Carlton „Santa“ Davis (* 21. November 1953 in Kingston, Britisch-Jamaika) ist ein jamaikanischer Schlagzeuger, der wesentlich an der Entstehung des Roots-Reggae beteiligt war. Santa Davis gehörte den jamaikanischen Studiobands The Soul Syndicate, The Aggrovators und Roots Radics an. Er arbeitete für Größen wie Lee Perry, Bunny Lee, Niney the Observer, Jimmy Cliff, Delroy Wilson, King Tubby und Peter Tosh. Davis ist bekannt für seine Arbeit an Sun Is Shining von Bob Marley, dem Stalag Riddim für Winston Riley und None Shall Escape the Judgement von Johnny Clarke, Vorlage für den Egyptian Reggae von Jonathan Richman & the Modern Lovers.David Katz: The (Not So Clear-Cut) History of the Flying Cymbal bei Red Bull Music Academy vom 31. Juli 2013 (englisch)

Leben Carlton Davis wurde 1953 in Kingston, Jamaika, geboren. Er wuchs im Stadtteil Greenwich Town (auch: Greenwich Farm) auf. Durch die Soundsystems, die im Viertel weithin zu hören waren, kam er früh mit Ska in Berührung. Mit ungefähr neun Jahren hörte er erstmals das Vokaltrio The Wailers. Da seine Mutter zu arm war, um ihm ein Drum-Set zu kaufen, übte und spielte er Schlagzeug bei der Kirchenjugend.Carlton „Santa“ Davis: The Day the Music Died in Kingston bei Relix vom 3. Mai 2018 (englisch)

Zusammen mit George „Fully“ Fullwood (E-Bass), Tony Chin (Rhythmusgitarre) und Cleon Douglas (Leadgitarre) gründete Davis 1969 die Band Soul Syndicate, die etliche Songs für den Musikproduzenten Bunny Lee aufnahm und an der Entstehung des Roots-Reggae beteiligt war. Als der Produzent Lee Perry wegen ausstehender Bezahlung Probleme mit den Musikern seiner Studioband The Upsetters hatte, engagierte er daraufhin das Soul Syndicate. Mit Soul Syndicate nahm Perry bei Randy’s den Song Sun Is Shining sowie den Basistrack für Duppy Conqueror auf. Der „Duppy“ ist ein böser Geist, der Menschen schaden kann. Den Riddim (aka Dracula), mit Glen Adams an der Wurlitzer-Orgel, verwendete Perry dann allerdings für ein anderes Lied von Bob Marley: Mr. Brown; man hört den „Duppy“ im Lied mehrmals bedrohlich stöhnen und knurren. Kurz danach spielten die Upsetters als Begleitband der Wailers die finale Version von Duppy Conqueror ein.David Katz: People Funny Boy. The Genius of Lee ‘Scratch’ Perry. London 2021, S. 130–134 (englisch)

Gemeinsam mit Soul Syndicate erschuf Santa Davis 1973 den Stalag Riddim, einen der populärsten Riddims überhaupt, produziert von Winston Riley.Stephen Cooper: Santa Davis and the “Stalag 17” Riddim (The Interview: Part 2) bei Reggae-Vibes vom 9. August 2020 (englisch) Für Clive Chin entstand ebenfalls 1973 das frühe Dub-Album Java Java Java Java. Anschließend arbeitete Davis für die Produzenten Niney the Observer und Keith Hudson.

Auch nach ihrer Trennung trommelte Santa Davis für Mitglieder der ursprünglichen Wailers. Für Peter Tosh nahm er den Song Ketchy Shuby (1976) sowie das Album Mama Africa (1983) auf und für Bob Marley die Songs Africa Unite (1979), Coming in from the Cold (1980) und Chant Down Babylon (1983).Stephen Cooper: Interview with legendary drummer Santa Davis bei Reggae-Vibes vom 29. Januar 2020 (englisch) Außerdem arbeitete er als Tournee-Schlagzeuger für Jimmy Cliff und Peter Tosh.

Flying Cymbals mini|hochkant|Geöffnete Hi-Hat Als 20-Jähriger war Davis ein Fan des Schlagzeugers Earl Young, der mit seiner Studioband MFSB an der Entstehung des Phillysound beteiligt war. Young hatte dem klassischen Tanzrhythmus 4-to-the-floor eine offene Hi-Hat hinzufügt und in The Love I Lost von Harold Melvin and the Blue Notes den typischen Disco-Groove erschaffen., Dokumentarfilm von Peter Mishara und Omar Majeed, Produzent: Nile Rodgers, Kanada 2024, ab Minute 10. Der „Philly Bump“ ist sehr prominent in dem Instrumentalstück The Sound of Philadelphia zu hören, das als Titelmelodie der US-amerikanischen TV-Show Soul Train weit über die Landesgrenzen bekannt wurde.

