mini|hochkant|Hauptsitz von TUC RAIL, Avenue Fonsny 39 in Brüssel TUC RAIL ist ein belgisches Unternehmen für Eisenbahntechnik, das 1992 als Tochtergesellschaft der SNCB (Société Nationale des Chemins de fer Belges) und von Transurb Consult gegründet wurde. Heute ist es eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Infrabel, dem Betreiber des belgischen Eisenbahnnetzes.

Geschichte Ursprünglich wurde TUC RAIL für die Planung, Koordination und Überwachung der Arbeiten am Hochgeschwindigkeitsnetz in Belgien gegründet. Das Unternehmen spielte eine entscheidende Rolle beim Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecken (niederländisch: Hogesnelheidslijn) HSL 1, HSL 2, HSL 3 und HSL 4 sowie bei der Modernisierung des nationalen belgischen Eisenbahnnetzes.

Seit den 2000er-Jahren war das Unternehmen an der Entwicklung des Regionalen Expressnetzes (RER) um Brüssel beteiligt, insbesondere am viergleisigen Ausbau von Strecken, an der Einrichtung multimodaler Haltestellen sowie an Projekten zur städtebaulichen und ökologischen Integration.

Als Aktiengesellschaft nach privatrechtlichen Bestimmungen kann TUC RAIL als Ingenieurbüro an internationalen Eisenbahnprojekten mitwirken. Dazu zählen die Hochgeschwindigkeitsstrecke Perpignan–Figueres zwischen Frankreich und Spanien, die Modernisierung des Bahnhofs von Riga in Lettland sowie der Bau der geplanten Hochgeschwindigkeitsstrecke Kenitra–Marrakesch in Marokko.

Parallel dazu bietet TUC RAIL Dienstleistungen zur Bodensanierung, Geotechnik, klimaneutrale Lösungen und Infrastruktur für die Energiewende an. Im Jahr 2024 beschäftigte das Unternehmen rund 900 Mitarbeiter.

Schnellfahrstrecke TUC RAIL war zunächst an der Planung und Realisierung des belgischen Hochgeschwindigkeitsnetzes beteiligt. Dies wurde in den 1990er-Jahren in Angriff genommen wurden, um Brüssel mit den benachbarten Metropolen Paris, Amsterdam und den deutschen Städten an Rhein, Ruhr und Main zu verbinden. Das Unternehmen wurde 1992 als dedizierte Einheit für die delegierte Bauleitung im Auftrag des damaligen SNCB-Konzerns gegründet und später in Infrabel integriert.

HSL 1: Halle – französische Grenze

Der Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke HSL 1 (französisch: LGV 1) war das erste große Projekt, mit dem TUC RAIL beauftragt wurde. Es handelt sich um die 88 km lange Verbindung zwischen der französischen Grenze (Esplechin) und dem Bahnhof Bruxelles-Midi / Brussel-Zuid. 71 km dieser Strecke wurden neu gebaut und für Geschwindigkeiten von bis zu 300 km/h ausgelegt. Auf dem letzten Abschnitt zwischen Lembeek und Brüssel wurde die bestehende Infrastruktur (Linie 96) modernisiert, indem spezielle Gleise für Hochgeschwindigkeitszüge mit bis zu 220 km/h hinzugefügt wurden.

Zu den realisierten Ingenieurbauwerken gehören: Antoing-Viadukt über der Schelde: 438 m, mit einem Mittelfeld von 120 m – eines der längsten in Europa. Arbre-Viadukt: über 2 km lang, bei seiner Fertigstellung das längste Eisenbahnviadukt Europas. Es wurde so konzipiert, dass Lärmbelästigung reduziert und die Trasse in die Landschaft integriert wurde. Überdeckte Einschnitte, Brücken und Tunnel in Halle, Forest und Drogenbos, um die Strecke in städtische Gebiete zu integrieren.

Nach anfänglichen Verzögerungen durch politische Hindernisse bei den Genehmigungen wurde die Strecke schrittweise in Betrieb genommen; der erste Abschnitt wurde 1996 fertiggestellt und 1997 eingeweiht. Die Strecke verbindet Brüssel in 1,5 Stunden mit Paris, mit Anschluss an den Eurotunnel.

HSL 2: Löwen – Ans

Die 66 km lange Strecke wurde im Dezember 2002 eröffnet und verbindet Löwen mit Ans. Sie ist Teil des belgischen Hochgeschwindigkeitsnetzes und ermöglicht internationale Verbindungen, unter anderem nach Deutschland.

