Die Savoia-Pomilio S.P.-Typen kamen im Ersten Weltkrieg ab 1916 beim Corpo Aeronautico Militare als Standardaufklärer, -bomber und als Schulflugzeuge zum Einsatz. Sie gehörten zu den ersten von Italien in Großserie gebauten Kampfflugzeugen.

Entwicklung Savoia-Pomilio SP.2 N°1837 im Jahr 1916|mini mini|Farman Shorthorn MF.11 mini|Bei Levico im Trentino von k.u.k.-Truppen am 17. Juni 1917 zum Absturz gebrachte S.P.2 mini|Der für den Bau der Savoia-Pomilio Typen verantwortliche Luftfahrtpionier, Technische Leiter der Militärluftfahrtbehörde und spätere General Umberto Savoia (1872–1954)

Die 1916 vom Technischen Leiter italienischen Militärluftfahrt, der Direzione Tecnica dell’Aviazione Militare, Major Umberto Savoia und dem Ingenieur Leutnant Ottorino Pomilio in Turin gegründete Fabbrica Aeroplani Ing. O. Pomilio teilte sich mit der Società Italiana Aviazione Italiana (SIA), einem Tochterunternehmen von Fiat, die Lizenz zum Nachbau der französischen Farman M.F.11. Dabei handelte es sich um einem Doppeldecker mit Gitterrumpf und mit einer Rumpfgondel, in deren Bug die zweiköpfige Besatzung und im Heck als Antrieb ein 70-PS-Renault-Motor mit Druckpropeller untergebracht waren und das unkompliziert in Serienfertigung nachgebaut werden konnte. Das nachgebaute Flugzeug wurde mit einem 100-PS-Fiat-A.10-Reihenmotor versehen.vgl. J. Davilla: Italian Aviation in the First World War. Vol. 3: Aircraft M–W /Centennial Perspective/

Savoia-Pomilio S.P.1 Die Savoia-Pomilio S.P.1 wurde von Savoia und Pomilio als verbesserte und verstärkte Version der Farman entworfen. Sie wurde von einem 250-PS-Fiat-A12-Motor angetrieben. Ihr typisches Leitwerk mit drei Seitenrudern war durch einen Gitterrumpf mit den vorderen Tragflächen verbunden; diese von der MF.11 übernommene Grundkonstruktion wurde bei all ihren Varianten übernommen.SP.1, auf airwar.ru

Savoia-Pomilio S.P.2 (SIA Typ 5) Die S.P.2 war die Serienversion der S.P.1. Ihr Erstflug fand am 10. Juli 1916 statt. Etwa 300 S.P.2 wurden von Pomilio gebaut; ca. 100 weitere lieferte die Società Italiana di Aviazione (S.I.A), eine Tochtergesellschaft der Automobilfirma Fiat. Die S.P.2 wurde von 12 Staffeln des Corpo Aeronautico als Aufklärer, zur Artilleriebeobachtung und als leichter Bomber eingesetzt. Die Bewaffnung bestand aus einem beweglichen Maschinengewehr.

Von diesem Typ wurden etwa 300 Stück durch Pomilio ausgeliefert, dazu kamen ca. 100 weitere, die von SIA als SIA Typ 5B gebaut wurden. Anfang 1917 setzten zwölf Squadriglie des Corpo Aeronautico sie an der Front zur Aufklärung, Artilleriebeobachtung und als Bomber ein.SP.2, auf airwar.ru Am 17. April 1917 erzielte eine SP.2 mit einer Höhe von 6453 m einen neuen Weltrekord.Enzo Angelucci, Paolo Matricardi: Flugzeuge von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg, Wiesbaden 1976, ISBN 3-8068-0391-9, S. 233

Savoia-Pomilio S.P.2bis Etwa ein Dutzend S.P.2 wurden als S.P.2bis zur Erprobung vorübergehend mit der 25 mm Revelli-FIAT-Bordkanone ausgerüstet.

Savoia-Pomilio S.P.3 Aufnahmen einer von k.u.k.-Truppen 1917 bei Maria Gail in Kärnten zum Absturz gebrachten Savoia-Pomilio S.P.2:

Da die langsamen und nur unzureichend bewaffneten S.P.1 und S.P.2 den Frontanforderungen nicht mehr gewachsen waren, wurde eine Anzahl von Verbesserungen vorgenommen. Mit verkleinerter Spannweite, verbesserter Gondel und geringerem Gewicht erfolgte 1917 die Erprobung der S.P.3. Dabei wurde auch der 300 PS Fiat A.12bis Motor als Antrieb eingebaut. Am Bau der Flugzeuge war zumindest teilweise auch die Firma S.I.T. beteiligt. Ab Frühjahr 1917 gingen etwa 300 S.P.3-Flugzeuge in den Einsatz.SP.3, auf airwar.ru

Savoia-Pomilio S.P.4 Die S.P.4 war das letzte Flugzeug der Savoia-Pomilio-Typen, das noch vor Kriegsende zum Einsatz gelangte. Das zunächst als Nachtjäger und dann für Langstreckeneinsätze über den Alpen vorgesehene Flugzeug übernahm zahlreiche Elemente seines Vorgängers, wurde mit Maschinengewehren auf beiden Seiten der Gondel bewaffnet und wurde von zwei 190-PS-Isotta-Fraschini-V4B-Motoren angetrieben, die sie auch nach Ausfall eines Motors notfalls noch flugfähig halten sollten.

