Bernd Wladika (* 1984) ist ein deutscher Musikwissenschaftler und Fachautor.
Leben und Wirken Wladika studierte nach dem Abitur am Gymnasium Moltkestraße in Gummersbach Musik (Schwerpunkte: Musikwissenschaft, Musikvermittlung und künstlerisches Hauptfach Klavier) an der Technischen Universität Dortmund und beendete das Studium mit dem Bachelor of Arts. Anschließend absolvierte er ebenfalls an der Technischen Universität Dortmund ein Studium der Kulturanalyse und Kulturvermittlung, das er mit einem Master of Arts beendete. Parallel dazu absolvierte er an der Universität Münster ein Studium der Musikwissenschaft und schloss dieses mit einem weiteren Master of Arts ab. Dabei wurde er von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster mit einem Deutschlandstipendium des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert.
Tätigkeit als Autor Während seiner Studienzeit begann er seine Tätigkeit als Autor. Er veröffentlicht Rezensionen zu Musikveröffentlichungen und musikwissenschaftlicher Fachliteratur. Wladikas Kritiken werden von Künstlern, Verlagen und Labels regelmäßig zitiert. Heute ist er unter anderem als Autor von CD- und DVD-Booklettexten tätig. Darüber hinaus schreibt er Beiträge für Fachmagazine mit dem Fokus auf musikgeschichtlichen Themen. Auch als Autor von Programmhefttexten diverser Orchester und Konzerthäuser (darunter Sächsische Staatskapelle Dresden, Konzerthaus Dortmund, Festspielhaus Baden-Baden) tritt er gelegentlich in Erscheinung.
Tätigkeit als Musikwissenschaftler Als Musikforscher widmet sich Wladika vor allem der Instrumentalmusik des 18., 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Schwerpunkte sind dabei die Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy und Max Bruch. Zu Max Bruch, der in der Musikwissenschaft im Vergleich zu den bekannten Komponisten nur wenig erforscht ist, betreibt Wladika ein eigenes Forschungsprojekt, zu dem auch ein in Münster angesiedeltes Dissertationsprojekt gehört. Hervorgegangen sind daraus mehrere Reprint-Noteneditionen mit Werken von Bruch, die von Wladika jeweils mit umfassenden Einführungstexten in ihrer Entstehung und Rezeption eingeordnet wurden. Für seine Studie zu Einflüssen Ludwig van Beethovens auf das Violinkonzert Nr. 1 in g-Moll op. 26 von Max Bruch wurde er im September 2025 mit dem Tonkunst-Preis für Musikwissenschaft ausgezeichnet. Mit der prämierten Studie konnte Wladika nachweisen, dass sich Bruch in seinem berühmtesten Werk, dem Violinkonzert Nr. 1 in g-Moll op. 26, sowohl bei der Werkeröffnung als auch bei der motivisch-thematischen Arbeit an Beethoven orientiert hat. Gleichzeitig konnte er damit einen von Bruch selbst in einem Brief gegebenen Hinweis auf Bezüge zu Beethoven mehr als 150 Jahre nach Entstehen des Werkes aufklären. Die internationale Fachjury würdigte die Studie, mit der es Wladika zudem gelungen ist, eine ältere Forschungsthese diametral zu widerlegen, „als innovativen und quellennahen Beitrag zur Beethoven- und Bruch-Forschung, der über den Einzelfall hinaus Fragen des Traditionsbezugs im 19. Jahrhundert neu akzentuiert.“ Wladika ist der bislang vierte Träger des seit dem Jahr 2017 alle zwei bis vier Jahre vergebenen Forschungspreises. Darüber hinaus wurde Wladika als Referent zu Vorträgen eingeladen, so etwa im November 2024 ins Schloss Sondershausen (Thüringen) wo er seine Forschungen zu Bruchs Verehrung für Felix Mendelssohn Bartholdy in der dortigen Vortragsreihe "Aufgeschlossen" der Öffentlichkeit präsentierte. Diese Forschungsergebnisse wurden ein Jahr später in den Mendelssohn-Studien, einer von der Berliner Mendelssohn-Gesellschaft herausgegebenen Sammelbandreihe, publiziert.
Weitere Schwerpunkte von Wladikas Arbeit sind musikästhetische Fragestellungen, die Interpretationsforschung und die Musikvermittlung. Seit 2022 geht Wladika einer Lehrtätigkeit nach und hält gelegentlich musikwissenschaftliche Fachvorträge.