HSL 3: Chênée – Walhorn (deutsche Grenze)

Als letzte Komponente des belgischen Hochgeschwindigkeitsnetzes nahm die HSL 3 im Juni 2009 den Betrieb auf. TUC RAIL fungierte dabei als Hauptauftragnehmer für alle technischen Aspekte: Bau des Tunnels von Soumagne (6,5 km), den Züge mit einer Geschwindigkeit von bis zu 200 km/h durchfahren können und der zu seiner Bauzeit der längste Eisenbahntunnel Belgiens war. Bau von 9 überdeckten Einschnitten und mehreren Viadukten (Prester, Battice, Hammerbrücke) sowie umfangreiche Hoch- und Tiefbauarbeiten. Koordinierung der Zulassungstests mit Eurailtest, dynamische Prüfungen, Messungen für Oberleitungen, Lärm, Vibrationen und Druck in Tunneln.

Mit diesem Gesamtprojekt mit Investitionskosten von 830 Millionen Euro wurde Belgien zum ersten Land in Europa, das über ein vollständiges Hochgeschwindigkeitsnetz von Grenze zu Grenze verfügte.

Darüber hinaus war TUC RAIL an archäologischen Ausgrabungen in Zusammenarbeit mit Infrabel und der wallonischen Region am Ort der Baustelle beteiligt. Zwischen 1995 und 2003 wurden auf einer Länge von 65 km Ausgrabungen durchgeführt, wobei Überreste aus der Zeit der Neandertaler, der Merowinger sowie der gallo-römischen Epoche entdeckt wurden.

HSL 4: Antwerpen – Noorderkempen

TUC RAIL war auch für die Planung und technische Überwachung dieser Strecke in die Niederlande verantwortlich, die Ende 2009 in Betrieb genommen wurde. Sie verbindet Antwerpen mit dem neuen Bahnhof Noorderkempen und ermöglicht eine Fahrt von Brüssel nach Amsterdam in 1 Stunde und 52 Minuten.

Andere Hochgeschwindigkeitsprojekte TUC RAIL war an der Planung, Koordinierung und Überprüfung des Haramain-Hochgeschwindigkeitskorridors beteiligt, der Medina mit Mekka in Saudi-Arabien verbindet. Darüber hinaus führte TUC RAIL umfangreiche Studien zu Gleisen, Oberleitungen, Sicherheitssystemen und Ausrüstungen auf der Strecke Perpignan–Figueras zwischen Frankreich und Spanien durch. In Rumänien war TUC RAIL an der Modernisierung der Eisenbahnstrecken zwischen Bukarest und Brașov sowie zwischen Câmpina und Predeal beteiligt.

Zudem war TUC Rail an kleineren Projekten in den Niederlanden, der Schweiz, Frankreich und Deutschland beteiligt.

RER mini|Lokomotive vom Typ 77 mit dem Logo von TUC RAIL während der RER-Bauarbeiten am Bahnhof Watermael, Mai 2025.

Zu Beginn der 2000er-Jahre trugen Bevölkerungswachstum, europäische Umweltauflagen und Parkplatzmangel dazu bei, dass die Einrichtung eines Regionalen Expressnetzes (RER) in und um Brüssel priorisiert wurde. Als Vorbild dienten hierzu die S-Bahn-Netzwerke des deutschsprachigen Raumes sowie die französischen RER (Réseau Express Régional).

Die RER ist ein Eisenbahninfrastrukturprojekt, mit dem die Mobilität im Umkreis von 30 km rund um Brüssel verbessert werden sollte. Ziel des Projekts war es, die Straßen der belgischen Hauptstadt zu entlasten und Pendlern eine nachhaltige Verkehrsalternative zu bieten. Kern des Projekts ist der viergleisige Ausbau bestehender Strecken, um Schnell- und Nahverkehr zu trennen und so Konflikte sowie Verspätungen zu vermeiden. Zudem sollten Bahnhöfe barrierefrei umgestaltet werden. Ziele waren die Erhöhung der Kapazität sowie die Verbesserung von Pünktlichkeit, Zuggeschwindigkeit und Taktung. Infrabel und seine Tochtergesellschaft TUC RAIL waren für diese umfangreichen Hoch- und Tiefbauarbeiten verantwortlich, TUC RAIL übernahm dabei alle Planungsstudien und die Baustellenüberwachung.

Mehrere Haltestellen wurden hierbei modernisiert: Auf der Linie 36 (Brüssel – Löwen) zum Beispiel renovierte TUC RAIL in Zusammenarbeit mit der SNCB-Holding und Eurostation mehrere Haltestellen: Diegem, Zaventem, Nossegem, Kortenberg, Erps-Kwerps und Herent, wobei in Veltem noch Arbeiten geplant sind. Diese Bahnhöfe wurden mit gemauerten Bahnsteigen, Bodenleitsystem, beheizten Wartehäuschen, Aufzügen und verglasten Fahrradabstellplätzen ausgestattet.

