Jane Monckton-Smith (geboren 1963 im Vereinigten Königreich) ist eine britische Kriminologin und Hochschullehrerin. Sie ist Professorin für Public Protection an der University of Gloucestershire und forscht zu Tötungsdelikten, häuslicher Gewalt, Stalking, Zwangskontrolle und Femiziden. Bekannt ist sie für die Entwicklung des Acht-Stufen-Modells zur Einschätzung von Tötungsrisiken in Fällen von Zwangskontrolle, Stalking und Partnerschaftsgewalt.
Leben und akademische Laufbahn Jane Monckton-Smith studierte Kriminologie an der Southampton Solent University und wurde 2007 an der Cardiff University mit der Arbeit Deconstructing the house that Jack built: an examination of the discursive regime of sexual murder promoviert. An der University of Gloucestershire ist sie Professorin für Public Protection. Ihre Forschung befasst sich mit interpersoneller Gewalt und der Prävention von Tötungsdelikten. Vor ihrer akademischen Laufbahn arbeitete sie als Polizistin. Neben ihrer Hochschultätigkeit berät sie Fachkräfte und Institutionen in Fällen von Stalking, Zwangskontrolle und Tötungsdelikten. Sie arbeitet außerdem mit Angehörigen von Tötungsopfern zusammen und unterstützt sie in strafrechtlichen Verfahren. 2024 wurde Monckton-Smith als Officer of the Order of the British Empire (OBE) für Verdienste um die Strafjustiz ausgezeichnet.
Forschung Ein Schwerpunkt von Monckton-Smiths Arbeit liegt auf der Analyse von Tötungen in intimen Paarbeziehungen. In ihrem 2012 erschienenen Buch Murder, Gender and the Media: Narratives of Dangerous Love untersuchte sie, wie Tötungen von Frauen durch Partner oder ehemalige Partner in Medien, Polizei- und Gerichtsberichten erzählt werden. Für diesen Titel erhielt sie 2013 den FWSA Book Prize. 2019 veröffentlichte Monckton-Smith den Aufsatz Intimate Partner Femicide: Using Foucauldian Analysis to Track an Eight Stage Progression to Homicide in der Fachzeitschrift Violence Against Women. Darin beschreibt sie Partnerschaftsfemizide als Prozess, in dem das Bedürfnis nach Kontrolle mit der späteren Tötungsmotivation verbunden sei. Die Untersuchung wertete die Fallgeschichten von 372 Tötungen von Frauen durch intime oder ehemalige intime Partner aus und ordnete Eskalationsverläufe in eine achtstufige Abfolge ein. In ihrem Buch In Control: Dangerous Relationships and How They End in Murder stellte Monckton-Smith das Modell einer breiteren Öffentlichkeit vor und verband es mit Fallstudien, Interviews und gesellschaftlichen Analysen zu häuslicher Gewalt und Zwangskontrolle.
Jane Monckton-Smith schult Polizeibehörden, Bewährungsdienste und Fachorganisationen im Vereinigten Königreich. Ihre Arbeit wird in Fachkontexten, in der Polizeipraxis und in der öffentlichen Debatte zu häuslicher Gewalt und Femizid rezipiert.
Acht-Stufen-Modell Das von Jane Monckton-Smith entwickelte Acht-Stufen-Modell wird als Homicide Timeline bezeichnet. Es dient der Beschreibung und Einschätzung von Eskalationsverläufen in Beziehungen, die durch Zwangskontrolle, Stalking oder häusliche Gewalt geprägt sind. Das Modell richtet den Blick auf das Verhalten und die Kontrolllogik der gewaltausübenden Person. Monckton-Smith versteht Tötungen in intimen Beziehungen nicht als Handlung im Affekt, sondern als Ergebnis einer häufig erkennbaren Eskalationsdynamik. Die acht Eskalationsstufen werden in Darstellungen ihres Modells wie folgt beschrieben:
Vorgeschichte der gewaltausübenden Person, etwa frühere häusliche Gewalt, Stalking oder kontrollierendes Verhalten. Frühe Beziehung mit schneller Bindung und rascher Intensivierung. Beziehung, die zunehmend durch Zwangskontrolle, Überwachung, Besitzansprüche oder Isolation geprägt wird. Auslöser oder Trigger, etwa tatsächliche oder vermutete Trennung, Kontrollverlust, finanzielle Probleme oder andere Krisen. Eskalation der Kontroll- und Gewaltstrategien, darunter Stalking, Drohungen, Suiziddrohungen oder verstärkte Überwachung. Sinneswandel. Veränderung der Täterperspektive, bei der Rache, Bestrafung oder Tötung als Handlungsoption erscheinen. Mordplanung, etwa Beschaffung von Waffen, Auskundschaften von Gelegenheiten oder Versuche, das Opfer allein anzutreffen. Mord, teilweise verbunden mit Suizid, weiteren Opfern oder Versuchen der Vertuschung als Unfall oder Notwehr.
In einem TAZ-Beitrag über Männergewalt und Risikoeinschätzung im Kontext eines Tötungsdelikts in Stade im Juni 2026 nannte die Soziologin Christina Mundlos das Acht-Stufen-Modell als Beispiel für Risikoanalyse bei drohender Gewalt.
Publikationen
Relating Rape and Murder: Narratives of Sex, Death and Gender. Palgrave Macmillan, Basingstoke 2010, ISBN 978-1-349-31772-1. Murder, Gender and the Media. Narratives of Dangerous Love. Palgrave Macmillan, Basingstoke 2012, ISBN 978-0-230-27190-6. Intimate Partner Femicide: Using Foucauldian Analysis to Track an Eight Stage Progression to Homicide. In: Violence Against Women. Band 26, Nr. 11, 2020, S. 1267–1285. . In Control: Dangerous Relationships and How They End in Murder. Bloomsbury, London 2021, ISBN 978-1-5266-1320-2.
Auszeichnungen
2013: FWSA Book Prize für Murder, Gender and the Media 2016: Taking Stalking Seriously Award des Suzy Lamplugh Trust 2024: Officer of the Order of the British Empire für Verdienste um die Strafjustiz
Weblinks
Profil von Jane Monckton-Smith TED Beitrag zur Homicide Timeline Homicide Timeline
Einzelnachweise
Kategorie:Kriminologe Kategorie:Sachbuchautor Kategorie:Officer des Order of the British Empire Kategorie:Gewalt gegen Frauen Kategorie:Brite Kategorie:Engländer Kategorie:Geboren 1963 Kategorie:Frau