Aram Arnavoudian (; Künstlername: Aram Alban, ; geb. 30. Juli 1883 in Konstantinopel; gest. 4. März 1961 in Kairo) war ein osmanisch-armenisch-ägyptischer Porträtfotograf. Er hatte zeitweilig Fotoateliers in Alexandria, Brüssel, Paris und Kairo.
Zusammen mit den deutlich jüngeren armenischen Fotografen Armenak Arzrouni (Künstlername: Armand; 1901–1963) und Levon Boyadjian (Künstlername: Van Leo, 1921–2002) gehörte er zu den Fotografen, die in Ägypten durch ihre fotografischen Experimente bekannt und auch stilbildend wurden.
Lebensweg
Aram Arnavoudian stammte aus einer armenischen Mittelschicht-Familie. Der Familienname Arnavoudian leitet sich wahrscheinlich von dem türkischen Begriff 'Arnavut'vgl.: Arnavutköy (Istanbul) her, das 'Albaner' bedeutet; der armenische Name 'Arnavoudian' ließe sich etwa mit 'Albaner-Sohn' oder 'Abkömmling eines Albaners' ins Deutsche übersetzen. Dies gab Anlass für Aram Arnavoudians späteren Künstler- und Studionamen 'Alban'.
Aram Arnavoudian erhielt neben einer guten Schulbildung auch Unterricht in bildender Kunst und Musik. Für Fotografie interessierte er sich schon als Jugendlicher. Seine Familie zog etwa 1893 von Konstantinopel nach Alexandria in Ägypten. Aram Arnavoudian ging dort bei den Fotografen Belian und Tachjian in die Lehre. Um 1910 eröffnete Alban sein eigenes Fotostudio. Von mehreren Reisen nach Europa brachte Arnavoudian die neuesten Trends der europäischen Fotografie mit nach Ägypten, darunter den Piktorialismus, und eignete sich den weichzeichnenden Stil deutscher und französischer Porträtfotografen dieser Zeit an. Porträtfotos, die den Dargestellten künstlerisch inszenieren, statt ihn nüchtern zu dokumentieren, waren gefragt und sicherten dem Studio Alban raschen Erfolg. Anfang der 1920er Jahre überließ Aram Alban sein Atelier in Alexandria seinem Assistenten Apkar Retian und zog nach Europa. Alban ging zunächst nach Mailand (er bewunderte offenbar den italienischen futuristischen Porträtfotografen Gustavo Bonaventura; 1882–1966)About Aram Alban, Biography. In: invaluable.com, online. Dann eröffnete Alban ein Atelier in Brüssel; wenige Jahre später in Paris.
Die Pläne zum Umbau einer Pariser Wohnung in das Fotostudio, in dem Alban in den folgenden Jahren in Paris tätig war, zeichnete im Jahr 1926 der armenisch-US-amerikanische Architekt Gabriel Guevrekian (1892 oder 1900–1970).Hamed Khosravi, The Elusive Modernist, Hatje Cantz 2020, ISBN 9783775744331, 3775744339, S. 26, online; Auszugsansicht
Alban beherrschte vier Sprachen fließend. Als versierter Musiker und geistreicher Geschichtenerzähler fiel es ihm nicht schwer, Aufträge aus der Welt der Mode, des Theaters, des Films und des Adels zu erhalten. Zu seinen Kunden zählten unter anderem die Königin von Belgien, Elisabeth Gabriele in Bayern.
In den 1930er Jahren war Arnavoudian besonders vom Surrealismus inspiriert und experimentierte mit Techniken wie Doppelbelichtungen, Solarisation und verfremdenden Bildausschnitten. Er brachte gern durch Schattenwurf Spannung in seine Bilder. Seine Aufnahme in die bekannte, von Albert Mentzel und Albert Roux herausgegebene Anthologie „Formes Nues“ von 1935, in der er neben Man Ray, Brassaï, František Drtikol, André Kertész, László Moholy-Nagy, Binia Bill und Dora Maar vertreten war, festigte seinen Ruf als internationaler Meister.
Der Zweite Weltkrieg veranlasste Alban im Jahr 1940 dazu, aus Europa nach Alexandria zurückzukehren. Da er in Alexandria nicht mit seinem früheren Assistenten Apkar Retian konkurrieren wollte, verlegte Alban sein Atelier schon bald nach Kairo. Sein avantgardistischer, sinnlicher und modernistischer Stil, den er in Europa entwickelt hatte, beeinflusste auf die Werke seiner lokalen, hauptsächlich armenischen Konkurrenten; Fotografen wie Van Leo und Armand. Einer von Albans Schülern, der in Alexandria geborene Armenier Andranik Kochar (1919–1984), der 1946 in das sowjetische Armenien zog, exportierte dorthin die stilistischen Einflüsse aus Kairo und modernisierte so die bis dahin etwas rückständige Fotografie in der armeninischen SSSR.
Im Jahr 1944 lernte Aram Alban Chaké kennen, die zunächst seine Assistentin wurde und die er 1954 heiratete. Zum Kundenkreis der Arnavoudians zählten Europäer und die ägyptische Oberschicht, darunter König Faruq und andere Mitglieder des ägyptischen Königshauses.
Nach Aram Albans Tod im Jahr 1961 führte seine Frau das Studio bis Anfang der 1970er Jahre unter dem Namen „Alban, Chaké“ weiter.
Albans Rolle in der sogenannten „Kairoer Schule“ der Fotografie war nicht unbedeutend. Als Mentor mehrerer armenischer Fotografen in der Diaspora gilt er, neben den Abdullah Frères und Andranik Kochar, als eine der Vaterfiguren der armenischen Fotografie. Sein Werk nutzte das künstlerische Potenzial der Fotografie und brachte orientalische und europäische Einflüsse zusammen.
Literatur Aram Alban. In: Armenian Photography Foundation, Lusadaran website, online About Aram Alban, Biography. In: invaluable.com, online
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Porträtfotograf Kategorie:Fotograf (20. Jahrhundert) Kategorie:Armenier Kategorie:Ägypter Kategorie:Geboren 1883 Kategorie:Gestorben 1961 Kategorie:Mann