mini|Logo Pro Gäubahn (2026) mit KI-generierter Stadtansicht von Rottweil mit dem TK-Elevator-Testturm und dem Turm der Kapellenkirche sowie Gäubahn-typischem Intercity 2 Zürich–Stuttgart im Vordergrund Das Pro Gäubahn Landesbündnis ist ein Interessensverband in Baden-Württemberg, der das Ziel hat, die im Zuge des Projekts Stuttgart 21 vorgesehene Kappung des Abschnitts Stuttgart–Horb der Gäubahn im Bahnhof Stuttgart-Vaihingen zu verhindern und die Bahnstrecke Plochingen–Immendingen zwischen den Bahnhöfen Horb und Tuttlingen wieder zweigleisig auszubauen.
Geschichte mini|Planungen zur Führung der Gäubahn mini|Gründungskonferenz des Pro Gäubahn Landesbündnisses am 9. März 2024 in Rottweil Planungsgeschichte Der Regional- und Fernverkehr auf der Gäubahn sollte in der ursprünglichen verfolgten Planung von Stuttgart 21 über die Rohrer Kurve und die Filderstrecke der S-Bahn Stuttgart zum Bahnhof Stuttgart Flughafen/Messe (mit zusätzlichem dritten Gleis hierfür) und weiter über den Fildertunnel zum Hauptbahnhof geführt werden. Für die Bauphase war eine Unterbrechung der Gäubahn für wenige Monate vorgesehen. Diese im Planfeststellungsabschnitt 1.3b von Stuttgart 21 vorgesehene Planung hat die Deutsche Bahn als Vorhabenträgerin 2024 endgültig zurückgezogen und stattdessen den Pfaffensteigtunnel als Alternative favorisiert. Damit ergab sich spätestens 2024 eine Situation, dass Stuttgart 21 zum Fahrplanwechsel im Dezember 2025 in Betrieb gehen sollte und der Gäubahn-Regional- und Fernverkehr aber in Stuttgart-Vaihingen, 16 km vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof, beginnen und enden sollte. Eine Wiederanbindung der Gäubahn über den Pfaffensteigtunnel war zu dieser Zeit im Dezember 2032 vorgesehen. Viele Kritiker des Pfaffensteigtunnels vermuteten zudem eine deutlich längere Bauzeit und damit auch eine deutlich längere Abbindung der Gäubahn vom Stuttgarter Hauptbahnhof. Damit stand eine von den Kritikern als „langjährige Abhängung“ der Gäubahn genannte Situation im Raum.
Formierung des Pro Gäubahn Landesbündnisses Bereits ab 2023 wurde in den Medien wiederholt über ein wahrscheinliches Szenario einer mehrjährigen Gäubahn-Kappung im Zuge der S21-Inbetriebnahme berichtet. Dagegen formierte sich zuerst in Rottweil eine Gruppe, die sich „Pro Gäubahn - Wir wollen zum Hauptbahnhof“ nannte und eine Online-Petition gegen die Gäubahn-Kappung lancierte. Es folgte die Gründung der Interessensgemeinschaft Gäubahn in Freudenstadt und des Gäubahnkomitees in Stuttgart. Zudem fungierte die VCD-Kreisgruppe in Konstanz unter Führung von Hendrik Auhagen zunehmend als lokale Pro Gäubahn-Gruppe. Der VCD Baden-Württemberg unterstützte diese Gruppen organisatorisch und spielte eine bedeutende Rolle bei der Gründung des Pro Gäubahn Landesbündnisses am 9. März 2024 in Rottweil. Bei der Gründung des Landesbündnisses wurde die Rottweiler Erklärung als Gründungsdokument verabschiedet, die sich dagegen wendet, dass 1,4 Millionen Menschen im Einzugsgebiet der Gäubahn ihren direkten Bahnanschluss an den Bahnknoten Stuttgart verlieren sollen. Bei der Gründungskonferenz sprach Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe, der den Beitritt seiner Organisation in das Pro Gäubahn Landesbündnis bekanntgab. Außerdem sprach der verkehrspolitische Sprecher der grünen Bundestagfraktion Matthias Gastel und trat dem Bündnis ebenfalls bei.
Nach der Gründung des Landesbündnisses gründeten sich weitere Pro Gäubahn-Gruppen in Tuttlingen, Singen und Konstanz. Es traten der Bund für Umwelt und Naturschutz Baden-Württemberg, die Naturfreunde Württemberg, die Schutzgemeinschaft Filder, die Mobilitätswendeallianz Baden-Württemberg, vier Kreisverbände von Bündnis 90/Die Grünen, drei Kreisverbände der SPD sowie ein Kreisverband der Linken dem Landesbündnis bei.
