Zen in der Kunst des Bogenschießens ist ein Buch des deutschen Philosophen Eugen Herrigel (1884–1955), welches maßgeblich die Rezeption des Zen in der westlichen Hemisphäre beeinflusste.
Entstehung Von 1924 bis 1929 lehrte Herrigel an der Kaiserlichen Universität Tōhoku im japanischen Sendai das Fach Philosophie. Ab 1926 nahm er Unterricht im Bogenschießen bei Awa Kenzo (1880–1939), der eine esoterisch-mystische Variante des traditionellen Kyūdō entwickelt hatte, die den spirituellen Aspekt stark betonte und sich von der damals verbreiteten Praxis unterschied.
Herrigel veröffentlichte seine ersten Erkenntnisse zur spirituellen Essenz des Bogenschießens in dem Aufsatz: Die ritterliche Kunst des Bogenschießens, der 1936 im Magazin Nippon erschienEugen Herrigel: Die ritterliche Kunst des Bogenschießens in: Nippon. Zeitschrift für Japanologie. Jg. 2, Heft 4 1936, S. 193–212 und bald auch ins Japanische und Holländische übersetzt wurde. Die erweiterte Buchfassung erschien 1948 zunächst im Verlag von Curt Weller, die zweite Auflage bereits 1951 im Otto Wilhelm Barth VerlagGemäß DNB Katalog: Mittlerweile 46. Auflage..
Inhalt In Zen in der Kunst des Bogenschießens schildert Eugen Herrigel den von ihm durchlaufenen Lern- und Übungsprozess. Herrigel führt aus, wie er durch die Übung des Bogenschießens zur Erfahrung der „absichtslosen Ichlosigkeit“ gelangt. Die japanische Wahrnehmung des Bogenschießens beschreibt er als „geistigen Vorgang“: Unter Bogenschießen verstehe der Japaner nicht einen „Sport“, sondern einen „geistigen“ Vorgang. Und somit versteht er unter „Kunst“ des Bogenschießens nicht ein durch vorwiegend körperliche Übung jedem mehr oder weniger zugängliches sportliches Können, als dessen Maßstab die „Treffer“ in der Zielscheibe zu gelten haben, sondern ein Können, dessen Ursprung in rein geistigen Übungen zu suchen ist. Dessen Ziel bestehe in einem geistigen Treffen. Der Schütze ziele im Grunde genommen auf sich selbst und erreiche dabei im Idealfall, dass er sich selbst trifft. Auf knapp 100 Seiten wird philosophisch beschrieben, dass nicht der Schütze schießt, sondern „Es“ schießt. Dabei erfolge eine Umwandlung der europäischen Ich-bestimmten Persönlichkeit in ein nur durch die Meditation erfahrbares „Es“. Herrigel fokussiert damit eher die spirituelle Seite und die seelischen Auswirkungen seiner Kyûdô Übungen.
Rezeption 1953 folgte eine Übersetzung ins Englische und 1956 ins Japanische. Inzwischen gibt es von diesem „Welt-Bestseller“ über 50 Übersetzungen in 24 Sprachen.
Herrigel beeinflusste sowohl die „westliche“ als auch die japanische Kyûdô-Wahrnehmung und übte entscheidenden Einfluss auch auf zeitgenössische Künstler aus. Unter anderem wurden Musiker wie Peter Feuchtwanger, Literaten wie Michael Ende und Manfred Hausmann, oder bildende Künstler wie Günther Uecker maßgeblich von Herrigel beeinflusst, und zahllose „Nachfolger“ orientierten sich an seinem Werk, wie zum Beispiel Robert M. Pirsigs Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten oder Ray Bradburys Zen in der Kunst des Schreibens.
Kritik Als wesentlicher Kritikpunkt wird oft hervorgehoben, dass Herrigel, der selbst kein Japanisch sprach, den Kern des Zen-Buddhismus nicht wirklich durchdrungen habe. Zwar ließen sich Berührungspunkte im Hinblick auf Ruhe, Konzentration und Reflexion zwischen Kyûdô und Elementen der Zen-Meditation feststellen, es fehle jedoch bei Herrling die tiefere Zielsetzung von Kyûdô, durch das lebenslange Streben und das Bemühen um Reifung und Verbesserung des Menschen mit einem vollkommenen Schuss das Ziel zu treffen. Zu vordergründig betrachte Herrigel den Weg nur als spirituelle Übung, bei der das Treffen des Ziels belanglos sei. „In der Tat eröffnet uns Zen in der Kunst des Bogenschießens Zugang zu einer exotischen Welt, nur dass diese andersartige Welt eben nicht Japan heißt und vielleicht nicht einmal Zen.“Christoph Paret: Endlich einmal kein persischer Brief „Zen in der Kunst des Bogenschießens“, Eugen Herrigels Buch aus dem Jahr 1948, ist als Laiensoziologie Japans missverstanden Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 23. Oktober 2024 S. N 5 Ursula Lytton kritisiert die allgemein Akzeptanz der mystischen Vorstellungen von Kyûdô, die durch Herrigels Buch entstanden seien. Ein weiterer Kritikpunkt betrifft Herrigels vermutete Nähe zur nationalsozialistischen Spiritualität. „Vielleicht kam im Dritten Reich bei ihm jene Nachgiebigkeit ungünstig zum tragen, die das Wasser für jeden Zen-Meister zum Leitelement werden lässt“.
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