mini|Die Mauritiuskirche in Fornsbach mini|Die Mauritiuskirche im 17. Jahrhundert (Andreas Kieser, 1686) Die evangelische Kirche St. Mauritius (auch Mauritiuskirche) ist eine Pfarrkirche in Fornsbach, einem Stadtteil der Stadt Murrhardt im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Die Kirchengemeinde FornsbachWebsite der Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Backnang der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Das nach dem Heiligen Mauritius benannte Gotteshaus ist wohl im 13. Jahrhundert als Wehrkirche entstanden und wurde mehrfach umgebaut. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs wurde die Kirche bei einem amerikanischen Luftangriff fast völlig zerstört. Der Wiederaufbau unter Einbeziehung einiger weniger Baureste fand von 1950 bis 1951 unter Leitung des Architekten Otto Nussbaum (Backnang) im Heimatschutzstil statt.
Geschichte Es ist nicht genau feststellbar, wann die erste Kirche in Fornsbach errichtet wurde. Die Mauritiuskirche ist in ihren ältesten Teilen romanisch gewesen und wurde vielleicht im 13. Jahrhundert erbaut. Später wurde die Kirche im gotischen Stil umgestaltet. Der Schlussstein des Turmchorgewölbes zeigte das Wappen der Herren von Wunnenstein mit drei Beilen. Erstmals erwähnt wurde die Kirche im Jahre 1440 als Kapelle St. Mauritius. Es gibt Hinweise darauf, dass die Kirche einst wehrhaft gewesen war. Die unteren Turmgeschosse wiesen Schießscharten auf und der Kirchhof war noch im 19. Jahrhundert zur Hälfte mit einer Mauer umgeben. Nach der Einführung der Reformation im 16. Jahrhundert war der Diakon von Murrhardt zugleich als Pfarrer für Fornsbach zuständig. 1615 wurde die Kirche grundlegend umgebaut: Das Kirchenschiff wurde – wie viele württembergischen Kirchen nach Einführung der Reformation – zur Ausweitung des Sitzplatzangebots zum Einbau von Emporen erhöht und der Kirchturm dementsprechend mit einer hölzernen Glockenstube aufgestockt. Im Mai 1781 wurde eine Sakristei angebaut. Die letzte größere Renovierung fand 1892 statt.
Am 18. April 1945 beobachteten US-Streitkräfte eine Fahrzeugkolonne der Deutschen Wehrmacht beim Rückzug Richtung Gschwend. Daraufhin griffen Jagdbomber der United States Army Air Forces (USAAF) Fornsbach viermal hintereinander an. Neben der Mauritiuskirche wurden noch 55 Wohnhäuser, 32 Scheunen, das Pfarr- und das Rathaus völlig zerstört.
In den 1950er Jahren wurde der Wiederaufbau der Kirche beschlossen. Dabei wurde jedoch nur der östliche Teil der Fundamentmauer der südlichen Wand des alten Kirchenschiffs in den Neubau einbezogen.
Architektur und Ausstattung Aus der alten Kirche haben sich kaum Gegenstände erhalten; das spätgotische Altarkreuz, das Karl Eduard Paulus in seiner Beschreibung des Oberamts Backnangs erwähnte, ist 1945 verbrannt. Eine spätgotische Mutter Gottes blieb schwer beschädigt erhalten und wurde in ein Museum abgegeben.
Der Ambo wurde 1951 von Ulrich Henn (1925–2014) gestaltet und zeigt ein Relief des Gleichnisses vom unfruchtbaren Feigenbaum . Im östlichen Chorfenster befindet sich ein Buntglasfenster von Wolf-Dieter Kohler (1928–1985) aus der Stuttgarter Glaswerkstatt Jahn & Gaiser (dann Siefried Gaiser, jetzt: Gaiser & Fieber, Esslingen). Als Bildthema hat Kohler das mittelalterliche Motiv des Gnadenstuhls zur schwierigen Darstellung des dreieinigen Gottes, der Trinität, gewählt.Oliver Kohler (Hrsg.): Licht und Farbe. Wolf-Dieter Kohler 1928-1985. Hg. im Selbstverlag, Stuttgart 1988.
Orgel Bei dem Luftangriff vom 18. April 1945 wurde die alte Orgel vollständig zerstört. Dank vieler Spenden aus der Bevölkerung konnte 1955 ein neues Instrument von der Orgelbaufirma Walcker (Ludwigsburg) angeschafft werden. Der Preis lag bei 13.320 Deutsche Mark. Am 16. Januar 1955 wurde die Walcker-Orgel feierlich eingeweiht. Wegen zahlreicher Mängel wurde zu Beginn der 1990er Jahre die Anschaffung einer neuen Orgel beschlossen. Das neue Instrument wurde von Orgelbau Tzschöckel (Althütte-Fautspach) gebaut.
Die Disposition der Orgel lautet: I Manual C–1. Prinzipal 8′2. Rohrflöte 8′3. Oktave 4′4. Gemshorn 4′5. Quinte ′′6. Flöte 2′7. Mixtur IV 2′ Tremulant II Manual C–8. Gedeckt 8′9. Salicional 8′10. Querflöte 4′11. Nasard ′12. Doublette 2′13. Terz ′′14. Trompete 8′ Tremulant Pedal C–15. Subbass 16′16. Gedecktbass 8′17. Choralbass 4′18. Fagott 16′19. Fagott 8′
Koppeln: II/I, II/I 16′, II/II 16′, I/P, II/P, II/P 4′
Glocken Im Kirchturm hängen vier Glocken, die alle während des Wiederaufbaus 1950 bei der Glockengießerei Bachert in Heilbronn gefertigt wurden. Eine sehr alte Glocke aus dem 15. Jahrhundert (1440) wurde 1921 gegen eine Stahlglocke getauscht und eingeschmolzen. Eine Glocke von Christian Ludwig Neubert (Ludwigsburg) 1772 gegossene Glocke wurde 1917 als Metallspende dem Heer abgegeben. +ÜbersichtGlockeNameGlockengießerGussortGussjahrSchlagtonDurchmesserInschriftGlockenzierI.Betglocke (Vater-Unser-Glocke)Gebr. BachertHeilbronn1950g′105,2 cmJESUS SIEGTKrone / ChristusmonogrammII.KreuzglockeGebr. BachertHeilbronn1950b′88,5JESUS LIEBTJungfrau Maria mit JesuskindIII.ZeichenglockeGebr. BachertHeilbronn1950c″77,5 cmJESUS LEBT / DIE KIRCHENGEMEINDE IHREN GEFALLENEN UND VERMISSTEN BRÜDERNBetende Hände, Kreuz, Alpha und OmegaIV.TaufglockeGebr. BachertHeilbronn1950es″64,5 cmJESUS TRÄGTFische / Christusmonogramm
Literatur Adolf Schahl: Die Kunstdenkmäler des Rems-Murr-Kreises. Band 1. Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 1983, ISBN 3-422-00560-9, S. 655–659.
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