Moritz von Faber du Faur (* 1. September 1886 in Stuttgart; † 4. März 1971 in Gräfelfing) war ein deutscher Generalleutnant der Luftwaffe, Chef der Militärverwaltung im besetzten Bordeaux sowie Militär- und Luftattaché.

Leben Sein Eintritt in die militärische Berufslaufbahn erfolgte bei Moritz von Faber du Faur mit 24 Jahren, als Einjährig-Freiwilliger beim Dragoner Regiment 26. Noch im gleichen Jahr wurde er im Dezember 1904 zum Fahnenjunker und vier Monate später zum Fähnrich befördert. Daraufhin erhielt er im Herbst 1906 eine Kommandierung zur Offiziers-Reitschule nach Paderborn. Während der Ausbildungszeit wurde er Leutnant und bekam zum Sommer 1913 seine Beförderung zum Oberleutnant. Mit diesem Dienstgrad wurde er Regimentsadjutant und mit Beginn des Ersten Weltkrieges im August 1914 zum Fronteinsatz kommandiert. Während dieser Zeit erfolgten seine Beförderung zum Rittmeister, ein Einsatz ab 1917 als Eskadronchef und dann als Adjutant der 26. Kavallerie-Brigade. Kurz vor Kriegsende erhielt er eine Kommandierung zur Versorgungs-Abteilung ins württembergische Kriegsministerium.Dermot Bradley (Hrsg.): Deutschlands Generale und Admirale. Teil 4: Die Generale des Heeres 1921–1945. Die militärischen Werdegänge der Generale, sowie der Ärzte, Veterinäre, Intendanten, Richter und Ministerialbeamten im Generalsrang. Band 3, Biblio-Verlag, Osnabrück 2002, S. 389 f.

Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg und dem Zerfall des deutschen Kaiserreichs wurde Moritz von Faber du Faur 1919 im Reichswehr-Kavallerie Regiment 13 weiterverwendet und ein Jahr später als Eskadronchef in das Reiterregiment 18 versetzt. Der Weimarer Republik stand er jedoch distanziert gegenüber. Ab 1921 war er unter anderem als Dozent an der Kavallerieschule und in verschiedenen Bereichen des Reiterregiments 11 tätig. Nach einer Versetzung in das Reiterregiment 15 wechselte er 1928 zur 6. Kraftfahr-Abteilung. Der Besuch von Lehrgängen für militärisches Geländekraftfahren auf dem Truppenübungsplatz Döberitz 1929, für taktisch-technische Offiziere des militärischen Kraftfahrwesens in Berlin und 1931 zu einem Schießlehrgang für schwere Infanteriewaffen unterstützten seine Neuorientierung und den Einsatz in den modern aufgestellten Infanterieeinheiten der Reichswehr. In einer kriegsgeschichtlichen Studie, die er verfasste, suchte er nach Wegen für die Verwendung der Kavallerie in der Gegenwart. Ab 1933 erhielt er eine Kommandierung zum Infanterie-Regiment 9, kehrte aber Mitte 1933 als Kommandeur eines Reiterregiments in die ursprünglich gewohnte Waffengattung zurück. Die Ideologie des Nationalsozialismus lehnte er kategorisch ab.Gerhard Granier, Biografie über Moritz von Faber du Faur, Datenbank Leo-Landeskunde, in: https://www.leo-bw.de/detail/-/Detail/details/PERSON/kglbiographien/118685635/Faber+du+Faur+Moriz+von+Georg+Friedrich+Karl; Im Oktober 1935 wurde er erneut, nun als Oberst, Kommandeur eines Reiterregimentes.Ottmar Krug: Deutsche Generale 1918–1945, Bundesarchiv Freiburg, Signatur MSG 109/19845

