Die Hitzewelle in Europa im Juni 2026 war die zweite von mehreren europäischen Hitzewellen des Jahres. Beginnend etwa zur Monatsmitte kam es zu einer anhaltenden, intensiven Hitzewelle, die weite Teile des Kontinents betraf und bei der die Temperaturen infolge einer Omegalage auf teils mehr als 40 °C anstiegen. In zahlreichen Staaten kam es zu neuen Temperaturhöchstwerten, zahlreichen tropischen Nächten und hitzebedingten Todesfällen.
Die Weltmeteorologiebehörde sprach von einer „außergewöhnlichen Hitzewelle“, die zahlreiche Rekorde gebrochen habe und unter anderem große Auswirkungen auf menschliche Gesundheit, Ökosysteme, Landwirtschaft, Infrastrukturen und Arbeitsproduktivitäten gehabt habe. Insgesamt seien mehr als 150 Millionen Menschen betroffen gewesen.Record-breaking heat spreads through Europe . Weltmeteorologiebehörde. Abgerufen am 30. Juni 2026. Erste wissenschaftliche Schätzungen vom Juli 2026 gehen davon aus, dass mehr als 20.000 Menschen durch die Hitzewelle ums Leben gekommen sein könnten.UK swelters in third heatwave of the year as western Europe counts cost of hottest-ever June. In: The Guardian, 9. Juli 2026. Abgerufen am 10. Juli 2026.
Der Deutsche Wetterdienst hielt fest, dass es sich bei der Hitzewelle um ein Extremereignis gehandelt habe, das „ohne Umschweife als historisch eingestuft werden“ könne. Dabei verweist er u. a. darauf, dass es in Deutschland und auch weiten Teilen Europas noch nie seit Aufzeichnungsbeginn „eine solch lange und intensive Hitzewelle so früh im Sommer gegeben“ habe.Eine Hitzewelle für die Geschichtsbücher – Eine erste vorläufige Bilanz. Deutscher Wetterdienst. Abgerufen am 29. Juni 2026.
Die Weltgesundheitsorganisation nannte die Hitzewelle eine „Generalprobe“ für zukünftige europäische Sommer, die „noch schwieriger“ würden, und erklärte, dass es während der Hitzewelle zu Rekordzahlen bei Rettungsdiensteinsätzen gekommen sei.WHO: Hitzewelle ist Generalprobe für künftige Sommer. In: Die Zeit, 30. Juni 2026. Abgerufen am 30. Juni 2026.
Ausgangslage Meteorologie Bereits im Mai deutete sich ein außergewöhnlich warmer Sommer an, da sich das Mittelmeer, für die Jahreszeit ungewöhnlich, bereits stark erwärmt hatte. Blockierende Wetterlagen führten zu Hitzewellen mit Rekordtemperaturen in Frankreich, Großbritannien, Portugal, Spanien und der Schweiz.
Die Hitzewelle begann um den 18. Juni 2026.Theodore Keeping et al.: Fossil fuel emissions have rapidly worsened European heatwaves in just a few decades. World Weather Attribution, 26. Juni 2026. Bestimmt wurde die Großwetterlage zuerst durch das Hoch „Gorgias“, welches am 16. Juni über der Biskaya als Ausläufer eines Azorenhochs entstand. Dieses zog ostwärts quer über Mitteleuropa und erreichte eine Woche später das Schwarze Meer. Dazu kam das nordatlantische Hochdruckgebiet „Hartmut“, das am 24. Juni über Mitteleuropa ankam. Dabei kam es zu einer sogenannten Omegalage, wobei die Hochs von zwei Tiefs im Westen und Osten flankiert wurden, was dazu führte, dass sich eine stationäre Wetterlage ausbildete. Diese Omegalage unterbricht die normale West-Ost-Zirkulation des Wetters, so dass Atlantiktiefs für längere Zeit nicht nach Mitteleuropa gelangen konnten.Omega-Lage bringt Rekord-Temperaturen nach Hessen – Bald Atempause, aber keine Wetter-Wende. In: Frankfurter Rundschau, 25. Juni 2026. Abgerufen am 28. Juni 2026. Die Luft in einem Hochdruckgebiet sinkt ab und erwärmt sich dadurch; die Erwärmung unterdrückt die Wolkenbildung, wodurch wiederum die Einstrahlung steigt; die Erwärmung fiel besonders stark aus, weil diese Wetterlage zur Zeit der maximalen Tageslänge und des größten Sonneneinstrahlungswinkels lange anhielt. Infolgedessen lagen die Temperaturen teils bis zu 18 °C über den sonst um diese Jahreszeit herrschenden Werten.Germany and Italy swelter in heatwave as records tumble across Europe. In: The Guardian, 28. Juni 2026. Abgerufen am 27. Juni 2026.
