Ulrich von Saß (* 23. August 1957Traueranzeige. In: Kirchliches Amtsblatt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland Teil B, 2024, Ausgabe 4 Teil B, 31. März 2024 Online-Ausgabe in Rostock, Bezirk Rostock, DDR; † 21. Februar 2024 ebenda) war ein evangelisch-lutherischer Pastor und von 1997 bis 2003 Landesjugendpastor der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs.
Leben Ulrich von Saß stammte aus dem ursprünglich deutschbaltischen Adelsgeschlecht von Saß und schloss 1977 seine Berufsausbildung mit Abitur (Facharbeiter für Holztechnik) ab. Er begann danach ein Theologiestudium in Ost-Berlin. Nach Abschluss seines Studiums war er u. a. Gemeindepastor in Neubrandenburg, wo er seit 1988 offene Gemeindeabende mitorganisierte (so zum Verbot des Sputniks).
Ab Anfang Oktober 1989 (u. a. gemeinsam mit Pastor Gerd Kruse) initiierte von Saß mehrere FriedensgebeteFridolf Heydenreich: Die Geschichte unserer friedlichen Revolution. Eine Chronologie der Ereignisse in Neubrandenburg aus der Sicht von Fridolf Heydenreich, Regionalmuseum/Neubrandenburg 1993, S. 5. und Demonstrationen gegen die SED im Rahmen der Friedlichen Revolution. Überdies konnte von Saß gemeinsam mit drei weiteren Bürgerrechtlern am 4. Dezember 1989 einen Stopp der Aktenvernichtung und eine Versiegelung des Archivs der BV Neubrandenburg erreichen, wozu intensive Verhandlungen mit dem Leiter der BV Neubrandenburg, Peter Koch, nötig waren. Von Saß war auch Teilnehmer eines Runden Tisches, bei dem in einer Sitzung beschlossen wurde, interessierten Bürgern bereits am 7. Dezember 1989 erste Möglichkeiten zur Akteneinsicht zu gewähren.
Später war er Leiter einer Arbeitsgruppe, die sich mit der Tätigkeit des MfS befasste. Als Ergebnis entstand die Publikation feindlich-negativ: Zur politisch-operativen Arbeit einer Stasi-Zentrale. Als Ergebnis seiner Arbeit konstatierte von Saß nach der Wende, dass die Friedensgruppen bis zur Hälfte von Inoffiziellen Mitarbeitern der Staatssicherheit durchgesetzt gewesen seien und das MfS somit einen sehr guten Einblick in deren Tätigkeit besessen habe.
Von bis 1990 bis 1996 war er Pastor in Zingst, ehe er 1996 Mitglied der Ehrenkommission des Landtages Mecklenburg-Vorpommerns wurde. Im selben Jahr wurde von Saß Landesjugendpastor der evangelischen Kirche Mecklenburgs, was er bis 2003 blieb. In diesem Zusammenhang fungierte als der Herausgeber des Heftes Personalentwicklung in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, welches ab 2013 die Grundlage eines strukturierten Personalentwicklungsprozesses werden sollte. Zwischenzeitlich war von Saß Mitglied der Landessynode der mecklenburgischen Kirche (2000). Von 2003 bis 2020 war er Pastor der damaligen Slütergemeinde im Rostocker Ortsteil Dierkow, deren Gemeindehaus das Slüterhaus Dierkow war.Karsten Wilke: Kirche sorgt für Kultur, Ostsee-Zeitung (ohne Datum).
Ulrich von Saß verstarb am 21. Februar 2024 in Rostock.
Publikationen Gemeinsam mit Harriet von Suchodoletz veröffentlicht: feindlich-negativ: Zur politisch-operativen Arbeit einer Stasi-Zentrale. Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1990, ISBN 978-3-374-01360-9.
Weblinks
Besetzung bei Kaffee und Zigaretten, eigener Bericht von Saß für das Projekt Stasibesetzung auf stasibesetzung.de Friederike Lübke: "Für mich da": Als in Zingst die Mauer fiel; Teil der Pfarrerserie "Für mich da" auf www.evangelisch.de vom 26. Februar 2015
Einzelnachweise
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