mini|Abd al-Muhsin as-Sa'dun Abd al-Muhsin as-Sa'dun (; * 1879 in Nasiriyya, Vilâyet Basra, Osmanisches Reich; † 13. November 1929 in Bagdad) war ein irakischer Politiker. Er amtierte in den 1920er Jahren viermal als Premierminister des Irak und gehörte zu den prägenden Politikern des frühen Königreichs Irak während der britischen Mandatszeit.

Leben As-Sa'dun stammte aus der Familie der Sa'dun, die zu den führenden Familien der Stammeskonföderation der Muntafiq im südlichen Irak gehörte und über umfangreichen Landbesitz verfügte. Seine Ausbildung erhielt er in Istanbul, wo er eine militärische Laufbahn einschlug. Während der späten osmanischen Zeit diente er als Offizier, war zeitweise Adjutant von Sultan Abdülhamid II. und gehörte mehrere Jahre dem osmanischen Parlament an. Nach dem Ende der osmanischen Herrschaft über Mesopotamien wurde as-Sa'dun zu einer wichtigen Figur der irakischen Politik. Er verband den Einfluss einer südirakischen Großgrundbesitzerfamilie mit Erfahrungen aus der osmanischen Verwaltung und konnte dadurch sowohl bei Teilen der irakischen Elite als auch bei britischen Stellen Unterstützung gewinnen.

As-Sa'dun wurde am 20. November 1922 erstmals zum Premierminister ernannt und löste Abd ar-Rahman al-Gillani ab. Seine erste Amtszeit fiel in eine Phase, in der der junge irakische Staat seine Institutionen aufbaute und zugleich unter starkem britischem Einfluss stand. Zentral war dabei der Umgang mit dem anglo-irakischen Vertrag, der das Verhältnis zwischen dem Irak und Großbritannien regelte. Nach seiner ersten Amtszeit blieb as-Sa'dun einer der wichtigsten parlamentarischen Akteure. Er bekleidete außerdem 1922 die Ämter des Verteidigungsministers, des Innenministers (1922, 1922–1923, 1924–1925), des Justizministers (1922–1923), des Außenministers (1925–1926, 1928–1929) und des Finanzministers (1925–1926).

Er führte die politische Gruppierung der Fortschrittlichen, die in der Kammer der Abgeordneten zu den einflussreichsten Kräften gehörte. Dies machte ihn zu einem der erbittertsten Rivalen von König Faisal, da er häufig als Instrument der britischen Vorherrschaft über die irakischen Interessen fungierte, die Faisal zu verfolgen versuchte. As-Sa'dun, aus einer sunnitischen Familie mekkanischer Abstammung, galt zudem als erbitterter Feind der Schiiten im Irak, deren Stammesrevolten er niederschlagen ließ.

Seine zweite Regierung bildete as-Sa'dun am 26. Juni 1925. In dieser Zeit spielte er eine wichtige Rolle bei der Durchsetzung der britisch-irakischen Vereinbarungen, die im Irak stark umstritten waren. Teile der nationalistischen Opposition sahen ihn daher als zu britenfreundlich an. Andere Zeitgenossen, darunter Tawfiq al-Suwaydi, betonten dagegen, as-Sa'dun habe zunächst eine vorsichtige Politik verfolgt, weil er den jungen irakischen Staat durch äußere Bedrohungen aus der Türkei, Iran, Syrien und dem wahhabitischen Saudi-Arabien gefährdet sah. Im Jahr 1926 sorgte er dafür, dass das ungleiche, auf 25 Jahre angelegte „Finanz- und Militärabkommen“ zwischen dem Irak und Großbritannien trotz seiner Unbeliebtheit umgesetzt wurde. Von 1926 bis 1928 sowie erneut 1929 war er Präsident der Abgeordnetenkammer.

Im Juli 1926 wurde as-Sa'dun von der britischen Krone als Ehrenritter-Kommandeur des Order of St Michael and St George ausgezeichnet. Die Auszeichnung entsprach seiner engen Rolle im britisch-irakischen Mandatssystem, trug aber auch zu der innenpolitischen Kritik bei, er stehe Großbritannien zu nahe.

Am 11. Januar 1928 übernahm as-Sa'dun zum dritten Mal das Amt des Premierministers. In dieser Phase verschärften sich die Auseinandersetzungen um die britische Kontrolle über die irakische Außen- und Militärpolitik. As-Sa'dun näherte sich zunehmend der Forderung König Faisals I. nach größerer Selbstständigkeit des Irak an und trat im April 1929 zurück, nachdem er seine Ziele gegenüber Großbritannien nicht hatte durchsetzen können.

Am 19. September 1929 wurde as-Sa'dun zum vierten Mal Premierminister. Seine letzte Regierung stand unter dem Druck der Verhandlungen über ein neues anglo-irakisches Abkommen, das dem Irak den Weg zu größerer internationaler Anerkennung und späterer Unabhängigkeit öffnen sollte. Zugleich geriet er zwischen britische Erwartungen, die Forderungen König Faisals und den Widerstand verschiedener irakischer Politiker.

Am 13. November 1929 starb as-Sa'dun in Bagdad durch Suizid. Sein Tod während der Amtszeit wurde mit dem politischen Druck erklärt, unter dem er in den Verhandlungen mit Großbritannien und im Umgang mit seinen irakischen Gegnern stand. Er hinterließ einen Brief an seinen Sohn, in dem er schrieb: „Ich habe alle möglichen Beleidigungen und Verachtung geduldig ertragen.“

Nach as-Sa'dun wurde in Bagdad die Sa'dun-Straße benannt. Zudem wurde dort später ein Denkmal zu seinem Gedenken errichtet.

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