Luftmassen rotieren auf der Nordhalbkugel im Uhrzeigersinn um ein Hochdruckgebiet, um ein Tiefdruckgebiet entgegengesetzt. Daher entwickelte sich zwischen den Hochs und dem ihnen westlich davon nachfolgenden, anfangs westlich der Iberischen Halbinsel liegenden Tief eine straffe Strömung aus Süden bis Südwesten, die die heiße Luft von Nordafrika zunächst nach Südwest- und Westeuropa schaufelte. Das an der Oberfläche meist 26 bis 28 °C warme Mittelmeer verhinderte eine stärkere Abkühlung der heißen Luft. Hoch „Gorgias“ sorgte zunächst etwa vom 21. bis 23. Juni vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Südhessen für große Hitze und für erste Juni-Temperaturrekorde. Mit dem allmählichen Zug der beiden Hochs nach Osten verlagerte sich auch diese Heißluftströmung ostwärts, so dass der Schwerpunkt der Hitze im Gefolge der Hochs von West nach Ost über Europa zog und sich am 28. Juni allmählich nach Osteuropa verlagerte.Germany, Czechia, Poland and Hungary swelter through hottest days on record . In: The Guardian, 28. Juni 2026. Abgerufen am 29. Juni 2026. Das Zentrum von „Hartmut“ lag am 29. Juni über Ostungarn und dem Nordwesten Rumäniens. An seiner Rückseite begann allmählich etwas feuchtere und weniger warme Luft von Westen unter anderem nach Westösterreich zu strömen sowie dort erste Gewitter zu verursachen. Dort sanken die Tageshöchsttemperaturen an einigen Messstellen im Alpenrheintal erstmals am 29. Juni wieder auf knapp unter 30 °C, während in Ostösterreich immer noch bis zu 40 °Chttps://on.orf.at/video/14329551/wetter-vorarlberg-vom-29062026 und am darauffolgenden Tag im Norden Ungarns bis zu 42 °C gemessen wurden. Mit einer Tageshöchsttemperatur von 28,7 °C war die Serie von Hitzetagen am 2. Juli dann auch in der Innenstadt von Wien beendet, während die Tiefsttemperaturen dort noch eine ganze weitere Woche lang um die 20 °C pendelten.
Klimawandel-Attribution Eine Attributionsstudie kam zu dem Ergebnis, dass Hitzewellen wie die beobachtete durch den menschengemachten Klimawandel, der die Erde global bereits um 1,4 °C erwärmt hat, deutlich wahrscheinlicher werden. So wären die 2026 erreichten Temperaturen im Jahr 1976, als zahlreiche Hitzerekorde aufgestellt wurden, im Juni praktisch unmöglich und auch im Hochsommer hochgradig unwahrscheinlich gewesen. Die Studie weist darauf hin, dass der Juni der sich am schnellsten erwärmende Monat in Europa ist und eine vergleichbare Hitzewelle wie 2026 im Jahr 1976 deutlich kühler ausgefallen wäre; tags um ca. 3,5 °C, nachts um etwa 2,4 °C. Insgesamt sei die Hitzewelle bezogen auf den Zeitraum vom 22. bis am 30. Juni die schwerste, die jemals in der untersuchten Region (10,5° W bis 20° O und 40 bis 60° N; entspricht großmehrheitlich West- und Mitteleuropa) beobachtet worden sei.
Situation in einzelnen Staaten Belgien Für Belgien kam es zwischen 18. Juni und 1. Juli 2026 zu einer Übersterblichkeit von 1.747 Menschen. Damit starben während der Hitzewelle 48 % mehr Menschen als üblich; der höchste Wert seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2000. In der Wallonie lag die Übersterblichkeit sogar bei 76 Prozent; dort wurden während der Hitzewelle 919 zusätzliche Todesfälle verzeichnet. Tödlichster Tag der Hitzewelle war der 27. Juni mit 641 zusätzlichen Todesfällen.Hitzewelle von Ende Juni sorgte für außergewöhnlich hohe Übersterblichkeit. In: Belgischer Rundfunk, 8. Juli 2026. Abgerufen am 10. Juli 2026.
