Günther Vandenhertz (* 29. Juni 1926; † 10. Juli 2020Traueranzeigen von Günther Vandenhertz | trauer-anzeigen.de) war ein deutscher Architekt.
Leben und Werk Vandenhertz studierte bis 1953 an der Hochschule für Architektur in Weimar, erwarb den akademischen Grad eines Diplom-Ingenieurs und arbeitete seitdem in Potsdam als Architekt. Dort begann er in der Freizeit mit Gleichgesinnten im Zweiten Weltkrieg zerstörte Gebäude zu aufzumessen, was später die Rekonstruktion der auch ironisch „erste Barockstraße der DDR“ genannten Wilhelm-Staab-Straße ermöglichte. Gemeinsam mit einem Kollegen schlug er damals vor, das im Zweiten Weltkrieg ausgebrannte Potsdamer Stadtschloss als Hotel wiederaufzubauen.
Vandenhertz arbeitete als Architekt im VEB Hochbauprojektierung Potsdam. Mit weiteren 14 Architekten und Ingenieuren des Betriebs protestierte er am 6. November 1959, u. a. in einem Telegramm an Wilhelm Pieck, den Präsidenten der DDR, gegen die bevorstehende Sprengung des Schlosses, die sie als „überstürzte Maßnahme“ und „Zerstörung eines baukünstlerischen Ensembles“ sahen.
Vandenhertz setzte sich danach mit fachlichen Vorschlägen und als Teilnehmer von Demonstrationen immer wieder für die Rekonstruktion des Schlosses und die Rettung weiterer bedrohter historischer Bauwerke ein. U. a. schlug er 1967 vor, aus der zerstörten Garnisonkirche ein Konzerthaus mit 1200 Plätzen zu machen. Im selben Jahr gewann er einen Architekturwettbewerb zur Gestaltung des Potsdamer Alten Markts. Das Projekt wurde vor allem aus Kostengründen nicht ausgeführt.
Anfang der 1970er Jahre schuf Vandenhertz einen Entwurf für die Bebauung des Brauhausbergs mit einem Restaurant. Als sich der Vorschlag seines Kollegen Karl-Heinz Birkholz (* 1930) für das Terrassenrestaurant „Minsk“ durchsetzte, erkannte er neidlos an, dass dessen Entwurf besser ist. „Ich war nicht beleidigt … Sein Konzept war wunderschön“, sagt er später.
Vandenhertz „gehörte zu den Vertretern seines Berufes, die mit großem Fingerspitzengefühl die Stadt weiterbauen und nicht ihre eigene Duftmarke als Bruch zum Historischen setzen wollen.“
Zu den von Vandenhertz in der DDR projektierten Objekten gehörten u. a. in Hennigsdorf das Kulturhaus „Wilhelm Florin“ des VEB Stahlwerk Hennigsdorf (1959)Ruth Pape u. a.: Bildende Kunst + Architektur. Baukatalog Teil 4, Potsdam, Magdeburg, Schwerin, Rostock, Neubrandenburg. Deutsche Bauakademie, Berlin 1972, S. 54. und mit Horst Görl († 2019) elfgeschossige Wohnhochhäuser im Stadtzentrum.Abbildung in Deutsche Architektur, Jahrgang 1969, Heft 9, S. 531.
Auch nach der deutschen Wiedervereinigung setzte Vandenhertz sich bis ins hohe Alter gegen Bausünden ein, die sich insbesondere gegen die charakteristische Potsdamer Stadtlandschaft oder Umweltschutzinteressen auswirken. Das betraf u. a. 1995 den Bebauungsplan für die zukünftige Nutzung des Geländes am Hauptbahnhof und 2012 die Pläne für eine Erweiterung der Siedlung Am Brunnen. Als Mitglied des Beirats Potsdamer Mitte war Vandenhertz maßgeblich am mehrjährigen Kampf für den Bau des Landtagsgebäudes mit historischer Fassade beteiligt.
Vandenhertz war bis 1990 Mitglied im Bund der Architekten der DDR und danach im Bund Deutscher Architekten, dessen Landesverband Brandenburg ihm die Ehrenmitgliedschaft verlieh.
Er wurde auf dem Neuen Friedhof Potsdam beigesetzt.
Weblink Potsdamer Architekt: Trauer um Günther Vandenhertz auf www.tagesspiegel.de
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