Gěi āmó de qíngshū (, er Titel Dear You) ist ein chinesisches Filmdrama von Lan Hongchun aus dem Jahr 2026. Der überwiegend im Chaoshan- bzw. Teochew-Dialekt erzählte Film handelt von einer Familiengeschichte zwischen Guangdong und Südostasien mit qiaopi (), also Briefen und Geldsendungen früherer Auslandschinesen. Nach dem chinesischen Kinostart am 30. April 2026 entwickelte sich die niedrig budgetierte Produktion ohne etablierte Stars zu einem Überraschungserfolg.

Handlung Die Rahmenhandlung beginnt im heutigen Shantou, wo die 87-jährige Ye Shurou von Familie und Nachbarschaft gefeiert wird. Ihr verschuldeter Enkel Xiaowei reist nach Bangkok, um Shurous seit Jahrzehnten verschwundenen Ehemann Zheng Musheng zu suchen, dem die Familie Reichtum und ein zweites Leben in Thailand zuschreibt. Seine Nachforschungen führen in die 1940er- und 1950er-Jahre, als Zheng aus der Chaoshan-Region nach Thailand gelangt, während Shurou in Südchina allein die Kinder großzieht. In Bangkok begegnet Zheng der aus einer Chaoshan-Familie stammenden Xie Nanzhi, die nach seinem Tod fast zwei Jahrzehnte lang in seinem Namen Briefe und Geld an Ye Shurou sendet. Aus der vermuteten Ehebruchsgeschichte wird so eine Erzählung über Fürsorge, Verschwiegenheit und die späte Verbindung zweier Frauen, die einander lange nur über Briefe nahe sind.

Themen und Stil Das zentrale Motiv der qiaopi verweist auf ein historisches Kommunikationssystem, mit dem Auslandschinesen Briefe, Familiennachrichten und Geldsendungen nach China schickten. Der Film nutzt dieses Motiv zur Verschränkung von Migration, Schriftlichkeit, familiäre Verantwortung, weibliche Solidarität und Bindung an Heimat und Herkunft. Die Kritik hob Ortssinn, Humor, Zeitatmosphäre und natürlich wirkende Darstellungen hervor. In der chinesischen Debatte wurde besonders betont, dass mehr als 95 Prozent der Dialoge im Chaoshan-Dialekt gesprochen werden und lokale Akzente zur Genauigkeit beitragen.

Produktion Lan Hongchun, der aus der Chaoshan-Region stammt, schrieb und inszenierte den Film nach mehrjähriger Beschäftigung mit lokalen Familien- und Migrationsgeschichten. Die Stoffentwicklung knüpfte an Recherchen für Lans Dokumentarfilm Si hai chaowei () an, bei denen er Auslandschinesen in Südostasien befragte und in den qiaopi ein Motiv von Irrtum, Trennung und Zuneigung erkannte. Nach dem ersten Exposé recherchierte das Team mehr als ein halbes Jahr in Südostasien, führte Gespräche mit älteren Auslandschinesen und suchte in lokalen Archiven nach schwer zugänglichem Material. Für die Besetzung suchte das Team neun Monate lang in Chaoshan-sprachigen Gebieten Guangdongs und sichtete mehr als 1000 Personen, bevor die damals 20-jährige Finanzstudentin Li Sitong ohne Schauspielerfahrung für die Rolle der Xie Nanzhi ausgewählt wurde.

Veröffentlichung und Wirkung Beim Start in China am 30. April 2026 verfügte der Film nur über einen geringen Anteil der landesweiten Vorführungen, steigerte sich aber durch Mundpropaganda und überschritt im Mai 2026 die Marke von einer Milliarde Yuan. Im Vereinigten Königreich und Irland kam der Film am 26. Juni 2026 in die Kinos. In Singapur löste er eine Debatte aus, weil viele Kinovorführungen zunächst auf Mandarin synchronisiert wurden, obwohl das Original fast vollständig Teochew verwendet. Nach ausverkauften Teochew-Sondervorführungen kündigte Singapurs Informationsministerium eine flexiblere Haltung gegenüber Dialektfilmen im Kino an.

Weblinks

Leslie Felperin: Dear You review – enjoyable Chinese romdram crosses generations as it tracks down a missing husband. In: The Guardian, 24. Juni 2026

Fußnoten Der allgemeiner historischer Begriff qiaopi () wird auch als fanpi () bezeichnet. In der kantonesischen Siyi-Region im Westen des Perlflussdeltas in Guangdong (Kanton) ist er meist unter der Bezeichnung yinxin () bekannt. Hingegen in der Minnan-Region an der Küste im Süden von Fujian kennt man diese Briefsendungen schlicht als pi ().

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 2026 Kategorie:Chinesischer Film Kategorie:Filmdrama Kategorie:Migration im Film Kategorie:Low-Budget-Film