Mit der Produktion wurde von der 1915 in Orbassano gegründete Flugzeughersteller A.E.R. beauftragt, welcher sich als bereits 1915 als erste der Turiner Flugzeugfabriken für die Lizenz- und Lohnfertigung etabliert hatteHeinz Nowarra: Die Entwicklung der Flugzeuge 1914–1918, Düsseldorf 1959, S. 113 und sich zuvor mit dem geplanten aber später abgesagten Bau einer zweimotorigen Variante der S.P.3 befasst hatte.

Die hohe Auslastung der Produktion und der Lagerkapazitäten, die auf 53.000 Lire gestiegenen Herstellungskosten, der Mangel an Arbeitern und Material sowie ein notwendiger Austausch der Kühler führte zu Verzögerungen, dann aber lieferte das Werk 1917 123 S.P.4 und weitere 23 im Jahr 1918 aus, bis die Produktion u. a. aus Kostengründen vorzeitig eingestellt wurde.

Ursprünglich sollten neun Squadriglie mit S.P.4 ausgerüstet werden, tatsächlich aber kamen die Flugzeuge nur in kleiner Zahl zum Einsatz, zumal ihre große Spannweite ein Abstellen in den feldmäßigen Flugzeugzelten nicht mehr zuließ und das Unterbringen in festen Hangars erforderte.

Die Flugzeuge erwiesen sich als nur bedingt einsatzfähig, wurden allerdings erfolgreich für Sondereinsätze wie das Absetzen von Agenten und Saboteuren per Fallschirmabsprung über Feindgebiet jenseits der Front eingesetzt. Für diese Passagiere wurde hinter dem Piloten für ein nach hinten offener Klappsitz mit Blickrichtung Heck angebracht, auf dem der Fallschirmspringer mit baumelnden Beinen saß, welcher ein mit einem 4 cm dicken und 4 m langen elastischen Seil Fallschirm unter dem Rumpf der S.P.4 angehängt verbunden war. Bei Erreichen des Absprunggebiets veranlasste der Beobachter durch eine Abkippmechanik den Absprung des Passagiers.

Savoia-Pomilio S.P.5 Die A.E.R. bemühte sich 1018 noch um die Produktion eines Nachfolgers S.P.5. Es wurde ein Prototyp gebaut, aber es kam aufgrund des Kriegsendes keine Bestellung mehr zustande.

Technische Daten Kenngröße S.P.1 S.P.2 S.P.3 S.P.4SP.4, auf airwar.ru Besatzung 2 Länge 10,70 m 10,77 m 10,95 m 10,70 m Spannweite 16,80 m 16,74 m 14,70 m 19,80 m Höhe 3,55 m Flügelfläche 67,0 m² 68,0 m² 60,0 m² 78,0 m² Leermasse 1048 kg 1698 kgHeinz Nowarra: Die Entwicklung der Flugzeuge 1914-1918, Düsseldorf 1959, S. 120 f. Startmasse 1850 kg 1700 kg 1498 kg 2300 kg Motor 1 × Fiat A.12, 2 × Isotta-Fraschini V.4B, je Höchstgeschwindigkeit 135 km/h 120 km/h 147 km/h 150 km/h Marschgeschwindigkeit 110 km/h 105 km/h 120 km/h 135 km/h Steigzeit auf 2000 m 18:00 min 13:00 min 8:30 min Dienstgipfelhöhe 2000 m 5000 m Reichweite 450 km Bewaffnung 1–2 MG, Bomben 1 MG, Bomben 1–2 MG, Bomben Erstflug 1916 10. Juli 1916 1917 Dezember 1916 (?) Einsatz 1916–1918 1917–1918 Juli 1917–1918 Stückzahl ~ 400 (inkl. 100 SIA 5) 146 152

Siehe auch Liste von Flugzeugtypen

Literatur Enzo Angelucci, Paolo Matricardi: Flugzeuge von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg, Wiesbaden 1976, ISBN 3-8068-0391-9 J. Davilla: Italian Aviation in the First World War: Volume 3: Aircraft M–W, Aeronaut Books, 2023. ISBN 978-1953201812 Heinz Nowarra: Die Entwicklung der Flugzeuge 1914–1918, Düsseldorf 1959

Weblinks https://linen.miraheze.org/wiki/Savoia-Pomilio_S.P.2 https://www.airwar.ru https://www.flyingmachines.ru

Einzelnachweise

Kategorie:Flugzeugtyp des Ersten Weltkrieges (Italien) Kategorie:Aufklärungsflugzeug