mini|Casa do Rabaçal Rabaçal ist ein Ort in der Gemeinde Calheta im Hochland der portugiesischen Atlantikinsel Madeira. Der Name wird vielfach auch für die umliegende Region verwendet. Das wald- und wasserreiche Gebiet mit zahlreichen Quellen und Wasserfällen wird von der Ribeira da Janela und mehreren Levadas entwässert. Wegen ihrer landschaftlichen Schönheit sind die Wanderwege entlang der schmalen Wasserkanäle einer der größten touristischen Anziehungspunkte Madeiras. Mit von Moos gepolsterten Waldböden, wuchernden Farnen und von den Bäumen herabhängenden Flechten werden die Wälder um Rabaçal vielfach als verwunschener Märchenwald wahrgenommen.

Der Lorbeerwald in der Region ist seit 1999 UNESCO-Welterbe.

Lage Rabaçal befindet sich auf 1065 Meter bis 1280 Meter Höhe westlich der Hochebene Paul da Serra zwischen den Quellflüssen Ribeira da Janela und Ribeira do Alecrim.Wander- und Freizeitkarte Madeira. 1:30.000. Freytag & Berndt, 2024. ISBN 978-3-7079-2242-4 Im Nordosten liegt das für seine Stinklorbeerbäume bekannte Fanal. Nach Süden fällt das Hochland in unzähligen Tälern zur Küste ab.

Die Region Rabaçal ist unbesiedelt. Nächste größere Ortschaften sind im Süden das zwölf Kilometer entfernte Calheta, im Westen Prazeres (14 Kilometer) und im Nordwesten Porto Moniz (24 Kilometer).

Geschichte mini|hochkant|Cascata do Risco (Postkarte, ca. 1919–1929) Um den Wasserreichtum im Hochland nutzbar zu machen, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Bau von schmalen Kanälen begonnen, in denen das Wasser hinab auf die Felder an der trockeneren Südküste geleitet wurde.Burkhard Berger: Madeira. Bruckmann Verlag, München 1998, ISBN 3-7654-3332-2, S. 52 Als erste Levada wurde 1855 die Levada Velha do Rabaçal fertiggestellt, die man später durch die Levada do Risco ersetzte.

Mit dem Bau der Levada das 25 Fontes und Levada do Alecrim entstand ein ausgeklügeltes, doch im Prinzip einfaches System der Wassernutzung. Seit 1953 wird mit Wasser aus dem Quellgebiet von Rabaçal auch das Wasserkraftwerk von Calheta betrieben.

Die Wartungswege neben den selten mehr als meterbreiten Kanälen machten es möglich relativ bequem ins Inselinnere vorzudringen. Die ersten Touristen, vornehmlich Engländer, besuchten schon Ende des 19. Jahrhunderts die Quellregion von Rabaçal. Mit dem wachsenden Zustrom von Feriengästen ab den 1970er-Jahren avancierte Madeira in Europa zu einem der beliebtesten Wanderziele. Gutes Wetter vorausgesetzt sind allein an der Levada das 25 Fontes, Madeiras bekanntester Levada, täglich mehr als 500 Wanderer unterwegs.

Zugang mini| Wanderschild Anlaufpunkt ist die Casa do Rabaçal, ein ehemaliges Forsthaus, in dem sich heute eine moderne Cafeteria und ein kleiner Beherbergungsbetrieb befinden. Von dem 1280 Meter hoch gelegenen Parkplatz an der Regionalstraße ER 105, die Rabaçal mit dem Paul da Serra im Osten und Porto Moniz im äußersten Nordwesten der Insel verbindet, führt ein zwei Kilometer langes kurvenreiches Sträßchen zu der in einem Tal gelegenen Casa do Rabaçal hinab. Es ist für den öffentlichen Verkehr gesperrt, Wanderer erreichen die Casa do Rabaçal entweder in einer halben Gehstunde oder mit einem täglich verkehrenden kostenpflichtigen Pendelbus.

An der Casa do Rabaçal beginnen die Wanderwege entlang der Levada do Risco und der Levada das 25 Fontes. Erstere hat den Risco-Wasserfall (port. Cascata do Risco) zum Ziel. Der Weg entlang der je nach Tageszeit extrem stark frequentierten Levada das 25 Fontes führt zu einem wildromantischen Quelltümpel. Um den Besucherandrang zu entzerren, wurde nach dort auf dem teils sehr eng an einer steilen Felswand entlang führenden Wanderpfad von der Forstbehörde eine Einbahnregel eingerichtet.

Ein alternativer Zugang befindet sich an der ER 211 an einer Rasthütte in Richtung Calheta. Von dort wird durch den 800 Meter langen Tunel do Cavalho (dt. Reitertunnel) die Levada das 25 Fontes erreicht, von der zur Casa do Rabaçal aufgestiegen werden kann.

Die Levadawanderungen in dem Gebiet sind kostenpflichtig, sie können auf einem von der Inselregierung betriebenen Reservierungsportal im Voraus gebucht werden.

Vegetation mini|hochkant|Storchschnabelgewächse an der Levada 25 Fontes mini|hochkant|Madeira-Knabenkraut Die Region wird von einem subtropischen Bergwald eingenommen, in dem u. a. verschiedene Lorbeerbäume, Gagelbäume (Myrica faya) und Baumheide (Erica arborea) vorkommen. Der Unterwuchs zeichnet sich durch eine artenreiche Flora mit etlichen endemischen Arten aus, etwa Madeira-Knabenkraut (Dactylorhiza foliosa), Madeira-Cinerarie (Pericallis aurita), Madeira-Teline (Teline maderensis) sowie zwei Arten aus der Familie der Storchschnabelgewächse.Rolf Goetz: Madeiras Flora. Bergverlag Rother, München 2022, ISBN 978-3-7633-6103-8Roberto Jardim, David Francisco: Flora Endémica da Madeira. Múchia Publicações, Funchal 2000, ISBN 972-8622-00-7

Levadas und Wasserfälle im Quellgebiet Rabaçal

Rabaçal als Drehort Rabaçal diente als Drehort für den Stummfilm O Fauno das Montanhas (dt. Der Faun der Berge) des portugiesischen Regisseurs Manuel Luís Vieira, in dem Rabaçal zur Kulisse einer von Feen und Faunen bewohnten Fantasiewelt wird. Der Film wurde 1928 in Funchal uraufgeführt, von der französischen Avantgarde beeinflusst gilt er als ein Klassiker des portugiesischen Fantasyfilms.

In der US-amerikanischen Fernsehserie The Acolyte (2024) werden die Lorbeerwälder von Rabaçal zum Handlungsschauplatz auf einem fremden Planeten.

Literatur Madeira. Eine kurze illustrierte Geschichte. Madeira Story Centre, Funchal 2009, ISBN 978-989-95535-0-7. Peter Sziemer: Eine kurze Naturgeschichte Madeiras. Francisco Ribeiro & Filhos, Funchal 2001, ISBN 972-9177-30-9.

In der Nähe Fanal

Weblinks

Welterbeliste

Einzelnachweise

Kategorie:Geographie (Madeira) Kategorie:Wanderweg in Portugal Kategorie:Calheta (Madeira)