Julia Brailovskaia (* 1987 in Moskau) ist eine deutsche Psychologin und außerplanmäßige Professorin an der Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität Bochum, die am Forschungs- und Behandlungszentrum für psychische Gesundheit und am Lehrstuhl für klinische Psychologie und Psychotherapie arbeitet. Ihre Forschung befasst sich vor mit Online-Mediennutzung, sozialen Medien, Persönlichkeit, Lebensstil und psychischer Gesundheit sowie mit mediengebundenen Süchten und Prävention.
Leben Brailovskaia schloss im Jahr 2010 ein Bachelorstudium der Psychologie und 2012 ein Masterstudium der klinischen Psychologie ab, wurde 2015 promoviert und habilitierte sich 2019. Ab 2014 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungs- und Behandlungszentrum für psychische Gesundheit der Ruhr-Universität Bochum; seit 2015 war sie dort als Postdoktorandin, ab 2019 als Privatdozentin und seit Juni 2025 als Professorin tätig. Von Oktober 2021 bis März 2022 war sie Fellow am Center for Advanced Internet Studies und arbeitete dort zu experimenteller Forschung über soziale Medien und psychische Gesundheit. Seit Mai 2023 koordiniert sie das Digitale Panel des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit am Standort Bochum-Marburg.
Wirken Brailovskaia arbeitet mit längsschnittlichen und experimentellen Ansätzen zu Zusammenhängen zwischen der Nutzung sozialer Medien und Smartphones, psychischer Gesundheit, Lebensstil und Persönlichkeit. In einer 2022 veröffentlichten Studie mit 619 Personen verglich ihr Team Smartphone-Abstinenz, eine einstündige tägliche Nutzungsreduktion und unveränderte Nutzung; die Reduktionsgruppe zeigte die stabilsten Effekte auf Lebensstil und Wohlbefinden. Eine weitere Studie mit 642 Teilnehmenden untersuchte die Kombination aus täglich 30 Minuten weniger soziale Medien und 30 Minuten mehr körperlicher Aktivität und berichtete bis zu sechs Monate anhaltende Verbesserungen von Wohlbefinden und depressiven Symptomen. 2023 berichtete ihr Team, dass bereits eine Woche mit täglich 30 Minuten weniger nicht-arbeitsbezogener Nutzung sozialer Medien die Arbeitszufriedenheit, das Engagement und die psychische Gesundheit berufstätiger Teilnehmender verbesserte und die Sorge verringerte, etwas zu verpassen. 2024 folgte eine Untersuchung mit 278 Berufstätigen, nach der eine tägliche Reduktion privater Smartphone-Nutzung um eine Stunde, mehr körperliche Aktivität oder die Kombination beider Interventionen depressive Symptome verringerten und das Kontrollgefühl steigerten. Brailovskaia wirkte am 2025 veröffentlichten Leopoldina-Diskussionspapier Soziale Medien und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen mit, das unter Berufung auf das Vorsorgeprinzip altersbezogene Schutzmaßnahmen und eine altersgerechte Gestaltung sozialer Netzwerke empfahl. In einem taz-Interview unterschied sie 2026 zwischen passiver und aktiver Nutzung sozialer Medien, beschrieb suchtfördernde Mechanismen wie Autoplay, endloses Scrollen, Push-Nachrichten und personalisierte Werbung und betonte die Bedeutung positiver Offlineaktivitäten wie Sport oder Achtsamkeitsübungen.
Werke (Auswahl)
Bücher Narzisstisch und sensationssuchend? Eine Studie zum Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und Online-Selbstdarstellung am Beispiel von studiVZ. Hülsbusch, Glückstadt 2013, ISBN 978-3-86488-039-1. Die Folgen der „schönen blauen Welt“: Von der Facebook-Nutzung zur Facebook-Sucht. Habilitationsschrift an der Ruhr-Universität Bochum, Deutschland. 2019 Das narzisstische „digitale“ Selbst im Web 2.0 – Selbstdarstellung und Interaktion auf Facebook im Zusammenhang mit den Facetten der Persönlichkeit. Dissertation an der Ruhr-Universität Bochum, Deutschland. 2015
Weblinks
Schriften von Julia Brailovskaia beim ZPID (PubPsych) Webseite von Julia Brailovskaia an der Ruhr-Universität Bochum
Einzelnachweise
Kategorie:Psychologe (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Ruhr-Universität Bochum) Kategorie:Russe Kategorie:Sowjetbürger Kategorie:Geboren 1987 Kategorie:Frau