mini|Mausoleum von al-Haraqani in Kars, Türkei|300x300px Abū-l Hasan Alī ibn Ahmad al-Haraqānī (arab. أبو الحسن علي بن أحمد الخرقاني, DMG: Abū l-Ḥasan ʿAlī b. Aḥmad al-Ḫaraqānī; * 963 in Ḫaraqān bei Bisṭām; † 10. Muḥarram 425 / 11. Dezember 1033), zählt zu den bedeutendsten Sufis des 10. und 11. Jahrhunderts. mini|Mausoleum von al-Haraqani in Schahrud, Iran|200x200px Er starb im Alter von etwa 70–71 Jahren. Sein Grab befindet sich nahe Schahrud (pers. شاهرود) im Iran in der Provinz Semnan. Daneben existiert ein ihm zugeschriebenes Mausoleum in Kars im Nordosten der Türkei.
Leben und Wirken Ḫaraqānī stammte aus einer bäuerlichen Familie und verdiente seinen Lebensunterhalt als Landwirt. Er wird häufig als Ummī bezeichnet. Einige Autoren widerlegen das und schreiben ihm im Gegensatz dazu eigene Werke zu. Ḫaraqānī war verheiratet und hatte zwei Söhne, Hasan und Ahmad.
Er erhielt spirituelle Unterweisungen von dem zeitgenössischen Ṣūfī Abū l-ʿAbbās Aḥmad al-Qaṣṣāb al-Āmulī.
Die Quellen befassen sich überwiegend mit seinen Aussprüchen und Lehren sowie mit den Begegnungen, die er mit Zeitgenossen hatte. Zahlreiche Gelehrte, Sufis und andere Persönlichkeiten sollen ihn aufgesucht haben. Dazu gehören:
Abū Saʿīd-i Abū l-Chair Ḫwāǧa ʿAbdallāh al-Anṣārī al-Harawī Abū l-Qāsim al-Quschairī Ibn Sīnā (Avicenna) (Sultan) Mahmud von Ghazni
Sultan Maḥmūd soll bei einem seiner Besuche Ḫaraqānī um Rat gebeten haben. Dieser soll ihm daraufhin empfohlen haben, Sünden zu meiden, das Gebet in Gemeinschaft zu verrichten, freigebig zu sein und den Geschöpfen Gottes mit Barmherzigkeit zu begegnen.
ʿAṭṭār überliefert unter Berufung auf al-Qušairī, dass dieser von Ḫaraqānī spiritueller Größe derart beeindruckt gewesen sein soll, dass er seine eigene Stellung in Frage gestellt habe. Dennoch fällt auf, dass Ḫaraqānī in al-Quschairīs berühmtem Werk ar-Risāla nur ein einziges Mal erwähnt wird, was mitunter als Ausdruck einer gewissen Distanz interpretiert wird.
Lehre Während sich seit dem 9. Jahrhundert verschiedene Lehransätze um Personen wie Bāyazīd Bistāmī, al-Dschunaid, Sahl ibn ʿAbdallāh at-Tustarī, al-Muhāsibī, Abū Saʿīd al-Harrāz oder Hakīm at-Tirmidhī herausbildeten, stand Ḫaraqānī in der Linie Bistāmīs. mini|300x300px Er erscheint vielfach als eine von ekstatischen Erfahrungen geprägte Person. Mehrere ihm zugeschriebene Aussprüche werden daher als Äußerungen im Zustand spiritueller Entrückung (sukr) gedeutet.
Aus zahlreichen Überlieferungen geht ebenfalls hervor, dass die erst später von der Naqšbandiyya geprägte Lehre bereits bei Haraqānī von zentraler Bedeutung war. So erklärte er, dass selbst der Teufel nicht in demselben Maße Verwirrung und Zwietracht stiften könne wie ein Gelehrter, der von Weltgier erfüllt ist, oder ein Sufi ohne Wissen. Auf die Frage wer ein Sufi sei erklärt er, dass der spirituelle Weg nicht durch Zeremonien, Rituale und Bräuche beschritten werden könne. Nach seiner Auffassung werde man weder durch das Tragen des Gewandes noch durch die Befolgung bestimmter Formen und Gewohnheiten zum Sufi; entscheidend sei vielmehr die Läuterung des Herzens sowie die Überwindung des eigenen Ichs. Äußere Askese und charakteristische Kleidung besäßen für sich genommen keinen Wert, da der Weg des Sufismus auf innere Reinheit und Selbstaufgabe ausgerichtet sei. Einem Schüler, der eigenständig um die Verleihung einer Idschāza (Lehrbefugnis) bat, soll er geantwortet haben, dass nicht das Tragen des Gewandes, sondern die Läuterung des Herzens den Sufi ausmache.
Nach Ḫaraqānī strebt der Gelehrte täglich nach Mehrung seines Wissens und der Asket nach größerer Askese, während er selbst bestrebt sei, das Herz eines Mitmenschen zu erfreuen. Ḫaraqānī zufolge besteht wahre Aufrichtigkeit (iḫlāṣ) darin, Handlungen ausschließlich um Gottes willen zu vollziehen, während ein auf die Wahrnehmung und Anerkennung durch andere Menschen gerichtetes Handeln als Augendienerei (riyāʾ) zu verstehen sei.
Ḫaraqānī entfaltet nachhaltige Wirkung auf spätere Sufi-Traditionen und beeinflusst verschiedene Tariqas. Zu den von ihm beeinflussten Persönlichkeiten zählen unter anderem ʿAyn al-Quḍāt al-Hamaḏānī, Nadschmuddin Daya Razi, ʿAṭṭār und Ǧalāl ad-Dīn Rūmī.
In der Silsila der Naqšbandiyya folgt er unmittelbar auf Bāyazīd Bistāmī und geht Abū ʿAlī al-Fārmadī voraus, der als spiritueller Lehrer al-Ghazālīs gilt.
Werke Ḫaraqānī werden folgende Werke zugeschrieben:
Nūru l-ʿulūm Asrār as-sulūk Faqrnāme Hidāyetnāme Bešāretnāme Münācāt
Einzelnachweise
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