Struktur Die einzelnen lokalen Initiativen sowie die beigetretenen Umwelt- und Verkehrsverbände entsenden je einen Vertreter in den Landeskoordinierungskreis (KoKreis), der regelmäßig in Präsenz und per Videokonferenz tagt und gemeinsame Aktionen plant und Pressemitteilungen herausgibt. Es besteht außerdem eine Pro Gäubahn Jugendgruppe, die ebenfalls im KoKreis vertreten ist.
Aktionen mini|alternativtext=Hendrik Auhagen Pro Gäubahn Demo Stuttgart|Hendrik Auhagen als Redner bei der Pro-Gäubahn-Kundgebung am 23. Januar 2025 in Stuttgart Das Landesbündnis führt regelmäßige landesweite Aktionstage durch, um gegen die vorgesehene Gäubahn-Kappung zu demonstrieren. Unterstützt wird das Landesbündnis dabei vom VCD Landesverband, der Deutschen Umwelthilfe und oft auch von der örtlichen Politik. Zwei Aktionstage fanden mit Jürgen Resch an den Bahnhöfen zwischen Konstanz und Horb statt. Die örtlichen Pro Gäubahn Gruppen organisierten dafür an den Bahnhöfen zwischen Konstanz und Horb jeweils Infostände und Demonstrationen. Zum landesweiten Aktionstags am 11. Oktober 2024 rief auch die Rektorin der Universität Konstanz Katharina Holzinger zur Teilnahme auf. Unterstützung kam ebenfalls von der Stadtverwaltung Konstanz und von Oberbürgermeister Ulrich Burchardt (CDU).
Das Pro Gäubahn Landesbündnis veranstaltete 2024 ebenfalls zusammen mit der Stadtverwaltung Singen und Oberbürgermeister Bernd Häusler (CDU) eine Podiumsdiskussion mit den verkehrspolitischen Sprechern der Bundestagsfraktionen von SPD, CDU/CSU und Grünen, bei der neben Jürgen Resch auch der ehemalige SBB-Chef Benedikt Weibel sich mit dem Pro Gäubahn-Landesbündnis solidarisierte.
Um zu demonstrieren, wie unpraktikabel und umständlich das Umsteigen von vielen Fahrgästen im Bahnhof Stuttgart-Vaihingen wäre, veranstaltete das Pro Gäubahn Landesbündnis 2025 einen „Umsteigetest“. Dafür fuhren 50 Aktivisten, teilweise mit viel Gepäck und Fahrrädern, im morgendlichen Berufsverkehr mit einem Gäubahn-Intercity bis Vaihingen, um dann dort in eine bereits sehr volle S-Bahn Richtung Hauptbahnhof umzusteigen. Die Aktion wurde von Journalisten begleitet und führte zu entsprechender Berichterstattung im Sinne des Landesbündnisses.https://www.schwarzwaelder-bote.de/lokales/horb/experiment-auf-der-gaeubahn-bittere-pille-umstieg-in-vaihingen-kostet-bis-zu-30-minuten-79046998.html Bittere Pille – Umstieg in Vaihingen kostet bis zu 30 Minuten
Zur Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026 veranstaltete Pro Gäubahn zusammen mit BUND und VCD eine Podiumsdiskussion mit den Landtagskandidaten in Konstanz. Um gegen die aus Sicht von Pro Gäubahn kappungsfreundliche Position der Landeshauptstadt Stuttgart und insbesondere von Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) zu mobilisieren, demonstrierte das Landesbündnis 2025 vor und im Rathaus Stuttgart, als der Stuttgarter Gemeinderat einen Antrag der Fraktion SÖS/Linke zum Thema Gäubahn-Kappung behandelte.https://bw.vcd.org/service/landesverband-bw/kundgebung-fuer-den-erhalt-der-gaeubahn-in-stuttgart-2025-01-23 Im September 2026 veranstaltete Pro Gäubahn erstmals eine Tour de Gäubahn, bei der Aktivisten vier Tage mit dem Fahrrad von Konstanz über Singen nach Stuttgart fuhren und an verschiedenen Bahnhöfen Gespräche mit interessierten Bürgern und Politikern führten. Mehrere Oberbürgermeister und Landtagsabgeordnete beteiligten sich an der Aktion.
