Die vier Beisebrücken sind Eisenbahnbrücken im hessischen Schwalm-Eder Kreis, welche den Beisebach überqueren. Im Zuge des Baus der strategischen „Kanonenbahn“ Berlin–Metz wurden diese Viadukte entlang des Teilabschnitts Leinefelde–Treysa ursprünglich zum Transport von Militärgütern erbaut. Die Brücken befinden sich größtenteils sehr nah beieinander.

Alle vier Beisebrücken sind als steinerne Bogenbrücken ausgeführt. Die vierte Beisebrücke ist hierbei am Größten ausgefallen, während die restlichen drei Viadukte etwas kleiner angelegt wurden. Die Viadukte zählen zu den Kunstbauwerken der technisch anspruchsvollen Bahnstrecke Leinefelde–Treysa.

Lage Während die II.–IV. Beisebrücke relativ nah beieinander nördlich von Niederbeisheim in einem etwa 1 km langen Streckenabschnitt im Beisetal aufeinanderfolgen, befindet sich die I. Beisebrücke weiter südlich von Niederbeisheim, wobei die Bahnstrecke einen 270° Bogen um den Ort macht.

Geschichte Um das flache Höhenprofil für schwere Militärzüge zu sichern, durfte die Kanonenbahn keine engen Kurven oder starken Steigungen haben. Da sich der Bach im engen Beisetal aber stark schlängelt, konnten die Gleise nicht einfach parallel zum Gewässer verlegt werden. Deshalb baute man die Schienen an dieser Stelle in einer möglichst geraden Linie mitten durch das Tal. Dadurch überquerte die Trasse den kurvigen Bachverlauf mehrmals, was die 4 Brücken kurz hintereinander notwendig machte.

Die Viadukte wurden im Laufe der 1870er Jahre mithilfe von ausländischen Arbeitern (z. B. aus Galizien, Italien, Kroatien) errichtet und am 1. August 1879 mit der Eröffnung des Streckenabschnitts Malsfeld–Treysa in Betrieb genommen.Reinhold Salzmann: Die Kanonenbahn. Geschichte und Schicksal eines großen Bahnprojekts. In: Rund um den Alheimer, Band 34, 2013, S. 6–23. Online (PDF) Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2004, ISBN 3-932554-98-1. Daraus resultierten folgende Einzelkosten:

Beisebrücke I: 63.395 M Beisebrücke II: 56.942 M Beisebrücke III: 47.791 M Beisebrücke IV: 109.576 M

Insgesamt verschlangen die vier Viadukte einen Betrag von 277.704 Mark.Zeitschrift für Bauwesen 1880 S. 455.

Die Schalllöcher, welche an den Pfeilern seitlich angebracht waren und der Entwässerung dienten, wurden im Laufe der Zeit zugemauert. 1906 wurde das zweite Gleis auf dem befindlichen Abschnitt Malsfeld–Oberbeisheim verlegt, um einen raschen Militärtransport im Falle eines Krieges mit Frankreich zu gewährleisten. Es ist anzunehmen, dass während des Ersten Weltkriegs Brückenwachen stationiert waren. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg wurde das zweite Gleis der Strecke unter den Bedingungen des Versailler Vertrags 1919/1920 demontiert. Des Weiteren überstanden alle Brücken beide Weltkriege ohne größere Schäden, was vermutlich der eher abgelegeneren Lage im Beisetal zu verdanken ist.

Konstruktion Vorab ist zu erwähnen, dass jede der vier Brücken 3 Bögen besitzt und als Bogenviadukt aus Buntsandstein, welcher aus lokalen Brüchen stammt, ausgeführt ist. Außerdem sind alle Viadukte auf zweigleisige Breite ausgelegt und besitzen ebenso Stützmauern gegen Hochwassergefahr. Sie unterscheiden sich lediglich in Höhe, Länge sowie der Spannweiten der einzelnen Bögen.

Beisebrücke I

Die erste Beisebrücke besitzt eine Gesamtlänge von 37,96 m und eine Gesamthöhe von 15,25 m. Die Spannweite der zwei äußeren Bögen beträgt 9,5 m, die des mittleren Bogens 11,0 m mit dem die Beise überspannt wird. Zusätzlich wird einer der äußeren Bögen verwendet, um einen Feldweg zu überqueren.

Noch am Rande zu erwähnen ist hierbei die kleine Brücke über die L 3254 bei Niederbeisheim, welche ebenfalls in drei kleineren Bögen ausgeführt ist und ganz in der Nähe der ersten Beisebrücke liegt.

Beisebrücke II

Die zweite Beisebrücke besitzt eine Gesamtlänge von 39,40 m und eine Gesamthöhe von 13,84 m. Die Spannweite der zwei äußeren Bögen beträgt 9,5 m, die des mittleren Bogens 11,0 m, mit dem die Beise überspannt wird. Der Viadukt ist in der Größe, der ersten Beisebrücke fast identisch.

Beisebrücke III mini|Beisebrücke III in Zeitschrift für Bauwesen 1880 Die dritte Beisebrücke besitzt eine Gesamtlänge von 44,60 m und eine Gesamthöhe von 14,20 m. Die Spannweite aller drei Bögen beträgt 12,0 m. Der mittlere Bogen wird zur Überquerung der Beise genutzt, während einer der äußeren Bögen einen Feldweg überwindet.

Beisebrücke IV mini|Beisebrücke IV in Zeitschrift für Bauwesen 1880 Die vierte Beisebrücke besitzt eine Gesamtlänge von 53,00 m und eine Gesamthöhe von 24,00 m. Die Spannweite der zwei äußeren Bögen beträgt 13,5 m, die des mittleren Bogens 16,0 m. Der Viadukt überspannt ausschließlich die Beise und ist das größte Bauwerk unter den vier Beisebrücken, vergleichbar etwa so groß wie der Unstrut-Viadukt im Eichsfeld.

Heutiger Zustand Nach der Einstellung des Güterverkehrs auf dem Abschnitt Malsfeld–Treysa 1988 verloren die Viadukte ihre ursprüngliche Funktion. Die Gleise wurden in den folgenden Jahren demontiert. Seitdem übernimmt die Vegetation weiter die Überhand, wodurch man die Brücken teilweise nur noch schwer erkennen kann. Die vier Brückenbauwerke stehen unter Denkmalschutz.

Weblinks

vergessene-bahnen.de – Bilder aller vier Viadukte, jedoch in umgekehrter Reihenfolge nummeriert knuelltouristik.de – Informationen zur Kanonenbahn

Einzelnachweise

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