Dänemark In Dänemark wurde mit 37 °C der höchste Temperaturwert seit Beginn der Aufzeichnungen 1874 gemessen.In halb Europa werden Temperaturrekorde gebrochen. In: Nau.ch, 28. Juni 2026. Abgerufen am 28. Juni 2026.
Deutschland Meteorologie In Deutschland begann der Deutsche Wetterdienst am 18. Juni Hitzewarnungen vor starker bis extremer Hitzebelastung für verschiedene Regionen im Land auszugeben, zunächst vor allem für den Westen, Südwesten und die Mitte Deutschlands. Der DWD warnte davor, dass die Hitzewelle mit einer erwarteten Dauer von 12 Tagen zu den längsten seit Einführung des DWD-Hitzewarnsystems im Jahr 2005 gehöre und er noch nie so früh im Jahr eine Hitzewarn-Periode dieser Länge registriert habe. Tobias Fuchs, DWD-Vorstand Klima und Umwelt, ordnete die Hitzewelle als „nicht nur durch ihre Länge und das frühe Auftreten im Sommer außergewöhnlich“ ein, auch sei die auf die Menschen einwirkende „Hitzebelastung ungewöhnlich hoch“.Noch nie so früh im Jahr: Deutscher Wetterdienst warnt über langen Zeitraum vor Hitze . Deutscher Wetterdienst. Abgerufen am 25. Juni 2026.
In Deutschland wurden neue Allzeit-Höchstwerte aufgestellt. Am 26. Juni wurde zunächst in Saarbrücken-Burbach mit 41,3 °C die höchste je in Deutschland gemessene Temperatur registriert, womit der bis dato geltende, am 25. Juli 2019 in Tönisvorst und Duisburg-Baerl gemessene Rekordwert von 41,2 °C übertroffen wurde.Temperaturrekord in Deutschland gemessen. In: Tagesschau.de, 26. Juni 2026. Abgerufen am 26. Juni 2026. Zugleich wurde der bisherige ebenfalls 2019 aufgestellte Junirekord, der bei 39,6 °C lag, um fast zwei Grad überboten.Deutscher Hitzerekord im Juni gebrochen. In: T-Online.de, 26. Juni 2026. Abgerufen am 26. Juni 2026. Außer in Saarbrücken geschah das an 18 weiteren Orten, wobei teils über 40 °C erreicht wurden.Heißester Tag aller Zeiten in Deutschland. In: T-Online.de, 26. Juni 2026. Abgerufen am 26. Juni 2026. Nur einen Tag später, am 27. Juni, wurde mit 41,8 °C in Drewitz im Jerichower Land in Sachsen-Anhalt ein weiterer Rekordwert gemessen. In Sandersdorf-Brehna wurden am 27. Juni 2026 ein Wert von 41,6 °C erreicht, in Saarbrücken-Burbach nochmal 0,1 °C mehr als am Vortag. Einen Tag später, am 28. Juni, wurden in Coschen an der deutsch-polnischen Grenze in Brandenburg 41,7 °C und in Bad Muskau 41,5 °C gemessen. Insgesamt gab es zwischen dem 26. und 28. Juni an neun Messstationen mehr als 41 °C, wobei in Saarbrücken-Burbach an zwei Tagen hintereinander mehr als 41 °C auftraten. Am 27. Juni registrierten über 40 Stationen 40 °C oder mehr, 35 °C oder mehr gab es selbst im Norden Schleswig-Holsteins sowie entlang der Ostseeküste bis in den Raum Greifswald sowie auf Rügen.
Es kam zu zahlreichen tropischen Nächten,Bis zu 40 Grad und Unwetter – Hitzewelle erreicht Höhepunkt. In: n-tv.de, 27. Juni 2026. Abgerufen am 28. Juni 2026. wobei auch der Rekord für die höchste Nachttemperatur deutlich übertroffen wurde. So fiel im sächsischen Kubschütz in der Nacht von 27. auf den 28. Juni die Temperatur nicht unter 29,4 °C. Damit wurde der bisherige Rekordwert, 27,2 °C, die 2003 in Rheinland-Pfalz gemessen wurden, um mehr als 2 Grad übertroffen.29,4 Grad gemessen - Rekord für wärmste Nacht in Deutschland . In: Borkener Zeitung, 28. Juni 2026. Abgerufen am 28. Juni 2026. mini|hochkant|Abkühlungsangebot an der Hahnentorburg in Köln am 26. Juni 2026
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