mini|Lienhart Schärdinger von Mechlspurg (eigentlich Leonhard Eickl), Baumeister bei St. Stephan 1534 mit Steinmetzzeichen Leonhard Eickl (auch Lienhart Eykl, Eigkhl oder Eikl; * vor 1522 in Schärding in Oberösterreich; † in WienMatriken Wien St. Stephan, Sterbebuch 1553–1574, S. 199 (als Datum ist der zweite Freitag (feria sexta) des Monats Mai 1562 angegeben, das war der 8. Mai 1562 (julianischer Kalender))) war ein österreichischer Steinmetzmeister, Wiener Stadtsteinmetz und Dombaumeister zu St. Stephan.
Er prägte die Wiener Baugeschichte in der Übergangsphase von der Spätgotik zur Renaissance nach der Ersten Wiener Türkenbelagerung.
Leben Eyckl stammte ursprünglich aus Schärding in Oberösterreich. Im Jahr 1522 ist er in Wien dokumentiert, er wohnte in der Vorstadt Laimgrube im Haus der Familie Osterhuber. Er heiratete Elsbeth Osterhuber, die Tochter des Hauses, und am 7. April 1534 erbte sie einen Weingarten in Neustift am Neuberg. 1536 erwarb das Ehepaar von dem Lederer Leonhard Gerl ein Wohnhaus in der Wiener Singerstraße (im Bereich des St. Niklas-Zuhauses).ehem. Nikolaikloster heute Singerstraße 13, also in unmittelbarer Nähe zum Stephansdom.
Türkenbelagerung von 1529
Dombaumeister 1534, Stadtsteinmetzmeister 1536 Nach dem Tod des Dombaumeisters Michel Fröschl (1528) und den Wirren der Türkenbelagerung von 1529 übernahm Eickl im Jahr 1534 offiziell die Leitung der Dombauhütte von St. Stephan. Durch den heftigen Beschuss war unter anderem der Turm bei St. Stephan zerstört worden, in den folgenden Jahren waren große Ausbesserungen notwendig.Regesten zu St. Stephan in Wien 1529. S. 91.
Der neue Bischof von Wien Johann Fabri, von Leutkirch im Allgäu, fand das kleine Bistum hoch verschuldet vor, durch den Türkenkrieg waren viele Gebäude zerstört und viele Kirchen ausgebrannt, und sollten wieder aufgebaut werden. Die Pfarre St. Stephan unterstand dem Bischof, nicht aber die Kirche selbst, die dem Patronat der Stadt Wien übergeben war.Johann Fabri. In: Franz Loidl und Martin Krexner, Wiens Bischöfe und Erzbischöfe. Wien 1983, S. 32 f.
1535 wird dem maister Leonharden, paumeister bei sand Steffan, für hofclaidung bezalt. Er bekam keinen Lohn für seine Tätigkeit bei St. Stephan ausbezahlt, sondern erhielt vom Kirchenfonds eine Hofkleidung im Wert von fünf Pfund. Eintragung vom 29. Jänner 1543 in den Matriken von St. Stephan
„Valentin Schadek heiratete Magdalena, eine ledige Frau, die beim Meister Lienhart, dem Baumeister zu St. Stephan, im Dienst stand.“Es ist möglich, dass Valentin auch in der Dombauhütte arbeitete.
Sein Wirken Heuner-Bastei Die Stadt Wien kaufte 1539 einen großen Stein für Wappensteine der Stadt und von Österreich, als Hoheitszeichen gut sichtbar an der Heuner-Bastei anzubringen. Die Stadt zahlte ihm dafür 2 fl 4 s. Weiters für Arbeiten an der Bastei selbst, zur Fundamentierung der Pfeiler.
Heimliches Gemach Meister Leonhard erhielt 4 s eigens für die „Ausräumung des heimlichen Gemachs im Stephansturm“.Der Südturm des Stephansdoms war ständig von der Wiener Feuerwache besetzt, hoch oben gab es eine eigene Latrine. Diese musste von der Dombauhütte händisch geleert, gereinigt und gewartet werden. Diese Aufgabe fiel in den Bereich des zuständigen Baumeisters.
Das neue Bürgerspital auf dem Schweinemarkt in Wien mini|hochkant=1.4|Bürgerspital seit 1530, Bild 1865 Das alte, vor den Stadtmauern liegende Bürgerspital war zerstört worden. Das neue Bürgerspital auf dem Schweinemarkt lag nun sicher innerhalb der Stadt Wien, es war das vormalige Kloster St. Clara, die Nonnen waren geflüchtet, es stand leer. Erzherzog Ferdinand hatte es 1530 der Stadt Wien geschenkt.
Das Projekt, ein ehemaliges Kloster in das neue Bürgerspital umzubauen, leitete Stadtsteinmetzmeister Lienhart Eyckl mit seiner Werkstatt von 1540 bis 1557. Einige Details (Auszug): Im Juli 1540 erfolgten Bau und Einwölbung des Kuhstalles, 1541 Ausbesserungen am Gang beim Bad und 2 Türsteine auf dem Gang zum Siechmeisterzimmer. 1542 Bau eines Häuschens im Chorhof, 1543 die Türen des Gangs in den Zimmern des Wolfgang Treu. 1544 Einbau von Kreuzfenstern und schwäbischen Fenstern für den Zehentner, 1546 Steinkranz um das Bad, Seitenmauern aufrichten, 1547 für Umbauarbeiten 42 fl, 1549 ein neuer Brunnen, 1550 in der neuen Apotheke, 1553 Türen in der Treu-Kapelle.
