Der Dünnschwanz-Mausschläfer oder Ognev-Mausschläfer (Myomimus personatus) ist ein mit mehreren disjunkten Populationen in Zentralasien verbreitetes Nagetier in der Gattung der Mausschläfer. Das Typusexemplar stammt aus dem Gebirge Kopet-Dag vom Fluss Sumbar im Grenzgebiet zwischen Iran und Turkmenistan.
Taxonomie Im Jahr 1982 in einer Höhle im westlichen Afghanistan aufgefundene Gewölle von Eulen enthielten Reste von Kiefern und Zähnen eines Bilchs, den Jochen Niethammer als diese Art identifizierte. Vermutlich stammen die Gewölle aus dem Mittelalter, da das aktuelle Wetter in dieser Region Afghanistans zu trocken für dieses Tier ist. Ähnlich verhält es sich mit Funden von Resten des Rötlichen Pfeifhasens und der Afghanistan-Wühlmaus in derselben Höhle, die nicht mehr in diesem Gebiet leben. Seit diesem Fund sind bis zur Veröffentlichung des 6. Bandes des Werkes Handbook of the Mammals of the World mehr als 30 Jahre vergangen und es ist sehr unsicher, ob diese Art noch in Afghanistan lebt. Auch in den in der Einleitung genannten Staaten gab es bis zum Jahr 2016 nur zehn Funde. Der Dünnschwanz-Mausschläfer ist die einzige Art seiner Gattung mit dunklen Augenringen, die eine Gesichtsmaske bilden. Andere Bilche mit diesem Merkmal sind der Siebenschläfer, der Gartenschläfer und der Brillenbilch.
Merkmale Neben den dunklen Augenringen ist ein dunkler Aalstrich auf dem Rücken ein Kennzeichen, das die anderen beiden Gattungsmitglieder nicht aufweisen. Der Strich kann dünn und unscheinbar oder als breites Band ausgeformt sein. Als kleinste Art der Mausschläfer erreicht das Tier eine Kopf-Rumpf-Länge von 73 bis 77 mm, eine Schwanzlänge von 53 bis 69 mm und ein Gewicht von etwa 11,5 g. Es sind Hinterfüße von 14 bis 16,5 mm Länge und 14 bis fast 16 mm lange Ohren vorhanden. Es besteht eine deutliche Grenze zwischen der hell-aschgrauen Oberseite und der weißen Unterseite, auch wenn die Flanken und die Wangen etwas heller grau sind. Bei Museumsexemplaren kann eine Verwechslung mit dem Persischen Mausschläfer stattfinden, wenn Aalstriche und Augenringe undeutlich sind. Beide Arten haben dunkle Stellen am Ansatz der Vibrissen, doch die Verbreitungsgebiete sind deutlich getrennt. Einer der deutschen Trivialnamen bezieht sich auf den langen und spärlich behaarten Schwanz. Auch bei diesem ist die Oberseite dunkler als die Unterseite, jedoch heller als der Rücken. Die Füße tragen weiße Haare. An der Eichel des Penis befinden sich kleine Auswüchse, die Stacheln ähneln. Der diploide Chromosomensatz besteht aus 44 Chromosomen (2n=44).
Lebensweise Der Dünnschwanz-Mausschläfer hält sich im genannten Gebirge und im Bergland Malyy Balkhan in Turkmenistan in 700 bis 2400 Meter Höhe auf. Er bewohnt felsige Halbwüsten und Steppen mit Gras und verstreut anderen Gewächsen wie Sträuchern, Mandelbäumen, salzliebenden Kräutern und Wacholder. Aufgrund des Körperbaus wird angenommen, dass sich das Tier auf dem Boden und auf Felsen bewegt. Laut Berichten der Einheimischen kann die Art recht gut steilere Felsen erklimmen. Soweit bekannt ist dieser Bilch zwischen Abend- und Morgendämmerung aktiv. Das Nest befindet sich vermutlich in Felsspalten oder in selbstgegrabenen Erdlöchern. Wann der Winterschlaf beginnt ist nicht bekannt und der Zeitpunkt des Erwachens ist unsicher. Trächtige Weibchen wurden Ende April und Mitte Mai dokumentiert. Andererseits wurde ein Exemplar an einem kalten Tag im späten April registriert, dass entweder noch im Winterschlaf war oder einen torpiden Zustand eingenommen hatte. In Gefangenschaft gehaltene Dünnschwanz-Mausschläfer fraßen kleine Echsen mit einem Gewicht bis zu 12 g, Schmetterlinge, Larven der Bockkäfer und andere kleine Wirbellose. Vermutlich kommen Pflanzenteile als Komplement in der Nahrung vor.
Die Fortpflanzung beginnt direkt nach dem Winterschlaf und jährlich kommt ein Wurf vor. Die Anzahl der Neugeborenen pro Wurf liegt bei 6 bis 12. Bei einem untersuchten Weibchen, das vermutlich kurz vor der Geburt der Nachkommen stand, waren die Embryos etwa 17 mm lang.
Gefährdung Die globale Erwärmung kann an der Grenze zwischen Iran und Turkmenistan zu einer mehr wüstenartigen Landschaft führen. Dieser Prozess wird durch menschliche Aktivitäten wie Urbanisierung, Anlage von Feldern und Entfernen von Sträuchern verstärkt. In der Region gibt es keine Schutzgebiete. Die genauen Bedürfnisse des Bilches und die Populationsgröße sind unbekannt. Die IUCN listet den Dünnschwanz-Mausschläfer mit unzureichende Datenlage (data deficient).
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Einzelnachweise
Kategorie:Bilche