Einsatz als militärischer Attaché Zum Sommer 1935 erhielt Moritz von Faber du Faur beim Oberkommando des Heeres (OKH) eine vierwöchige Einweisung für den Einsatz als militärischer Attaché und wurde bereits am 1. Oktober 1935 als Militär- und Luftattaché an der deutschen Gesandtschaft in Belgrad eingesetzt. Hier löste er Oberst Erich Tschunke (1889–1936) ab, der dieses Amt auch für den Luftwaffenbereich seit Juli 1935 nur kurzzeitig innehatte, sich nun aber stärker auf Rumänien konzentrieren sollte.Biografie über Erich Tschunke, in: Walter Riccius: Die Institution der Luftattachés, Deutsche Luftattachés von Beginn bis 1945, Dr. Köster Verlag Berlin 2024, ISBN 978-3-96831-061-9, S. 314 ff. Militärattaché war Oberst Nikolaus von Falkenhorst (1885–1968) für Rumänien, die Tschechoslowakei und auch Jugoslawien zuständig.Manfred Kehrig: Die Wiedereinrichtung des deutschen militärischen Attachédienstes nach dem Ersten Weltkrieg (1919–1933), Harald Boldt Verlag, Boppard am Rhein 1966, S. 224 Im Balkanraum hatte sich durch politische Aktivitäten nationalistischer und königstreuer Kräfte, vor allem in Jugoslawien selbst, die Chance für den NS-Staat ergeben, zukünftige Bündnispartner für einen Kurs zur Spaltung der bestehenden prowestlicher Orientierungen in diesem Raum ergeben. Als möglicher Bündnispartner der bestehenden Allianz zwischen Italien und Deutschland versprach sich Berlin, mit der Stärkung der auf dem Balkan agierenden profaschistischen Kräfte, die ihren Ausgangspunkt vor allem in Serbien und Kroatien hatten, einen strategischen Vorteil für die schon in Planung befindlichen Kriegsziele in der Stoßrichtung Osteuropa. Davor warnte von Faber du Faur in seinen Berichterstattungen und bezweifelte, sich von einem solchen Schritt irgendwelche politische oder militärische Ergebnisse zu erhoffen. Das Balkangebiet war jedoch zugleich eine wichtige Rohstoffquelle und für die Aufrüstung der Wehrmacht von besonderem Interesse, dem der Militärattaché nachging.Werner Röhr (Hrsg.): Europa unterm Hakenkreuz. Okkupation und Kollaboration (1938–1945). Hüthig Verlag Berlin 1994, S. 349 ff. Dabei gehörten neben der Informationsbeschaffung aus dem Balkanraum auch die Absicherung und Gewährleistung der Rohstofftransporte zum Aufgabenspektrum als Militärattaché. Im zweiten Jahr seiner Amtszeit erfolgte von Fabers Beförderung zum Generalmajor. Ab 31. Mai 1938 wurde er von den Aufgaben des Luftattachés durch Major Carl-August von Schoenebeck (1898–1989) entbunden. Die Verantwortung als Militärattaché für Jugoslawien übergab er im März 1939 an Rudolf Toussaint (1891–1968). Mit seiner Rückkehr nach Deutschland wurde er als Offizier z. b. V. beim Oberkommando des Heeres eingeordnet.

Kriegseinsatz Im Sommer 1939 wurde Moritz von Faber du Faur als Kommandeur der 13. Panzer-Division eingesetzt. Der militärische Auftrag dieser Panzer-Division bestand darin, die ersten Tage des deutschen Einfalls in Polen zu begleiten. Danach wechselte er als Kommandeur des rückwärtigen Armeegebietes 588 in den mitteldeutschen Raum. Fast ein Jahr verblieb er im Verantwortungsbereich des Wehrkreises XI und wurde ab September 1940 Chef der Militärverwaltung für den Bezirk Bordeaux. Damit war er zugleich der dortige Stadtkommandant. Als im Folgejahr Widerstandsgruppen sowohl in Nantes als auch Bordeaux Attentate verübten, bei denen zwei deutsche Führungskräfte ums Leben kamen, wurden von Berlin aus Massenhinrichtungen als Vergeltungsmaßnahme angewiesen. Die zur Verkündung diese Entscheidung ausgefertigten Dokumente trugen Faber du Faurs Unterschrift in seiner Funktion als Bezirkschef. Die angekündigten Vergeltungsmaßnahmen wurden anschließend durch ein Militärkommando seines Verantwortungsbereiches vollzogen und 50 Geiseln erschossen.Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Gerichtshof Nürnberg. Bd. 6. Nürnberg: 1947, S. 160

