Die Kirche St. Ursula (meist nur Evangelische Kirche genannt) ist eine evangelische Pfarrkirche in Kirchenkirnberg, einem Stadtteil der Stadt Murrhardt im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Backnang der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die Kirche wurde im württembergischen Kameralamtsstil in den Jahren 1843 bis 1845 erbaut und ist nach der Heiligen Ursula von Köln benannt.
Geschichte Es ist nicht mehr genau feststellbar, wann die erste Kirche in Kirchenkirnberg errichtet wurde. Man geht davon aus, dass der Ort im Zuge der Kolonisierung eines unbewohnten Waldgebiets durch das Kloster Murrhardt erfolgte. Erstmals erwähnt wurde die Kirche im Jahre 1278. Im späten Mittelalter entwickelte sich Kirchenkirnberg zu einem Wallfahrtsort und erhielt das Recht, einen Jahrmarkt an Ostermontag abzuhalten.
Anfang der 1840er Jahre wurde vom württembergischen Hofbaumeister und Oberbaurat Gottlob Georg Barth der Normalplan eines neuen Emporensaals mit Turm ausgearbeitet, mit Abänderungen vom Gmünder Bezirksbauinspektor Gottlieb Wilhelm Wepfer übernommen und von 1843 bis 1845 als große, eintausend Personen fassende, so genannte Kameralamtskirche im Rundbogenstil mit Sandsteinverblendung verwirklicht. In das Walmdach wurde ein Frontturm integriert mit flankierenden Treppenhäusern zur dreiseitigen Empore im Inneren, deren Stützen auch die Unterzüge der Raumdecke trugen. Die gegenüber liegende flache Rundbogennische enthielt die mittige Kanzel mit Zugang aus dem Sakristeianbau, davor Altar und Taufstein. Die alte und kleine gotische Kirche auf dem bis heute gemeindeeigenen Friedhof wurde 1868 abgebrochen.
Zerstörung und Wiederaufbau Am 18. April 1945 wurde die Kirche durch einen Angriff der US Army Airforce (USAAF) fast vollständig zerstört; lediglich die Außenmauern überstanden den Luftschlag. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden rasch Pläne für einen Wiederaufbau ausgearbeitet. Der Wiederaufbau nach Plänen von Hans Seytter mit der Verkleinerung um die Hälfte, da sich die Kirche bisher als zu groß erwiesen hatte, zog sich bis 1952 hin. Die Verkleinerung wurde erreicht durch die Kürzung des Langhauses von hinten her um drei Joche und Fensterachsen sowie die Höhenkürzung der Außenwände um zwei Meter. Auch der Kirchturm wurde eingekürzt. 2021 wurde er renoviert, gefördert vom Land Baden-Württemberg.https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/land-foerdert-sanierung-und-erhalt-von-68-kulturdenkmalen.
Ausstattung Die Kanzel ist aus Holz und entstand 1951. Der Altar entstand 1966 nach einem Entwurf des Architekten Wendschuh. Das schmiedeeiserne Altarkreuz gestaltete Wolf-Dieter Kohler. Der Taufstein stammt von H. Röger (Gaildorf).
Das Buntglasfenster im Chor wurde von Wolf-Dieter Kohler entworfen und in der Stuttgarter Glaswerkstatt Emil Gaiser gefertigt. Es zeigt die Auferstehung Jesu Christi.
Orgel Als Ersatz für die 1945 zerstörte Orgel von Aug. Laukhuff (Pfedelbach) aus dem Jahre 1846 wurde 1959 eine Orgel von der Giengener Orgelmanufaktur Gebr. Link angeschafft.
Glocken Im Kirchturm hängen vier Glocken, die allesamt nach dem Zweiten Weltkrieg gegossen wurden. Die älteste Glocke ist die Zeichenglocke, die 1950 bei der Glockengießerei Bachert in Heilbronn gegossen. Die jüngsten Glocken sind die Bet- und die Kreuzglocke, die 1962 von Kurtz (Stuttgart) beschafft wurden. +Glocken von St. UrsulaGlockeNameGlockengießerGussortGussjahrSchlagtonDurchmesserInschriftGlockenzierI.Betglocke (Vater-Unser-Glocke)Heinrich KurtzStuttgart1962f'115,5 cmEHRE SEI DEM VATER VND DEM SOHNE VND DEM HEILIGEN GEISTE / VERGISS NICHT, WAS ER DIR GVTES GETAN HAT. WIEDERAUFBAV VNSERER KIRCHE 1947 – 1952 – 1962 / KIRCHENKIRNBERG 1962Heilige Dreieinigkeit (Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist als Taube)II.KreuzglockeHeinrich KurtzStuttgart1962g'102,9 cmER IST VNSER FRIEDEKreuzigungsgruppeIII.ZeichenglockeA. BachertHeilbronn1950b'88 cmWACHET AUF RUFT UNS DIE STIMME–IV.TaufglockeA. BachertHeilbronn1952c''77,8 cmEHRE SEI GOTT IN DER HOEHE –
Literatur Adolf Schahl: Die Kunstdenkmäler des Rems-Murr-Kreises. Band 1. Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 1983, ISBN 3-422-00560-9, S. 665–568. Eberhard Bohn: Die Evangelische Kirche in Kirchenkirnberg 1952 - 2002. Zum 50jährigen Jubiläum des Wiederaufbaus. (Hrsg.) Evangelische Kirchengemeinde Kirchenkirnberg, Murrhardt 2002.
Einzelnachweise
Weblinks
Die Website der Kirchengemeinde
Kategorie:Kirchengebäude im Rems-Murr-Kreis Kategorie:Bauwerk in Murrhardt Kategorie:Kulturdenkmal in Murrhardt Kategorie:Ursulakirche Kategorie:Kirche in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Kategorie:Saalkirche in Baden-Württemberg Kategorie:Klassizistische Kirche Kategorie:Klassizistisches Bauwerk im Rems-Murr-Kreis Kategorie:Erbaut 1845 Kategorie:Zerstört im Zweiten Weltkrieg Kategorie:Geläut Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Bauwerk aus Sandstein