Auf der Linie 50A (Brüssel – Gent) gehörte das unter Denkmalschutz stehende Pede-Viadukt zu den wichtigsten Werken. Bei diesem von TUC RAIL geleiteten Bauprojekt bestand die Herausforderung darin, die Eisenbahnkapazität in 15 Metern Höhe zu verdoppeln und gleichzeitig das Kulturerbe zu bewahren. Die Arbeiten umfassten die Konsolidierung der Holzfundamente, die Installation neuer Pfeiler und die Errichtung einer metallischen Trägerkonstruktion für die neuen Gleise.

Das RER-Projekt verzeichnete technische Fortschritte, allerdings auch administrative Verzögerungen. Insbesondere wurde durch eine Entscheidung des Staatsrats die Baugenehmigung für die Linie 124 in Linkebeek zurückgezogen, sodass ein neues Regionalplanverfahren eingeleitet werden musste. Die Arbeiten an den anderen Abschnitten der Linie 124 sowie der Linie 161 wurden jedoch fortgesetzt. In Ottignies wurde z. B. ein Bahnübergang durch eine Unterführung ersetzt und in Genval steht Reisenden seit 2012 ein neuer Parkplatz zur Verfügung.

Parallel dazu koordinierte TUC RAIL die Bauarbeiten und achtete darauf, dass Anwohnende so wenig wie möglich gestört wurden. Dazu werden Enteignungen begrenzt, Lärmschutzwände errichtet, nächtliche Störungen reduziert und die Bahnhöfe in ein multimodales Umfeld eingebunden, das Straßenbahnen, U-Bahnen, Parkplätze, Fahrräder und Busse umfasst.

Bahnhof Antwerpen-Centraal TUC RAIL führte die technischen Studien für die Nord-Süd-Eisenbahnverbindung in Antwerpen durch. Ziel des Großprojekts war es, die Bahnhöfe Antwerpen-Berchem und Antwerpen-Centraal durch einen unterirdischen Tunnel zu verbinden. Ab 1998 waren die Ingenieure von TUC RAIL an den Vorbereitungsphasen beteiligt. Dazu gehörten die Konsolidierung der bestehenden Brücken, um den Bau der trichterförmige Zugänge zu den unteren Ebenen zu ermöglichen, sowie der Aushub für Seitenwände und Deckplatten. TUC RAIL setzte zudem die Technik der ausgesteiften Baugrube ein, die von erfahrenen Bergleuten entwickelt wurde und sich besonders für beengte städtische Gebiete eignet.

Zudem leitete das Unternehmen die Planung und den Entwurf der beiden Eisenbahntunnel zwischen Damplein und Astridplein, die 1,2 km lang sind und etwa 20 m unter der Erde liegen. Das Projekt umfasste umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen, darunter Notausgänge, Querdurchgänge für Rettungskräfte, Überwachungskameras, Lautsprecheranlagen, Brandbekämpfungssysteme, eine intelligente Belüftung sowie eine Brandschutzverkleidung der Tunnelwände.

Im Hinblick auf Akustik und Komfort entschied sich TUC RAIL für ein „Masse-Feder“-Antivibrationssystem in Kombination mit stoßlosen Gleisen und Schienenfahrzeugen mit Scheibenbremsen. Dies reduziert die Belastung für Anwohnende und erhöht den Komfort für Reisende. Durch diese Maßnahmen konnten Züge im unterirdischen Abschnitt Geschwindigkeiten von bis zu 120 km/h erreichen, während gleichzeitig eine harmonische Integration in das städtische Gefüge Antwerpens sichergestellt wurde.

Diabolo-Projekt Mit diesem Großprojekt sollte ab 2007 die Erreichbarkeit des Flughafens Brüssel-Zaventem verbessert und die wichtigste Nord-Süd-Verbindung Belgiens (zwischen Antwerpen und dem Raum Brüssel) gestärkt werden. Dazu wurden eine neue direkte Eisenbahnstrecke zwischen Schaerbeek und Mechelen (Linie 25N), die auf einem Teilabschnitt zwischen den Fahrstreifen der Europastraße 19 verläuft, sowie eine unterirdische Verbindung zum Flughafen gebaut. Das von Infrabel angeleitete Projekt wurde von TUC RAIL durchgeführt, die für die Planung und technische Überwachung der Bauarbeiten zuständig war, insbesondere für die Montage der Brücke, die Studien für den Tunnelbau unter dem Flughafen und die Installation der Eisenbahninfrastruktur entlang der neuen Strecke.