Mit dem Hofbaumeister Benedict Kölbl Schätzung 1547 Am 7. Februar 1547 nahmen beide im Auftrage der Stadt Wien eine Schätzung vor. Wiederaufbau des Schallautzer-Hauses 1548 Ein Brand hatte das Haus des ehem. Wiener Bürgermeisters und Superintendenten der landesfürstlichen Gebäude Hermes Schallautzer verwüstet. Das Haus am Petersfreithof (Ecke Graben) wurde von Meister Lienhart Eyckl 1548 mit vier Gesellen wieder hergestellt. Auch Benedict Kölbl mit 3 Gehilfen unter den Steinmetzen und Maurern wirkte mit. Jeder erhielt von der Stadt 10 kr. Beschau und Vermessung der neuen Bastei beim Kärntnertor 1548 Die Baumeister Eickl und Kölbl, die daran teilnahmen, stimmten den Lohnforderungen der Baumeister Karankho und Kanatzi zu.
Bastei hinter dem Augustinerkloster Der Schaden an den drei Hauptpfeilern im großen Gewölbe zwischen den beiden Kasematten (später Augustinerbastei) wurde 1551 begutachtet. Die Meister Francesco de Pozzo, Benedikt Kölbl, Bonifaz Wolmuet, Leonhard Eykl, Hans Tscherte sowie Hofmaurermeister Hans Karanckho (Giovanni Quarengo) nahmen daran teil. Hermes Schallautzer berichtete von den Ergebnissen: (Auszug)
„Pozzo wollte die Pfeiler mit Quadersteinen aus dem Dornbacher Steinbruch verstärken, Leonhard Eykl schlug vor, die Pfeiler zuerst mit Eisen zu umfangen und dann zu verstärken. Hans Karanckho stimmte dem zu.“Heike Krause, Historisch-archäologische Untersuchungen zur Stadtbefestigung von Wien. Dissertation Universität Kiel 2020. S. 158, Steinkauf 1539; S. 170, Schadensbegutachtung 1551.
Beschau des Stephansdomes 1554 1554 nahm Meister Lienhart an einer baulichen Beschau des Stephansdomes teil, die für eine offizielle Gesandtschaft aus Frankfurt abgehalten wurde. Anschließend gab es ein festliches Mahl für die reichsstädtischen Gäste.
Amtsübergabe Im Juni 1556 übernahm Hans Saphoy das Dombaumeisteramt von Leonhard Eikl und erhielt damals ein Zimmer in der Steinhütte als Wohnung zins- und steuerfrei zugewiesen.
Ehrung der Stadt Kurz vor seinem Tod im Jahr 1562 übergab der im Ruhestand befindliche Altmeister der Stadt Wien sein zeichnerisches Lebenswerk. Für diese Schenkung zahlreicher historischer Baupläne und Aufrisse („vil gerissne kunstwerk verehrt und überantwordt“) erhielt er von der Stadt ein stattliches Entgelt von 20 Talern.
Testament Im Testament 1562 setzte Leonhard Eickl seine Kinder als Erben ein.Ernst von Birk, Materialien zur Topographie der Stadt Wien von 1563–1587. In: Berichte und Mitteilungen des Altertums-Vereines zu Wien. X. Band, 1896. S. 152: Die ander seit der Sinningerstrassi / 1563. (PDF 46,1 MB)
Tod Eyckl starb am 8. Mai 1562 schlicht als „Steinmetz“ und wurde auf dem „Stephansfreithof“ (dem damaligen, um den Stephansdom gelegenen Friedhof) beigesetzt.
Am 28. April 1564 übernahmen seine Kinder Hans, Martha und Barbara, das Haus im St. Niklas Zuhaus in der Singerstraße verkauften es an Weikhart Nagl, Schulhalter und Wiener Bürger, und Frau Margret.
Meistertafeln der Zunft der Wiener Maurer und Steinmetzen 1627 mini|hochkant=1.3|Geöffnetes Tabernakel Lienhart Schärdinger von Mechlspurg war paumaister pey S(annd) steffan Anno 1534 (mit Steinmetzzeichen). Vorname und Jahreszahl weisen auf Leonhard Eickl, „Schärdinger“ mögliche Herkunftsbezeichnung, „Mechlspurg“ vermutlich erfunden.
Literatur Leonhard Eickl, Steinmetz, Dombaumeister. In: Richard Perger, Wiener Künstler des Mittelalters und der beginnenden Neuzeit. Regesten. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. 2005. ISBN 3-7001-3597-1. S. 28–31, 94–95, 137. Regesten zu St. Stephan in Wien 1500-1599 auf univie.ac.at Baumeister – Baukünstler St. Stephan in Wien auf univie.ac.at Barbara Schedl, St. Stephan in Wien. Der Bau der gotischen Kirche (1200-1500). Institut für Kunstgeschichte, Universität Wien, 2018 (online auf dokumen.pub)
Einzelnachweise
Kategorie:Dombaumeister im Stephansdom Kategorie:Architekt (Österreich) Kategorie:Architekt der Renaissance Kategorie:Steinmetz (Österreich) Kategorie:Wiener Steinmetzbruderschaft Kategorie:Person (Habsburgermonarchie vor 1804) Kategorie:Geboren im 15. oder 16. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1562 Kategorie:Mann