mini|Pfarrer Burkard Jurt, um 1858 Burkard Jurt (* 23. Mai 1822 in Luzern; † 7. Juli 1900 in Basel) war ein Schweizer römisch-katholischer Theologe, Pfarrer und Kanzelredner. Ab 1883 war er päpstlicher Hausprälat.
Jugendzeit und Ausbildung Burkard Jurt, von Neudorf, wurde 1822 im Obern Grund zu Luzern geboren und in der Hofkirche getauft. Seine Eltern waren Leonz Kasimir Jurt, der in Luzern als Schreiner arbeitete, und Maria Katharina Grüter. Burkard besuchte die Primarschule in Maria Hilf und anschliessend die Sekundarschule am Kapellplatz. 1836–1842 war er Schüler des Luzerner Gymnasiums, wo ihn insbesondere Professor Ignaz Rölly (1806–1894) förderte. Einen Teil der Studienkosten verdiente er sich durch Privatunterricht in herrschaftlichen Familien.
Nach Absolvierung des zweijährigen Philosophiekurses am erzbischöflichen Priesterseminar in Mailand studierte Jurt 1844–1847 in Luzern Theologie. Wie andere Theologiestudenten meldete er sich freiwillig zum Militärdienst und erlebte den Sonderbundskrieg im November 1847 als Sekretär in der Kanzlei des Generalstabs der Sonderbundstruppen. Am 24. April 1848 wurde er vom Basler Diözesanbischof Joseph Anton Salzmann zum Priester geweiht.
Vikar und Kaplan in Malters Von 1848 an wurde Malters (Kanton Luzern) für fast zehn Jahre Jurts Wirkungsfeld, zunächst unter Pfarrer Paul Höltschi (1799–1853), der ihm stets als wohlwollender Ratgeber zur Seite stand. Nach dem Tod von Pfarrer Höltschi kandidierte er für das Pfarramt in Malters. Die liberal gesinnte Luzerner Regierung verweigerte jedoch dem ehemaligen Soldaten des Sonderbundes ihre Zustimmung. Jurt blieb vorerst als Kaplan in Malters tätig.
Die Wahl nach Basel Beim Tod des Pfarrers Sebastian von Büren (1793–1857) sah sich die Vorsteherschaft der Basler katholischen Gemeinde konfrontiert mit den Ansichten kritisch denkender, liberaler Pfarreimitglieder. Die Lage war im Dezember 1857 so angespannt, dass sich die Regierung des protestantischen Kantons Basel-Stadt in die Abwicklung der katholischen Pfarrwahl einschaltete. Führend bei den Unterhandlungen war Ratsherr Adolf Christ (1807–1877), Bandfabrikant und einflussreicher politischer Vertreter des «Frommen Basel». Diözesanbischof Karl Arnold-Obrist (1796–1862) verbürgte sich für seinen als loyal beurteilten Kaplan in Malters. Am 24. Januar 1858 wählten die Vorsteher der katholischen Gemeinde unter dem Vorsitz des Ratsherrn Christ erwartungsgemäss Kaplan Burkard Jurt zum neuen Pfarrer.
Pfarrer in Basel Die über 42-jährige Amtszeit lässt sich in drei Abschnitte unterteilen: die Jahre unter dem katholikenfreundlichen Ratsherrenregime (1858–1874), die Zeit des Kulturkampfs (1874–1884) und, nach der Schliessung der katholischen Schule, die Jahre beginnender katholischer Milieubildung (1884–1900). In diesem Zeitraum wuchs Basels katholische Bevölkerung von 8000 auf rund 37´000 Seelen an. Zunächst standen der Umbau der Clarakirche, die Erweiterung der katholischen Schule und der Plan zu einem katholischen Spital an. Die Sorgen des ersten Jahrzehnts bildeten den Hintergrund einer regelmässigen Briefkorrespondenz mit der in München lebenden Basler Malerin und Konvertitin Emilie Linder.
Der Wirbel um die von den liberalen Kantonsregierungen betriebene Absetzung des Bischofs von Basel Eugène Lachat leitete den schweizerischen Kulturkampf ein. Jurt hielt dem Bischof vorbehaltlos die Treue. Für den Pfarrer in Basel war entscheidend: Ein Bischof kann nicht durch staatliche Behörden seines geistlichen Amtes enthoben werden. Diese Haltung entsprach der ultramontanen Auffassung der Zeit.
Burkard Jurt wandte sich entschieden gegen die christkatholische Bewegung, die er nicht als legitime Reform, sondern als Abspaltung von der Kirche verstand; die Bewegung konstituierte sich 1875 als Christkatholische Kirche der Schweiz. Rund 2000 Mitglieder seiner Pfarrei schlossen sich der von der Regierung geförderten christkatholischen Gemeinde an. Jurt begegnete dieser Entwicklung nicht mit politischen Mitteln, sondern setzte auf vier Schwerpunkte: eine intensive Seelsorge, Predigten über die Einheit der Kirche, den Ausbau katholischer Vereine sowie die Förderung der katholischen Presse. 1873 unterstützte er die Gründung des «Basler Volksblatts», das den römisch-katholischen Standpunkt darlegen und die Gläubigen gegenüber der christkatholischen Bewegung stärken sollte. Seine Strategie erwies sich aus römisch-katholischer Sicht als erfolgreich.
Nach der 1884 staatlicherseits angestossenen Aufhebung der katholische Schule lenkte Pfarrer Jurt die frei werdenden finanziellen Mittel in den Bau der Marienkirche auf der Grossbasler Seite. Mit seiner beharrlichen Förderung des katholischen Gemeindelebens, durch seine Predigten und seinen Einsatz für Vereine und katholische Medien wurde Burkard Jurt zur prägenden Gestalt des Basler Katholizismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Römisch-katholischer Geistlicher (19. Jahrhundert) Kategorie:Römisch-katholischer Theologe (19. Jahrhundert) Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1822 Kategorie:Gestorben 1900 Kategorie:Mann