mini|322x322px|Abbildung der 1750 gefundenen Sarkophage in Jean-Claude Flachats Observations sur le commerce et sur les arts d’une partie de l’Europe, de l’Asie, de l’Afrique, et même des Indes orientales, Bd. 2 von 1766. Ein Sarkophagdeckel mit sieben Kuppeln war eine außergewöhnliche byzantinische Grababdeckung, die der französische Kaufmann Jean-Claude Flachat (1700–1775) Mitte des 18. Jahrhunderts in Konstantinopel sah und vermessen ließ.Siehe die Beschreibung in: Jean-Claude Flachat: Observations sur le commerce et sur les arts d’une partie de l’Europe, de l’Asie, de l’Afrique, et même des Indes orientales, Bd. 2, Lyon 1766, S. 1–4 (Digitalisat). Es handelte sich um ein Artefakt aus dunkelgrünem Stein in Form einer Kreuzkuppelkirche mit sechs niedrigeren Kuppeln von jeweils etwa 0,49 m Höhe sowie einer mittleren, deutlich höheren Kuppel von rund 0,80 m. Das Stück maß etwa 2,30 m in der Länge und 1,15 m in der Breite; vom Sockel bis zur Spitze der Hauptkuppel erreichte es eine Höhe von rund 1,80 m.Zu den Maßen vgl. Cyril Mango: Three Sarcophagi, S. 397.

Flachat berichtet, dass das Objekt 1750 bei Erdarbeiten auf dem Serailgelände gemeinsam mit zwei weiteren Sarkophagen aus Porphyr entdeckt worden sei. Die Sarkophage seien von einer kleinen Mauer umfriedet gewesen, was er als Hinweis auf einen älteren Bestattungsplatz frühbyzantinischer Kaiser deutete.Gebeine wurden bei den Sarkophagen nicht entdeckt. Flachat schildert weiter, dass die Sarkophage zunächst als Baumaterial für eine Moschee vorgesehen und deshalb zersägt werden sollten; von diesem Vorhaben kam man jedoch wieder ab. Über den weiteren Verbleib des Sarkophagdeckels wie der beiden Porphyrsarkophage ist nichts bekannt. Flachat mutmaßte, der Sultan wolle die Sarkophage als Tränken für die Pferde des Serails oder als Badebecken verwenden.

Alfons Maria SchneiderAlfons Maria Schneider: Das Regium sepulchrum apud comitatum, S. 15–21. vertrat die Auffassung, dass die 1750 entdeckten Sarkophage noch an ihrem ursprünglichen Standort im Bereich des Großen Palastes lagen. Den Ort deutete er als Mausoleum Valentinians I. Den Kuppelsarkophagdeckel ordnete er vorsichtig der mittelbyzantinischen Epoche zu. Cyril MangoCyril Mango: Three Sarcophagi, S. 397–402, insbes. S. 398; auch ders.: Notes, S. 369–75. wies diese Deutung zurück; auf ein Mausoleum in der Umgebung des Großen Palastes gebe es schlichtweg keinen Hinweis. Seiner Ansicht nach waren die Sarkophage erst zu einem späteren Zeitpunkt, wohl erst nach der türkischen Eroberung der Stadt, von außerhalb in das Serail verbracht worden. Am ehesten sei der dunkelgrüne Grabdeckel dem Grab von Kaisers Manuel I. Komnenos (✝ 1180) aus dem Pantokrator-Kloster zuzuschreiben, das in den Quellen als „mit sieben Spitzen“ versehen beschrieben wird.Zum Thema auch Claudia Sode: Zu dem Grab Kaiser Manuels I. Komnenos. In: Byzantinische Zeitschrift 94/1 (2001), S. 230f.; Nancy Patterson Ševčenko: The Tomb of Manuel I Komnenos, Again. In: Ayla Ödekan u. a. (Hrsg.): Proceedings of the First Sevgi Gonul Byzantine Studies Symposium (Juni 25–28, 2007), Istanbul 2010, S. 609–16. Die beiden Porphyrsarkophage stammten wohl aus der Apostelkirche.Cyril Mango: Three Sarcophagi, S. 397–402.

Literatur Alfons Maria Schneider: Das Regium sepulchrum apud comitatum zu Konstantinopel. In: Nachrichten der Akadademie der Wissenschaften in Göttingen, Philologisch-Historische Klasse 1950, Nr. 2, S. 15–21. Cyril Mango: Three Imperial Byzantine Sarcophagi Discovered in 1750. In: Dumbarton Oaks Papers 16 (1962), S. 397–402. Cyril Mango: Notes on Byzantine Monuments. In: Dumbarton Oaks Papers 23–24 (1969/70), S. 369–75.

Anmerkungen

Kategorie:Konstantinopel Kategorie:Einzelsarg Kategorie:Archäologischer Fund (Byzanz)