Jakob Heberlein (* 1. April 1825 in Roth; † 11. Januar 1881 in München) war ein deutscher Eisenbahnmaschinenmeister und Erfinder.
Bekannt wurde er durch die Entwicklung der nach ihm benannten Heberleinbremse, einer durchgehenden und selbsttätigen Eisenbahnbremse, die im 19. Jahrhundert insbesondere bei den Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen sowie später auf zahlreichen Neben- und Schmalspurbahnen eingesetzt wurde.
Leben Jakob Heberlein wurde als Sohn des Kunstdrechslers Johann Andreas Heberlein und dessen Ehefrau Elisabeth Helene, geborene Finsterer, in Roth bei Nürnberg geboren. Nach einer Lehre als Drechsler trat er 1844 in die Maschinenfabrik Schweizer in MannheimDie historische Maschinenfabrik Schweizer in Mannheim (auch bekannt als Waagen- und Maschinenfabrik Johann Schweizer) war ein metallverarbeitender Betrieb, der vor allem für den Bau von Waagen, Kränen und Industriemaschinen bekannt war. ein. Dort erhielt er neben seiner praktischen Tätigkeit Gelegenheit zum Besuch einer technischen Lehranstalt.
Nach einer kurzen Beschäftigung in Fürth wechselte Heberlein zur Lokomotivfabrik Maffei nach München. Im Jahr 1848 trat er in den Werkstättendienst der Bayerischen Staatseisenbahnen ein und stieg dort kontinuierlich auf der Karriereleiter auf. 1853 wurde er Lokomotivführer, 1860 Obermaschinist, 1865 erfolgte seine Versetzung als Abteilungsmaschinenmeister nach Salzburg, 1870 kehrte er als Betriebsmaschinenmeister nach München zurück.
Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 war Heberlein Obermaschinenmeister bei der Eisenbahn-Betriebskommission I in Straßburg. Das Angebot, die Leitung des maschinentechnischen Dienstes der neu gegründeten Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen zu übernehmen, lehnte er ab.
Jakob Heberlein starb 1881 im Alter von 55 Jahren in München.
Grabstätte mini|Grab von Jakob Heberlein auf dem Alten Südlichen Friedhof in München
Die Grabstätte von Jakob Heberlein befindet sich auf dem Alten Südlichen Friedhof in München (Gräberfeld 9 – Reihe 4 – Platz 33, ). Die Grabinschrift erwähnt nur den Namen Josef Multerer. Nur das Grabbuch weist diese Grabstelle Jakob Heberlein zu.
Erfindungen Neben einer Lafettenbremse für schwere Festungsgeschütze entwickelte Heberlein vor allem eine neuartige Eisenbahnbremse. Bereits 1856 erhielt er ein bayerisches Patent auf eine Bremsenkonstruktion, deren Funktionsprinzip darin bestand, die Bewegungsenergie des fahrenden Zuges zur Erzeugung der Bremskraft zu nutzen.
Die Konstruktion arbeitete mit einer Reibrolle, die beim Bremsvorgang mit einer auf der Achswelle befestigten Scheibe in Eingriff gebracht wurde. Dadurch wurde eine Kette aufgewickelt, welche die Bremsklötze gegen die Räder zog. Über ein durch den gesamten Zug geführtes Seil konnten sämtliche Bremsen von einem einzigen Bediener auf der Lokomotive oder im Packwagen betätigt werden. Riss das Bremsseil – etwa bei einer Zugtrennung – legten sich die Bremsen selbsttätig an.
Die später als Heberleinbremse bekannte Konstruktion war damit sowohl durchgehend als auch selbsttätig und stellte einen bedeutenden Fortschritt in der Eisenbahnsicherheit dar. Es wurde schon 1872 damit begonnen, die Heberleinbremse bei den Bayerischen Staatseisenbahnen für Reisezüge mit großer Geschwindigkeit einzuführen und bereits 1874 waren fast sämtliche Züge mit Personenbeförderung mit dieser Bremse ausgerüstet. Obwohl die Heberleinbremse später weitgehend durch Druckluftbremsen ersetzt wurde, blieb sie auf zahlreichen Neben-, Klein- und Schmalspurbahnen noch bis weit ins 20. Jahrhundert in GebrauchDie sächsischen Schmalspurbahnen verwendeten lange die Heberleinbremse.
Bedeutung Die Heberleinbremse zählt zu den wichtigen Entwicklungen der Eisenbahntechnik des 19. Jahrhunderts. Durch ihre selbsttätige Wirkungsweise erhöhte sie die Betriebssicherheit erheblich und gilt als Vorläufer moderner durchgehender Bremssysteme.
Ein im Verordnungsblatt des k.k. Handelsministeriums für Eisenbahnen und Schiffahrt im Jahr 1889 erschienener Bericht behandelt die Verbreitung der Heberleinbremse in Großbritannien.
Literatur
Heberlein-Bremse in Zeitschrift der Vereines Deutscher Ingenieure, 1878, S. 355 (Digitalisat)
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