Davis übernahm den „Philly Bump“ 1974 bei einer Session der Studioband The Aggrovators und verwendete ihn bei der Aufnahme des Songs None Shall Escape the Judgement von Johnny Clarke. Der anwesende Musikproduzent Bunny Lee war begeistert, taufte den Hi-Hat-Sound „Flying Cymbals“ und verwendete ihn in vielen seiner folgenden Produktionen.David Katz: The (Not So Clear-Cut) History of the Flying Cymbal bei Red Bull Music Academy vom 31. Juli 2013 (englisch)

Mordanschlag Am 11. September 1987 drangen drei bewaffnete Männer in das Wohnhaus von Peter Tosh in Kingston ein und bedrohten die Anwesenden, darunter auch Carlton Davis, der gerade eine Tournee mit Tosh hinter sich hatte. Der Kopf der Bande war ein Kleinkrimineller namens Dennis Lobban, bekannt als „Leppo“. Tosh hatte sich im Gefängnis mit Leppo angefreundet. Mit vorgehaltener Waffe raubte Leppo 300 Jamaika-Dollar von dem auf dem Bauch liegenden Davis sowie dessen Armbanduhr. Tosh und zwei seiner Freunde (Wilton „Doc“ Brown und Jeff „Free I“ Dixon) wurden von Leppo erschossen. Davis wurde angeschossen und überlebte schwer verletzt. Aus eigener Kraft, aber einseitig gelähmt, fuhr Davis mit seinem Jeep zum Hospital der University of the West Indies. Die Kugel, die seine Lunge nur knapp verfehlt hatte, steckt laut eigener Aussage heute noch in seinem Körper.

Spätere Jahre Davis ist bis in die Gegenwart als Schlagzeuger tätig. Seit der Jahrtausendwende trommelte er hauptsächlich für Ziggy Marley. Mit Willie Nelson nahm er das Country-Reggae-Album Countryman auf, mit Lucinda Williams entstand das Album The Ghosts of Highway 20.

Diskografie (Auswahl) Alben Studioalben 1973: Java Java Java Java – Impact All Stars (Impact!) 1974: None Shall Escape – Johnny Clarke 1975: Revelation Time – Max Romeo 1975: Brass Rockers – Bunny Lee & King Tubby Present Tommy McCook & The Aggravators (Total Sounds) 1975: Follow My Mind – Jimmy Cliff (Reprise Records) 1976: In Concert – The Best of Jimmy Cliff (Reprise) 1979: Dread at the Controls – Mikey Dread (Trojan Records) 1983: Mama Africa – Peter Tosh (EMI) 1987: No Nuclear War – Peter Tosh (EMI) 2005: Countryman – Willie Nelson (Lost Highway) 2011: Wild and Free – Ziggy Marley (Tuff Gong) 2016: The Ghosts of Highway 20 – Lucinda Williams (Highway 20)

Kompilation 2005: Rockers for the Most High (Yard Soul Records)

Lieder 1970: Sun Is Shining – Bob Marley & The Wailers (Upsetter Records) 1971: Mr. Brown / Dracula – Bob Marley & The Wailers (Upsetter) 1973: Stalag 17 – Ansel Collins 1976: Ketchy Shuby – Peter Tosh (EMI) 1979: Africa Unite – Bob Marley & The Wailers (Tuff Gong) 1980: Coming in from the Cold – Bob Marley & The Wailers (Tuff Gong) 1983: Chant Down Babylon – Bob Marley & The Wailers (Tuff Gong)

Schriften Carlton „Santa“ Davis: The Day the Music Died in Kingston bei Relix vom 3. Mai 2018 (englisch)

Weblinks Internetauftritt von Santa Davis

Interviews Santa Davis (Oral History Programm) bei NAMM vom 17. Januar 2017 (englisch) Stephen Cooper: Interview with legendary drummer Santa Davis bei Reggae-Vibes vom 29. Januar 2020 (englisch) Stephen Cooper: Santa Davis and the “Stalag 17” Riddim (The Interview: Part 2) bei Reggae-Vibes vom 9. August 2020 (englisch) Musikbeispiele

Einzelnachweise

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