Es finden in unregelmäßigem Abständen Basiskonferenzen sowohl online als auch in Präsenz statt. Die lokalen Gruppen sind außerdem regelmäßig mit Infoständen und Flyerverteilaktionen in Innenstädten und an Bahnhöfen vertreten. Bei den Naturschutztagen in Radolfzell, der größten Fachveranstaltung für Umwelt- und Naturschutz im deutschsprachigen Raum, war das Pro Gäubahn Landesbündnis 2026 erstmals mit einem eigenen Stand präsent.https://pro-gaeubahn.de/detailansicht?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Bnews%5D=51&cHash=48d132650e3b6bc595e02b9acad4f886 Pro Gäubahn bei den Naturschutztagen in Radolfzell Führende Vertreter des Pro Gäubahn Landesbündnisses wie Hendrik Auhagen (Konstanz) und Hans-Jörg Jäkel (Stuttgart) sprechen ebenfalls regelmäßig bei den vom Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 organisierten Montagsdemonstrationen in Stuttgart.
Positionen mini|Gäubahn-IC nach Konstanz im Stuttgarter Kopfbahnhof Das Pro Gäubahn Landesbündnis möchte die Abbindung der Gäubahn vom Stuttgarter Hauptbahnhof durch einen dauerhaften Kombibahnhof-Betrieb in Stuttgart verhindern. Dabei soll der als Provisorium im Rahmen der Stuttgart-21-Inbetriebnahme geplante Vorlaufbetrieb aus gleichzeitigem Betrieb im Kopfbahnhof und im S21-Tiefbahnhof nach Vorstellungen des Landesbündnisses verstetigt werden. Der Gäubahn-Fern- und Regionalverkehr soll dabei dauerhaft und ohne Unterbrechung in den Kopfbahnhof geführt werden. Den Pfaffensteigtunnel als derzeit geplante alternative Anbindung der Gäubahn an Flughafen- und Hauptbahnhof lehnt das Bündnis mit Verweis auf die dadurch geplante Kappung, die hohen Kosten und den erheblichen CO2-Ausstoß ab.
Das Bündnis argumentiert, dass die Investitionen für den Pfaffensteigtunnel besser in die möglichst vollständige Wiederherstellung der Zweigleisigkeit zwischen Horb und Tuttlingen investiert werden sollen, wodurch die Attraktivität der Strecke nicht nur für den Personen-, sondern auch für den Schienengüterverkehr erhöht werden könne. Die Gäubahn soll dadurch perspektivisch wieder zu einer internationalen Magistrale mit Direktverbindungen bis Italien werden.
Anders als andere S21-kritische Organisationen begrüßt Pro Gäubahn regelmäßig die geplanten Verzögerungen bei Stuttgart 21, da bisher jede Verschiebung der S21-Inbetriebnahme auch eine Verschiebung der geplanten Gäubahn-Kappung brachte.https://pro-gaeubahn.de/detailansicht?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Bnews%5D=64&cHash=5da74a347ce8973989972a806aafd708 Pro Gäubahn-Landesbündnis begrüßt Verschiebung von Stuttgart 21
Verhältnis zu den Grünen mini|Landesdelegiertenkonferenz der Grünen am 8. Dezember 2024 in Reutlingen: Gespräche von Pro Gäubahn Grünen mit Verkehrsminister Hermann, den grünen Verkehrspolitikern der Landtagsfraktion sowie mit MdB Matthias Gastel Das Verhältnis zwischen Pro Gäubahn und Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg ist ambivalent. Viele, auch führende Köpfe des Pro Gäubahn Landesbündnisses, sind bei den Grünen Mitglied. Es haben zudem die grünen Kreisverbände Konstanz, Tuttlingen, Rottweil und Schwarzwald-Baar ihren Beitritt zu Pro Gäubahn erklärt. Gleichzeitig gibt es aber ein starkes Spannungsverhältnis zwischen den seit 2011 die Landesregierung von Baden-Württemberg anführenden Landes-Grünen und dem Pro Gäubahn-Bündnis. Das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg, das zwischen 2011 und 2026 vom Grünen Winfried Hermann geleitet wurde, folgte der Argumentation des Pro Gäubahn Landesbündnisses nicht. Hermann plante vielmehr für den Fall der Gäubahn-Kappung Kompensationsmßnahmen wie z. B. eine Verlängerung der S-Bahn Stuttgart bis Horb und stellte die Gäubahn-Kappung nicht grundsätzlich infrage.https://www.lok-report.de/news/deutschland/aus-den-laendern/48980-baden-wuerttemberg-kompensationspaket-als-ausgleich-fuer-die-kappung-der-gaeubahn.html Baden-Württemberg: Kompensationspaket als Ausgleich für die Kappung der Gäubahn