Die Fahne von Kriwoj Rog ist ein Fernsehfilm von B. K. Tragelehn nach dem Drehbuch von Inge und Heiner Müller von 1960.

Inhalt

Der Vorsitzende der KPD-Betriebszelle des Vitzthum-Kupferschachtes bei Gerbstedt Otto Brosowski bat die Bergleute im ukrainischen Steinkohlebergwerk bei Kriwoj Rog (Krywyj Rih) um Solidarität für ihre Arbeitskämpfe. Diese schickten darauf eine große rote Fahne mit goldbestickten Buchstaben. Diese wurde seitdem von den deutschen Bergleuten bei deren Arbeitskämpfen und Demonstrationen immer vorangetragen.

Die NSDAP und die SA versuchten ab 1933 mehrmals vergeblich, bei Überfällen und Hausdurchsuchungen diese Fahne zu finden, um sie danach öffentlich zu verbrennen. Otto Brosowski trat 1945 den Soldaten der Roten Armee bei deren Übernahme des Gebietes stolz mit der Roten Fahne entgegen.Helmut Höge, Das Bergbau- und Aufbereitungskombinat Kriwoi Rog, in taz vom 22. Oktober 2009 (Text), mit einer kurzen Inhaltszusammenfassung

Hintergründe

Der junge Theaterregisseur und Brecht-Schüler Bernhard Tragelehn erhielt 1959 für seine erfolgreiche Theaterinszenierung mit Schauspielstudenten Die Korrektur von Heiner Müller das Angebot des Deutschen Fernsehfunks für eine Studioinszenierung.Beutelschmidt, 2004, S. 104 Nach einiger Zeit zog der DFF das Angebot für dieses kritische Gegenwartsstück jedoch zurück und bot ihnen stattdessen eine Verfilmung des neu erschienenen Romans Die Fahne von Kriwoj Rog des Arbeiterschriftstellers und ZK-Mitglieds Otto Gotsche an, dem die Beteiligten dann zustimmten. Heiner Müller, seine Frau Inge und Bernd Tragelehn schrieben daraufhin ein stark verkürztes Drehbuch. Die Proben für die Live-Studioinszenierung gestalteten sich aber schwierig, da die meisten Schauspieler an Berliner Theatern angestellt waren und von den dortigen sich verändernden Terminen abhängig waren, wodurch die Besetzung kurzfristig noch einmal geändert werden musste.Beutelschmidt, 2004, S. 111–113, zu den beiden Besetzungslisten S. 79 Die Erstsendung fand am 6. Mai 1960 im Deutschen Fernsehfunk statt, Wiederholungen gab es wahrscheinlich nicht.

Die verschollen geglaubte Aufzeichnung wurde um 2000 zunächst ohne Tonspur im Deutschen Rundfunkarchiv wiederentdeckt und 2004 bei einer Gedenk-Veranstaltung zum 75. Geburtstag des Dichters mit einer Synchronlesung des Textes erstmals wieder aufgeführt.Die Fahne von Kriwoi Rog Klaus Gehre Später wurden auch Teile der Tonaufnahmen gefunden. Die Fahne von Kriwoj Rog blieb die einzige umgesetzte Fernseharbeit des Regisseurs und der Drehbuchautoren. (B. K. Tragelehn und Heiner Müller wurden für ihre nächste Theaterinszenierung Die Umsiedlerin oder Das Leben auf dem Lande mit langjährigen Entlassungen, Arbeitsverboten und Parteiausschlüssen bestraft.)

Die Fahne von Kriwoj Rog wurde 1967 von Kurt Maetzig durch die DEFA erneut verfilmt. 2021 gab es eine neue Theaterinszenierung nach dem Text von Inge und Heiner Müller an verschiedenen historischen Orten im Mansfelder Land unter der Regie von Benjamin Zock.Lara Wenzel, Wenn die roten Fahnen wehen, in nd vom 25. Juli 2021 (Text), auch in Die Fahne von Kriwoj Rog Theatris

Literatur Thomas Beutelschmidt: Die Fahne von Kriwoj Rog. In: ders., Rüdiger Steinlein (Hrsg.): Realitätskonstruktion. Faschismus und Antifaschismus in Literaturverfilmungen des DDR-Fernsehens . Leipziger Universitätsverlag 2004. S. 53–116 Klaus Behre: Vom Winde verweht. "Die Fahne von Kriwoj Rog" in Müllers Fernsehbearbeitung. In Frank Hörnigk (Hrsg.): Kalkfell zwei. Theater der Zeit, Berlin 2004. S. 32–34 Frank Hörnigk (Hrsg.): Heiner Müller. Stücke 4. Rowohlt Frankfurt am Main 1998, Neuauflage 2004, mit dem Text des Szenariums

Weblinks Die Fahne von Kriwoj Rog Klaus Gehre, mit Szenenfoto Die Fahne von Kriwoj Rog Fernsehen der DDR (Memento)

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1960 Kategorie:Fernsehfilm (DDR) Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:Literaturverfilmung Kategorie:Arbeiterbewegung (Deutschland) Kategorie:Kommunistische Partei Deutschlands Kategorie:Gerbstedt Kategorie:Krywyj Rih Kategorie:Heiner Müller