Schriften
Editionen Max Bruch: Leonidas op. 66. Ziethen: Höflich 2025. Max Bruch: Frithjof. Szenen aus der Frithjof-Sage von Esaias Tegnér für Männerchor, Solostimmen und Orchester op. 23. Ziethen: Höflich 2025. Emile Waldteufel: Les Patineurs op. 183, München: Höflich 2022. Johannes Brahms: Ungarische Tänze Nr. 5 & 6, orchestriert von Albert Parlow, München: Höflich 2022. Friedrich II. von Preußen („der Große“): Sämtliche Flötenkonzerte. München: Höflich 2022. Camille Saint-Saëns: Caprice andalous für Violine und Orchester op. 122. München: Höflich 2018. Max Bruch: Gustav Adolf. Oratorium für Chor, Solostimmen, Orchester und Orgel op. 73. München: Höflich 2017. Johannes Brahms: Ungarische Tänze Nr. 17–21, orchestriert von Antonín Dvořák. München: Höflich 2017. Max Bruch: Adagio appassionato für Violine und Orchester in f-Moll op. 57. München: Höflich 2017. Max Bruch: Romanze für Violine und Orchester in a-Moll op. 42. München: Höflich 2017. Max Bruch: Konzert für zwei Klaviere und Orchester in as-Moll op. 88a. München: Höflich 2016. Anton Rubinstein: Violinkonzert in G-Dur op. 46. München: Höflich 2016. Max Bruch: Serenade für Violine und Orchester in a-Moll op. 75. München: Höflich 2016.
Größere Booklettexte Ein Meilenstein in Brahms' Werdegang: Ein Deutsches Requiem op. 45. Für: Johannes Brahms: Ein Deutsches Requiem. Wiener Singverein, Wiener Philharmoniker, Christian Thielemann (Ltg.), Elsa Dreisig (Sopran), Michael Volle (Bariton), DVD, Unitel / C Major 2024. Alle Booklettexte für die Gesamteinspielung von Richard Wagners Ring des Nibelungen an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin (2022): Wagners Rheingold: Der Auftakt zu einem beispiellosen Ausnahmewerk. Für: Richard Wagner: Das Rheingold. Die Walküre: Der zweite Teil von Wagners opus summum. Für: Richard Wagner: Die Walküre. Siegfried: Der dritte Teil von Wagners größtem Epos. Für: Richard Wagner: Siegfried. Götterdämmerung: Der Abschluss eines monumentalen Kunstwerks. Für: Richard Wagner: Götterdämmerung.
Allesamt: Staatsoper Unter den Linden Berlin, Dmitri Tcherniakov (Regie), Staatskapelle Berlin, Christian Thielemann (Ltg.), 4 DVD-Ausgaben, Unitel / C Major 2024. Ein unsterblicher Operettenkomponist: Franz Lehár. Für: „Dein ist mein ganzes Herz“. The most beautiful melodies by Franz Lehár. Wiener Symphoniker, Manfred Honeck (Ltg.), Camilla Nylund (Sopran), Piotr Beczała (Tenor), Michael Schade (Tenor), CD/DVD, Unitel / Hänssler 2022. Zwei musikhistorische Schwergewichte: Wagner und Bruckner. Für: Richard Wagner: Wesendonck-Lieder, orch. von Felix Mottl / Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 4. Wiener Philharmoniker, Christian Thielemann (Ltg.), Elīna Garanča (Mezzo-Sopran), DVD, Unitel / C Major 2021. Ein Streifzug durch die Romantik. Für: Johannes Brahms: Doppelkonzert für Violine und Violoncello im a-Moll op. 102 / Pyotr Ilyich Tchaikovsky: Romeo und Julia - Fantasie-Ouvertüre / Franz Liszt: Les Préludes. Sächsische Staatskapelle Dresden, Christian Thielemann (Ltg.), Lisa Batiashvili (Violine), Gautier Capuçon (Violoncello), DVD, C Major / Unitel 2021. Seiji Ozawa – Ein Leben im Dienste der Musik. Für: Seiji Ozawa. Div. Werke von Beethoven, Schubert, Brahms, Gershwin (DVD-Box). Saito Kinen Orchestra, Berliner Philharmoniker, Seiji Ozawa (Ltg.), Anne-Sophie Mutter (Violine), 5 DVDs, EuroArts 2020. Neun Mal die Neunte Symphonie. Für: Ludwig van Beethoven: 9 x Symphony No. 9 (DVD-Box). Jascha Horenstein (Ltg.), Orchester National, Choirs de la RTF / Otto Klemperer (Ltg.), New Philharmonic Orchestra and Chorus / Herbert von Karajan (Ltg.), Berliner Philharmoniker, Chor der Deutschen Oper Berlin / u. a., 9 DVDs, EuroArts 2020. Ein monumentales Werk an einem monumentalen Ort. Für: Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 2 Auferstehungssinfonie. Münchner Philharmoniker, Gustavo Dudamel (Ltg.), DVD, Unitel 2020. Im Schatten des „Riesen“: Johannes Brahms als Sinfoniker. Für: Johannes Brahms: The complete Symphonies (DVD-Box). Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Paavo Järvi (Ltg.), 2 DVDs, C Major / Unitel 2019.
Einzelnachweise
Kategorie:Musikwissenschaftler Kategorie:Autor Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1984 Kategorie:Mann