mini|Nicolas-Bernard Lépicié, Selbstporträt, um 1777. Museu Calouste Gulbenkian, Lissabon Nicolas-Bernard Lépicié (* 16. Juni 1735 in Paris; † 14. September 1784 ebenda) war ein französischer Maler und Zeichner.
Leben Nicolas-Bernard Lépicié wurde am 16. Juni 1735 in Paris geboren und starb dort am 14. September 1784. Er war der Sohn und Schüler des Malers und Kupferstechers François-Bernard Lépicié. Er heiratete die Kupferstecherin Elisabeth Lépicié. Ab 1751 studierte er an der Académie royale de peinture et de sculpture bei Carle van Loo. 1759 erhielt er den zweiten Platz im Wettbewerb um den Prix de Rome, trat die damit verbundene Reise nach Rom jedoch nicht an. 1764 wurde er als agréé aufgenommen, 1769 zum Mitglied der Académie royale ernannt und im selben Jahr zum Peintre du Roi mit eigenem Atelier im Louvre bestellt. 1770 wurde er adjoint à professeur, 1777 professeur an der Académie.
Zu seinen zahlreichen Schülern zählten Carle Vernet, Jean-Joseph Taillasson, Frédéric Schall, Jean-Baptiste Regnault, Henri-Pierre Danloux und Nicolas-Antoine Taunay. Nach seinem Übertritt zum Jansenismus im Jahr 1783 zerstörte Lépicié eine Reihe eigener Werke, die er für moralisch bedenklich hielt; einige dieser verschollenen Gemälde sind nur noch durch Kupferstiche oder vorbereitende Studien dokumentiert. Ab 1778 zog sich der Künstler, von depressiven Krisen heimgesucht, wiederholt aufs Land zurück.
Werk mini|Nicolas-Bernard Lépicié, La cour de la douane, 1775. Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid Trotz seiner Anfänge in der Historienmalerei wurde Lépicié vor allem durch figurenreiche Genrebilder bekannt, die sich an der in den 1760er- bis 1780er-Jahren beliebten niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts orientierten. Zu seinen Historienbildern zählen Aufbruch des Regulus nach Karthago (1779, Carcassonne, Musée des Beaux-Arts), Opfergang des Gaius Fabius Dorso (1781, Chartres, Musée des Beaux-Arts), Landung Wilhelms des Eroberers in England (1765) sowie Taufe Christi (1765) und Lasset die Kindlein zu mir kommen (Salon 1767), letztere drei in der Abbaye-aux-Hommes in Caen. Im Bereich religiöser, mythologischer und allegorischer Darstellungen schuf er Andachtsbilder für Provinzkirchen, Chiron unterrichtet Achill im Leierspiel (1769, Troyes, Musée des Beaux-Arts), Neptun und Amphitrite (nach 1774 von Jean-Charles Levasseur gestochen) sowie die Allegorie La Paix (1772, Montauban, Musée).
Seine Porträts sind überwiegend genrehaft aufgefasste Bildnisse von Familienmitgliedern, Freunden und Schülern, etwa von Quatremère und dessen Familie (1780) sowie das Bildnis des jungen Carle Vernet, genannt Le petit dessinateur (um 1769, Paris, Louvre). Auch Selbstbildnisse sind überliefert (u. a. um 1784, Abbeville, Musée; Lissabon, Museu Calouste Gulbenkian).
Daneben schuf er Kinderdarstellungen, sowohl als Porträts, etwa die drei Kinder des befreundeten Malers Joseph Vernet (1769–1771), als auch in genrehafter Auffassung wie Trotzköpfchen (Lyon, Musée des Beaux-Arts). mini|Nicolas-Bernard Lépicié, Les Accords bzw. La Promesse approuvée, 1774. Musée de Grenoble Zu seinen Genrebildern zählen Marktszenen (Markt mit Brunnen, Reims, Musée des Beaux-Arts), Darstellungen aus Zollhäusern (Intérieur d'une Douane, Salon 1767, mit Selbstbildnis des Künstlers) sowie bürgerliches und bäuerliches Familienleben (Heiratsantrag, um 1776, Museen von Cherbourg und Brest; Cour de ferme, 1784, Paris, Louvre). Bestimmte Sujets wiederholte Lépicié mehrfach, etwa den Tod des Narziss (1771, Versailles, Petit Trianon, und 1775, Saint-Quentin, Palais de Justice). 1778 lieferte er die Vorlagen für die von Jacques-Philippe Lebas gestochenen Illustrationen im ersten Band der Histoire de France von Jean-Jacques Garnier.
Kunsthistorisch wird Lépiciés Werk zwischen dem sentimental geprägten Schaffen Jean-Baptiste Greuzes und, insbesondere hinsichtlich der ein- und zweifigurigen Genredarstellungen, demjenigen Jean-Siméon Chardins verortet.
Werke von Lépicié befinden sich unter anderem im Rijksmuseum Amsterdam, im Museum of Fine Arts, Boston, im Art Institute of Chicago, im Mauritshuis Den Haag, im Musée Magnin Dijon, in den Uffizien Florenz (Zeichnungen), in den Musées des Beaux-Arts von Grenoble, Lille und Rennes, in der Wallace Collection London, im Museo Thyssen-Bornemisza Madrid, im Puschkin-Museum Moskau, im Metropolitan Museum of Art New York, im Cleveland Museum of Art, im Musée Joseph Déchelette Roanne sowie in der Albertina Wien (Zeichnungen).
Literatur
Philippe Gaston-Dreyfus (unter Mitarbeit von Florence Ingersoll-Smouse): Catalogue raisonné de l’œuvre peint et dessiné de Nicolas-Bernard Lépicié (1735–1784). Armand Colin, Paris 1923. Les peintres du roi 1648–1793 (Ausstellungskatalog Tours/Toulon). Paris 2000. Geist und Galanterie. Kunst und Wissenschaft im 18. Jahrhundert aus dem Musée du Petit Palais, Paris (Ausstellungskatalog). Leipzig 2002. Colin B. Bailey u. a.: Meisterwerke der französischen Genremalerei (Ausstellungskatalog, Wanderausstellung). Berlin/Köln 2004. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 8: Koort – Maekava. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online, De Gruyter 2009.
Weblinks
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Einzelnachweise
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