Anfang 1942 übernahm er erneut einen Posten im rückwärtigen Armeebereich. Von dort wechselte er in eine Stabsorganisation an der Ostfront und ab Mai 1943 in die Position der Wehrersatz-Inspektion Innsbruck. Im Oktober 1944 folgte, nach dem Vorwurf der Wehrkraftzersetzung, wegen Abhörens von Feindlsendern, seine Suspendierung vom Dienst und ein gerichtliches Verfahren, in dem er freigesprochen wurde und in die Führerreserve beim Oberkommando der Wehrmacht zurückkehren konnte. Mit der Kapitulation der Wehrmacht im Mai 1945 erhielt von Faber du Faur die Entlassung aus dem Militärdienst.Dermot Bradley (Hrsg.): Deutschlands Generale und Admirale. Teil 4: Die Generale des Heeres 1921–1945. Die militärischen Werdegänge der Generale, sowie der Ärzte, Veterinäre, Intendanten, Richter und Ministerialbeamten im Generalsrang. Band 3, Biblio-Verlag, Osnabrück 2002, S. 390 Da er zur Zeit der Kapitulation kein Kommando geführt hatte, geriet er nicht in Kriegsgefangenschaft.

Nachkriegszeit Jedoch fand das von Moritz von Faber du Faur unterschriebene Dokument, das er während seiner Amtszeit als Stadtkommandant 1941 unterzeichnet hatte, Eingang in die Gerichtsunterlagen bei den Nürnberger Prozessen. In der Verhandlung am 24. Januar 1946 wurde es vom Gericht als Beispiel begangener Verbrechen der Wehrmacht aktenkundig gemacht und auf seine Kommandogewalt personifiziert.Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Gerichtshof Nürnberg. Bd. 6. ebenda Daraufhin wurde er wegen des Verdachts begangener schwerer Straftaten durch Angehörige der französischen Besatzungsmacht festgenommen. In dem anschließenden Prozess wurde von Faber du Faur Ende Mai 1949 freigesprochen und er kam am folgenden Tag aus französischer Haft frei.Dermot Bradley (Hrsg.): Deutschlands Generale und Admirale. Teil 4: Die Generale des Heeres 1921–1945. ebenda Anfang der 1950er Jahre begann er seine Erinnerungen aus den Jahren des Krieges aufzuzeichnen. Diese Arbeit erschien 1953 unter dem Titel „Macht und Ohnmacht“.Moritz von Faber du Faur: Macht und Ohnmacht, Erinnerungen eines alten Offiziers, Stuttgart 1953 Das später in der BRD eingeleitete Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen Mordverdachts wurde Mitte der 1960er Jahre wieder eingestellt.

Am 4. März 1971 verstarb Moritz von Faber du Faur in Gräfelfing, Landkreis München.

Familie Moritz von Faber du Faur war mit Armgard von Faber du Faur verheiratet. Aus dieser Ehe ging die Tochter Margarethe Wilhelmine von Faber du Faur, geboren 1919 hervor.

Publikation Macht und Ohnmacht, Erinnerungen eines alten Offiziers, Stuttgart 1953;

Literatur Dermot Bradley (Hrsg.): Deutschlands Generale und Admirale. Teil 4: Die Generale des Heeres 1921–1945. Die militärischen Werdegänge der Generale, sowie der Ärzte, Veterinäre, Intendanten, Richter und Ministerialbeamten im Generalsrang. Band 3, Biblio-Verlag, Osnabrück 2002, ISBN 3-7648-2582-0, S. 389 f. Gerhard Granier, Biografie über Moritz von Faber du Faur, Bibliothek für Hugenottengeschichte; in: https://www.bfhg.de/die-hugenotten/hugenotten-und-ihre-nachkommen/faber-du-faur-von/; Manfred Kehring: Die Wiedereinrichtung des deutschen militärischen Attachédienstes nach dem Ersten Weltkrieg (1919–1933), Harald Boldt Verlag, Boppard am Rhein 1966; Walter Riccius: Die Institution der Luftattachés, Deutsche Luftattachés von Beginn bis 1945, Dr. Köster Verlag Berlin 2024, ISBN 978-3-96831-061-9, S. 75 ff. Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Gerichtshof Nürnberg. Bd. 6. Nürnberg: 1947, S. 160.

Weblinks https://www.bfhg.de/die-hugenotten/hugenotten-und-ihre-nachkommen/faber-du-faur-von/;

Einzelnachweise

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