alternativtext=Portrait von Ludwig Schaller.|mini|Ludwig Schaller. Brustportrait, um 1860 Ludwig Schaller (* 15. März 1824 in Großaspach, Königreich Württemberg; † 8. April 1871 in Stuttgart) war ein württembergischer Turner und Kaufmann. Er dokumentierte seine Haft auf dem Hohenasperg und gründete 1860 das Kunsthaus Schaller.

Leben und Wirken Ludwig Schaller absolvierte eine Kaufmannslehre in Hall, Stuttgart und Göppingen. Er war aktiver Turner und gründete in der Zeit des Vormärz die Männer-Turngemeinde Göppingen. Während der Deutschen Revolution 1848/1849 besuchte er die Paulskirche. Im April 1849 fertigte Schaller eine Skizze des Hohenaspergs an, die er mit dem ironischen Titel „Auf den Bergen ist Freyheit!“ versah. Als Delegierter des Backnanger Volksvereins nahm er an der Reutlinger Pfingstversammlung teil. Im folgenden Jahr war er Bauernturnwart im Schwäbischen Turnerbund.Franziska Dunkel: Ludwig Schaller (1824–1871). Der Bauernturnwart als Beobachter. „Was wißen solche Automaten von der Noth einer Bewegung? Nichts.“ In: Hohenasperg – Ein deutsches Gefängnis. Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-933726-36-0. S. 94–97.

An seinen Freund Albert Springer schickte er im Anfang Dezember 1851 eine Schrift mit dem Titel Das Wahre über Kirche und Staat. In der Folge wurde Schaller am 13. Dezember zu Vermeidung der Flucht u. von Verabredungen verhaftet. Während seine empörten Freunde beim Untersuchungsrichter Fensterscheiben einwarfen, konnte seine Mutter per Kaution die vorläufige Freilassung erwirken. Vor Gericht gab Schaller an, er habe den Abschnitt über den Staat nie gelesen, da ihm „der erste zu Ekel geworden sey“. Mit seinem Verteidiger Theodor Georgii argumentierte er, er habe den Göppinger Verein als Beitrag „zur Kräftigung der Jugend“ gegründet.

Wegen Verbreitung einer Flugschrift wurde Schaller im April 1852 zu neun Monaten Festungshaft verurteilt, die er auf dem Hohenasperg absaß. Dort führte er ein Tagebuch und dokumentierte mit Zeichnungen und Skizzen die Haftbedingungen und das Leben seiner Mitgefangenen. Er betrieb Sprachstudien um sich auf eine etwaige Auswanderung nach Nordamerika vorzubereiten. Steinstoßen als sportliche Betätigung wurde ihm untersagt. Mit Springer, der ebenfalls neun Monate einsaß,Albrecht Krause, Erich Viehöfer: Auf den Bergen der Freiheit. Der Hohenasperg und das Gericht über die Revolution. Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stuttgart 1998, ISBN 3-933726-11-5. S. 56, 70. konnte Schaller beim Schach den „König“ matt setzen. Von den 652 Gefangenen in 1851 waren 246 wie Schaller aus politischen Gründen inhaftiert. Im Februar 1853 kam er nach Verbüßung seiner Strafe frei.

Schaller heiratete 1856 in Calw Ottilie Auguste Georgii, eine Cousine seines Rechtsanwalts. Das Brautpaar ließ sich von Robert Heck malen. Seine Schreibwaren- und Papierhandlung verlegte Schaller 1860 in die Jakobstraße und 1862 in die Marienstraße nach Stuttgart. Er verkaufte auch fototechnisches Zubehör und seit 1859 auch stereoskopische Aufnahmen. Seine Frau führte als Witwe das spätere „Kunsthaus“ weiter. Das Atelier im Hinterhaus wurde von 1861 bis 1885 in ununterbrochener Folge an Fotografen vermietet, deren Landschaftsaufnahmen die Schallers wohl auch verlegten. Auf German Wolf folgten 1866 Ferdinand Wacker und Anton Hummler sowie 1875 Julius Schönnagel.Vom Unikat zum Lichtdruck. In: Joachim W. Siener: Die Photographie und Stuttgart 1839–1900. Württembergische Landesbibliothek, Stuttgart 1989, ISBN 3-89322-150-6. S. 141, 147.

Das Schicksal Schallers und seine Zeichnungen werden im Museum auf dem Hohenasperg dargestellt. Den Haftbefehl, Tage- und Skizzenbuch bewahrt das Haus der Geschichte Baden-Württemberg.

Literatur Bernhard Trefz: Der Hochverratsprozess gegen Ludwig Schaller und Albert Springer im Jahr 1852. Backnanger Jahrbuch ; 8(2000), S. 109–134

Weblinks

Belege

Kategorie:Unternehmer (Stuttgart) Kategorie:Person (Göppingen) Kategorie:Turner (Deutschland) Kategorie:Unternehmer (19. Jahrhundert) Kategorie:Württemberger Kategorie:Geboren 1824 Kategorie:Gestorben 1871 Kategorie:Mann