jahre älteren James Ellison (Jack Chesney).

Das von Jack Benny im Film getragene Kleid war eine originalgetreue Nachbildung des Kleides, das Etienne Girardot 1893 in der ersten New Yorker Bühnenproduktion getragen hatte. Dieses wiederum war eine Kopie des Kostüms, das W. S. Pensley 1892 in der Londoner Erstaufführung getragen hatte. Nach Abschluss der Dreharbeiten gaben Benny und das Studio bekannt, dass sein Kleid einer englischen Kriegshilfsorganisation gespendet werden sollte. Die Filmbauten entwarfen Richard Day und Nathan Juran. Die Ausstattung übernahm Thomas Little, während Travis Banton die Kostüme verantwortete.

Der Film wurde auch im The Jack Benny Program, Bennys Radioshow, beworben. In der Folge vom 18. Mai 1941 besucht das Ensemble Jack am Filmset. Einer der Running Gags besteht darin, dass Bennys Vertrag ihn dazu verpflichtet, das Pferd von Studiochef Darryl F. Zanuck zu füttern.

Rezeption Charley’s Aunt war der achtgrößte Kassenerfolg an den US-amerikanischen Kinokassen des Jahres 1941. Insgesamt erzielte der Film einen Gewinn von 772.800 US-Dollar.Mank, Gregory William: Laird Cregar: A Hollywood Tragedy. McFarland 2018. Hauptdarsteller Jack Benny benannte die Komödie später als persönlichen Lieblingsfilmen aus seinem eigenen Schaffen. Der Film wurde mit zwei der monatlich vergebenen Photoplay Awards ausgezeichnet (Bester Film und Bester Hauptdarsteller für den Oktober 1941).

In einer zeitgenössischen Rezension zur Erstveröffentlichung schrieb ein Kritiker der The New York Times: „Als Bennys verschmitzte Miene hinter einem Spitzenfächer hervorlugte, hielt sich das Publikum vor Lachen die Seiten, und als in der Schlussszene seine Perücke verschwand und seine männliche Frisur unverhüllt zum Vorschein kam, brach ein Gelächter los, das wohl die Rokoko-Decke des Roxy erschüttert haben muss.“ Der Rezensent schreibt aber auch, dass er nur hin und wieder habe lachen müssen und der Stoff etwas altmodisch sei. Die meisten Schauspieler würden aber ihre Sache gut machen, nur Kay Francis wirke etwas farblos.

Laut TV Guide war „Jack Benny nie besser (mit der möglichen Ausnahme seines Klassikers Sein oder Nichtsein) und trägt den Film mit einer erstklassigen schauspielerischen Leistung. Dies war seine erste wirklich bedeutende Rolle, abgesehen von den zuvor eigens auf seine Radiopersönlichkeit zugeschnittenen Auftritten, bei denen die Witze im Stil seiner Radiosendung Schlag auf Schlag auf seine bekannte Bühnenfigur abgestimmt waren.“

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Einzelnachweise

Kategorie:Filmkomödie Kategorie:Filmtitel 1941 Kategorie:US-amerikanischer Film